Nach Schuldspruch
Walter Bosch zum Gefängnis-Urteil: «An mir wird ein Exempel statuiert»

Er hatte sich nach oben gearbeitet, war Teil des Establishments. Doch nun ist Walter Bosch als erster grosser Schweizer Wirtschaftsführer mit einer Gefängnisstrafe konfrontiert. Ein Rechtsprofessor bezeichnet das Urteil als «einmalig».

Benjamin Weinmann
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KEYSTONE

Walter Bosch, der kürzlich verurteilte, ehemalige Präsident des Krankenversicherers KPT, kritisiert in der „Schweiz am Sonntag“ das das Berner Wirtschaftsstrafgericht.

«Mit diesem Ausgang habe ich nie und nimmer gerechnet. An mir wird ein Exempel statuiert», sagt der 71-Jährige. Das Gericht wolle offensichtlich ein Zeichen setzen in der Diskussion um gierige Manager und Verwaltungsräte. «Aber in mir haben sie das falsche Exempel. Ich habe nie illegal gehandelt.»

Bosch wurde eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten auferlegt, 30 davon sind bedingt und 6 weitere müssen vollzogen werden. „Es geht mir schlecht», sagt Walter Bosch. «Das Einzige, was mich jetzt aufrecht erhält, ist mein Umfeld, meine Freunde und meine Familie», sagt der in Thalwil ZH lebende Bosch, der verheiratet ist und zwei erwachsene Töchter hat.

«Nach dem Schuldspruch habe ich viele besorgte Anrufe erhalten von Freunden, die sich mit mir solidarisch zeigen.» Boschs Anwälte haben Berufung eingelegt und ziehen das Urteil ans Obergericht weiter.

«Ich kämpfe für mein Recht und meinen Ruf», sagt Bosch in der „Schweiz am Sonntag“. Wirtschaftsrechtsprofessor Peter V. Kunz spricht von einem «einmaligen Urteil».

Dass das Gericht an Bosch ein Exempel statuieren wollte, glaubt er nicht. Dafür sei Bosch schlicht zu unwichtig. «Er ist kein Dougan oder Ospel.»

Wahrscheinlicher erscheine ihm, dass die Richter sich davon beeinflussen liessen, dass es sich bei der KPT um eine Krankenkasse handelte. «Dabei wären nicht nur Aktionäre, sondern auch Leistungsempfänger geschädigt worden.»

Kunz stellt auch fest, dass sich die Stimmung zu Themen wie der Entschädigung von Verwaltungsräten und Managern verschärft habe. «Noch vor zehn Jahren wären Bosch und Liechti möglicherweise mit einem milderen Urteil davongekommen», sagt Kunz in der „Schweiz am Sonntag.“