Warum die Stromtarife in verschiedene Richtungen gehen

Die einen Elektrizitätswerke senken 2020 den Strompreis, andere erhöhen ihn. Warum ist das so?

Rainer Rickenbach
Drucken
Teilen
Die Stadtluzerner zahlen 2019 mehr für den Strom der EWL, Privatkunden der CKW kommen dagegen besser weg. (Symbolbild: Christian Beutler/Keystone)

Die Stadtluzerner zahlen 2019 mehr für den Strom der EWL, Privatkunden der CKW kommen dagegen besser weg. (Symbolbild: Christian Beutler/Keystone)

Am besten kommen die Privatkunden und die kleineren Geschäftskunden im kommenden Jahr bei den CKW weg: Sie müssen für den Strom rund 30 Prozent weniger bezahlen als in diesem Jahr. Auch die Nidwaldner erhalten im Jahr 2020 günstigere Rechnungen von ihrem Elektrizitätswerk, wenn sie auch nur um durchschnittlich ein Prozent tiefer ausfallen.

Die Stadtluzerner hingegen zahlen im Schnitt 1,7 Prozent mehr für den Strom des EWL, und die Privathaushalte im Einzugsgebiet der WWZ-Gruppe müssen sogar noch tiefer in ihre Taschen greifen (Ausgabe vom 31. August).

Wie ist es möglich, dass die Preisentwicklung unter den Zentralschweizer Energie­unternehmen so stark voneinander abweichen? «Weil die Strukturen der verschiedenen Energieversorger ganz unterschiedlich sind, was die Energieproduktion, die Energiebeschaffung und das Verteilnetz angeht», erklärt CKW-Sprecher Marcel Schmid. Sie seien für den Tarif massgebend. Hinzu kommen die öffentlichen Abgaben, welche die Werke an die Besitzer der Energiequelle zu entrichten haben.

An der Strombörse steigen die Preise wieder

Da ist einmal die Herstellung. Die CKW und noch stärker die Urner Kraftwerke produzieren einen grossen Teil des Stroms in ihren eigenen Wasserkraftwerken. Das EWL oder die WWZ-Gruppe hingegen kaufen den grössten Teil des Stromes ein. Noch vor drei Jahren war das finanziell eher ein Vorteil, weil die Preise auf dem internationalen europäischen Strommarkt am Boden waren und sich der Einkauf mehr lohnte als die Eigenproduktion mit den damit verbundenen Investitionskosten.

Seit rund eineinhalb Jahren erholt sich der Preis an der Strombörse aber Schritt um Schritt. Von den Spotpreisen in der Zeit vor der Finanzkrise sind die Preise zwar immer noch weit entfernt. Doch die Tiefpreis­phase der Jahre 2012 bis 2016 scheint überwunden zu sein. Die Eigenproduktion ist für die Energieunternehmen wieder lohnenswerter. Die höheren Marktpreise bekommen die Kunden der Zuger WWZ-Gruppe zu spüren. Sie bezieht rund 80 Prozent des Stroms am Strommarkt. Für einen durchschnittlichen Haushalt steigen die Stromkosten um rund 7 Prozent, was pro Monat rund ­ 5 Franken ausmacht.

Die Preissteigerung in ähnlichem Ausmasse beim Stadtluzerner EWL erklärt sich teilweise ebenfalls damit. Kommt hinzu: Die Stadtluzerner speisen ab dem kommenden Jahr nur noch Strom aus erneuerbaren Energiequellen in ihr Leitungsnetz ein. Der günstige Strom aus Atomkraftwerken entfällt. Das EWL verspricht sich davon, der Energiestrategie 2050 einen Schritt näher zu kommen. Doch gleichzeitig bedeutet dies auch: Ein durchschnittlicher Familienhaushalt zahlt dafür jährlich je nach gewählter Stromquelle rund 9 bis 17 Franken mehr für den Strom. Ebenfalls zur Verteuerung beim EWL und bei der WWZ-Gruppe tragen die höheren Netzpreise bei. Dabei spielen die Topografie, der Zustand der Netzinfrastruktur oder die Bautätigkeit im Einzugsgebiet eines Elektrizitätswerkes eine Rolle.

Produktionskosten sind entscheidend

Wird der Strompreis wegen den internationalen Marktpreisen in den nächsten Jahren nach oben tendieren? «Nein, nicht unbedingt», sagt CKW-Mediensprecher Marcel Schmid. «Es kommt sehr darauf an, wie viel Strom ein Energieversorger selber produziert und wie viel er zu welchem Zeitpunkt auf dem Markt einkauft. Bei der Eigenproduktion sind die Produktionskosten entscheidend», erklärt Schmid.

Bei der CKW sinken derzeit die Netzpreise. Den ganz grossen Anteil an der ungewöhnlich hohen Preissenkung machen indes die eigenen Produktionskosten aus. Die CKW haben sie rückwirkend ab dem Geschäftsjahr 2008/09 neu berechnet. Das führte zusammen mit den tieferen Netzpreisen zu den ­ 30 Prozent, die im kommenden Jahr den Kunden in Form der Preissenkung zurückerstattet werden.

EWL-Strom wird etwas teurer

Der Stadtluzerner Energieversorger bietet ab 2020 keinen Graustrom mehr aus nicht erneuerbaren Quellen an.
Stefanie Geske