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«Heissi Marroni» sind fein aber teuer – trotz guter Kastanienernte

Die Ernte 2018 war gut, trotzdem sinkt der Preis für Marroni nicht. Grund sei die schwierige Lage der Bauern in Italien.
Rebekka Balzarini
Hier sind die Marroni günstiger als im Durchschnitt: Gzim und Dashurije Ismaili am Rathaussteg in Luzern stillen die ersten Marroni-Gelüste. (Bild: Corinne Glanzmann)

Hier sind die Marroni günstiger als im Durchschnitt: Gzim und Dashurije Ismaili am Rathaussteg in Luzern stillen die ersten Marroni-Gelüste. (Bild: Corinne Glanzmann)

Sie sind die Entschädigung für die grauen Tage und die kalten Finger, die der Herbst mit sich bringt: heisse Marroni. Jetzt werden sie wieder verkauft, die Saison dauert ungefähr bis in den März. Einziger Wermutstropfen ist der verhältnismässig hohe Preis für eine Tüte Marroni. Rund vier Franken bezahlt man im Schnitt für 100 Gramm. Allerdings nicht überall: Gzim Ismaili vom Marronistand am Luzerner Rathaussteg betont, dass bei ihm 150 Gramm lediglich 5 Franken kosten – also weniger als im Durchschnitt.

Trotzdem haben sich die Preise in den letzten zehn Jahren leicht nach oben bewegt. Begründet wurde der Preisanstieg zuletzt mit der schlechten Ernte. In den vergangenen Jahren war ein Schädling aus Südchina schuld daran, dass die Kastanienbäume im Tessin und in Europa nur kleine Mengen Kastanien produzierten: die Gallwespe.

Das Insekt nistet sich in den Blüten der Kastanienbäume ein und bringt den ganzen Baum zum Absterben. Im Jahr 2013 war wegen ihr die Ernte in Europa historisch schlecht, erst im Jahr 2016 erholten sich die Bäume langsam von den Schäden. Mittlerweile hat die Gallwespe einen Gegenspieler in Form eines Nützlings, der in den betroffenen Gebieten ausgesetzt wurde. Mit Erfolg: Die Ernte 2018 sei zwar gerade erst angelaufen, aber es könne von einer guten Ernte ausgegangen werden. Das sagt der Verband des Schweizerischen Früchte-, Gemüse- und Kartoffelhandels (Swisscofel). Und zwar nicht nur im Tessin, sondern auch in ganz Italien.

Schweiz importiert jährlich 2500 Tonnen

Werden die Kastanien nach den Krisenjahren also wieder günstiger? Auf keinen Fall, so Renzo Strazzini, Geschäftsführer der Gysi und Strazzini AG, die jedes Jahr grosse Mengen Esskastanien in die Schweiz importiert. Er importiert seine Marroni aus Italien. Der hohe Preis sei auch bei der guten Ernte gerechtfertigt. «Die Ernte, Auslese und Lagerung der Kastanien ist enorm aufwendig», so Strazzini. Dazu sei die Nachfrage nach Kastanien in den letzten Jahren gestiegen, und gleichzeitig habe die Anbaufläche abgenommen. Er findet sogar: «Wir müssen in der Schweiz die Preise nach oben anpassen, um den Bauern in Italien das Bewirtschaften der Wälder zu ermöglichen.»

Die Kastanienbauern aus Italien kämpften in der Vergangenheit nicht nur gegen die Gallwespe, sondern auch gegen wachsende Konkurrenz aus dem Ausland. Der Kastanienhandel ist mittlerweile globalisiert. Um die Nachfrage zu decken, werden Kastanien aus der ganzen Welt in die Schweiz importiert. Jährlich sind es 2500 Tonnen zusätzlich zu den rund 100 Tonnen, die in der Schweiz geerntet werden.

Die importierten Kastanien stammen neben Italien hauptsächlich aus Portugal, Spanien und Frankreich. Auf einer Liste von Swisscofel sind aber auch überraschende Länder zu finden, aus denen in die Schweiz importiert wird. Kleine Menge stammten in den vergangenen Jahren unter anderem aus China, Chile, Thailand, der Elfenbeinküste und dem Iran.

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