Neue Verordnung
Warum Ischgl Skischuhe ab 20 Uhr verbietet und die Schweiz nicht nachzieht

Das österreichische Skigebiet Ischgl will ab kommendem Sonntag das Tragen von Skiausrüstung im Ferienort ab 20 Uhr verbieten. Es sei zu laut und zu gefährlich. Schweizer Skigebiete wollen diese Massnahme nicht kommentieren, dafür die Versicherungen.

Leo Helfenberger
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Skischuhe: In Ischgl ab 20 Uhr zu laut und zu gefährlich.

Skischuhe: In Ischgl ab 20 Uhr zu laut und zu gefährlich.

Chris Iseli

Es klingt nach einem schlechten Scherz: Das beliebte Skigebiet Ischgl in Tirol startet in die Saison mit einem nächtlichen Verbot für Skischuhe. Auch das Tragen von Skiern, Skistöcken und Snowboards soll von 20 Uhr abends bis sechs Uhr morgens untersagt sein, schreibt das Nachrichtenportal «n-tv». Wer gegen die neue Verordnung verstösst, soll im Normalfall mit einer Busse von 25 Euro bestraft werden, maximal ist eine Geldstrafe von 2000 Euro vorgesehen.

Dies sei eine «Reaktion auf Beschwerden von Gästen und Einheimischen zur Eindämmung des übermässigen Lärms», geht aus dem Sitzungsprotokoll des Gemeinderats von Ischgl hervor. Ausserdem komme es häufiger «zu gefährlichen Situationen». Passanten, die Skiausrüstung tragen, hätten diese in der Vergangenheit infolge von übermässigem Alkoholkonsum bei Auseinandersetzungen als Waffe benützt. Weiter seien solche Personen auch eine Gefahr für sich selbst. Ischgl ist in der Schneesport-Szene bekannt für lange und zum Teil ausufernde Aprés-Ski-Partys.

Bei der Schweizerischen Unfallversicherung SUVA sieht man durchaus den Nutzen eines solchen Verbotes. «Wer schon mit Skischuhen unterwegs war, kennt die tückischen Situationen auf vereisten Parkplätzen, glitschigen Treppen aber auch auf normalen Plattenböden», sagt Mediensprecherin Barbara Senn. «Am Abend kommt je nachdem Alkohol hinzu und kumuliert das Risiko mit Skischuhen zu stürzen.»

Deshalb schlussfolgert sie: «Das nächtliche Skischuhverbot in Ischgl wird sicherlich einige Unfälle verhindern.» Es sei jedoch eine aussergewöhnliche Massnahme. «Die Suva selbst setzt lieber auf Sensibilisierung statt Verbote», so Senn weiter.

Verbot kommt wohl kaum in die Schweiz

In den Schweizer Skigebieten findet das Verbot wenig Unterstützung. «Bei uns ist ein solches Verbot kein Thema», sagt Christina Ragettli Mediensprecherin «Weisse Arena Gruppe», zu watson. «Das Dorfzentrum von Laax ist nicht am gleichen Ort wie die Talstation, welche in Laax-Murschetg liegt, Lärm ist also kein Thema. Ausserdem gibt es keinen besonders ausgeprägten Aprés-Ski», sagt Ragettli. Die meisten Leute würden zuerst nach Hause und dann erst später am Abend in den Ausgang gehen.

Auch die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) gibt sich zurückhaltend. «Wir haben keine Zahlen zu Unfällen, die im Zusammenhang mit Après-Ski und dem Tragen von Skischuhen und Schneesportausrüstung stehen», sagt Markus Bächler von der bfu. «Deshalb ist uns das auch nicht als Problem bekannt.»