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Warum der Kaffee billiger wird

Erstmals sinkt der Durchschnittspreis pro Tasse. Es wird auch weniger konsumiert - das liegt vor allem an den Kapseln.

Fabian Hock
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Die Schweiz ist Kaffeeland: In nur drei anderen Ländern wird noch mehr Kaffee konsumiert.

Die Schweiz ist Kaffeeland: In nur drei anderen Ländern wird noch mehr Kaffee konsumiert.

Bild: Gaetan Bally / Keystone

Der Lieblingskaffee der Schweizerinnen und Schweizer ist und bleibt der Café Crème. Und es gibt gute Nachrichten für die Kaffeefreunde im Land: Das Heissgetränk wird günstiger. Der Durchschnittspreis für eine Tasse Café Crème lag 2019 bei 4,22 Franken. Das sind drei Rappen weniger als im Vorjahr. Auch wenn der Rückgang marginal ausfällt, ist er eine echte Premiere: Seit der Verband Cafetiersuisse den durchschnittlichen Kaffeepreis in der Schweiz erhebt, sinkt er erstmals.

Dies obwohl der Kaffeemarkt schweiz- und weltweit boomt, wie Hans-Peter Oettli betont:

Der Präsident von Cafetiersuisse stellte gestern in Zürich die neuesten Zahlen zum Kaffeemarkt vor. Demnach bringt es der Schweizer Kaffeetrinker auf 975 Tassen im Jahr. Pro Kopf trinken weltweit lediglich die Deutschen, Norweger und Österreicher noch mehr, wie unsere Grafik zeigt:

Quelle: Schweizer Cafetier Verband, Grafik: mia

Dass hierzulande derart viel Kaffee konsumiert wird, liegt laut Oettli an der guten Qualität. Im Restaurant etwa gelte: «Wenn der erste gut war, trinkt man gerne auch einen zweiten», so der Kaffee-Präsident. Obendrein sei man bei der Herstellung von Maschinen Weltmarktführer, und gute Kaffeeröster gebe es hierzulande en masse. Die hervorragende Wasserqualität sei ebenfalls förderlich.

«Je mehr Kapseln, desto weniger Kaffee»

Alles gut also im Kaffeeland Schweiz? Nicht ganz. Denn 975 Tassen pro Person und Jahr sind zwar viel. Aber doch deutlich weniger als im Vorjahr, als Schweizerinnen und Schweizer noch 1100 Tassen konsumierten. Auch in den Jahren zuvor waren es deutlich über 1000.

Oettli hat Mühe, diesen Rückgang zu erklären. Möglicherweise liege es an statistischen Effekten, sagt er auf eine entsprechende Frage. Und gibt dann doch einen interessanten Hinweis: „Der Kaffee in Kapseln ist marginaler, das könnte eine Rolle spielen.“ Was er meint: Pro Tasse werden 7 Gramm Kaffee veranschlagt. Eine handelsübliche Kapsel enthält jedoch nur rund 5 Gramm. Kaffeekapseln verkauften sich in den vergangenen Jahren immer besser. Oettli bilanziert: «Je mehr Kapseln, desto weniger Kaffee.»

Im Restaurant braucht es mehr Qualität

Und wie kommen die gesunkenen Preise zustande? Nicht durch die Rohstoffkosten, meint Verbandspräsident Oettli. Diese seien zwar deutlich zurückgegangen. Als Erklärung für den gesunkenen Preis für das Endprodukt falle der Rohstoffpreis jedoch aus. Andere Faktoren wie Lohnkosten oder die Preise der Konkurrenz beeinflussten den Verkaufspreis pro Tasse im Café wesentlich stärker, sagt Oettli. Daher lohne es sich für Gastro-Betriebe, qualitativ besseren Kaffee einzukaufen. Dieser sollte in jedem Fall besser sein als der Kapselkaffee, denn dieser setze in Schweizer Haushalten den Standard. Und wer auswärts gute vier Franken für eine Tasse Kaffee bezahlt, dürfe schon eine höhere Qualität als daheim erwarten.

Regional beobachtet Cafetiersuisse eine zunehmende Angleichung: Während in den hochpreisigen Städten Betriebe immer häufiger mit Rabattaktionen auffielen, steige in den günstigeren ländlichen Regionen der Preis langsam an.

Für 2020 erwartet der Kaffeeverband keine grossen Veränderungen. Tendenziell dürften die Preise eher zurückgehen.