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Die Milliardenübernahme von UPC durch Sunrise ist gescheitert: Was jetzt, Herr Kurer?

Nach dem geplatzten Milliardenkauf des Kabelnetzbetreibers UPC steht Sunrise vor einem Scherbenhaufen: Sunrise-Präsident Peter Kurer hat alle Register gezogen – doch der Widerstand war zu gross.
Fabian Hock
Die Milliardenübernahme von UPC ist vom Tisch: ein Debakel für Sunrise-Präsident Peter Kurer. (Bild: Christian Beutler/Keystone, Zürich-Oerlikon, 8. Juni 2016)

Die Milliardenübernahme von UPC ist vom Tisch: ein Debakel für Sunrise-Präsident Peter Kurer. (Bild: Christian Beutler/Keystone, Zürich-Oerlikon, 8. Juni 2016)

Es hätte Peter Kurers grösster Deal werden sollen. Als Präsident von Sunrise, der Nummer zwei auf dem Schweizer Telekommarkt, wollte er die Nummer drei übernehmen und sich zum Gegenspieler der Swisscom aufschwingen. Doch daraus wird nun nichts. Sunrise hat die für heute angesetzte entscheidende Generalversammlung abgeblasen. Der Widerstand war zu gross. Die Milliardenübernahme des Kabelnetzbetreibers UPC ist gescheitert. Und zwar endgültig, wie Sunrise-Chef Olaf Swantee gegenüber CH Media bestätigt: «Wir werden mit Liberty Global nicht weiterverhandeln.» Der Deal ist tot.

Das Scheitern ist eine herbe Niederlage für das Management um Swantee und für den Verwaltungsrat – ganz besonders für Präsident Kurer. Er wollte den UPC-Deal unbedingt durchbringen. Dafür hat er alle Register gezogen. Zwei kritische Verwaltungsratsmitglieder hat er kurzerhand von sämtlichen Sitzungen ausschliessen lassen, an denen über den Kauf gesprochen wurde – ein beispielloser Vorgang. Ein Aktionär hatte gar die Abwahl des Präsidenten auf die Traktandenliste setzen lassen. An der für heute geplanten Generalversammlung hätte also ganz offiziell Kurers Schicksal zur Abstimmung gestanden.

Der Widerstand war zu gross

Dazu kommt es nun nicht; Kurer entgeht so formal einer Abstimmungspleite. Zwar ist sich die Unternehmensführung sicher, dass die registrierten Aktionäre der Kurer-Abwahl eine Absage erteilt hätten. Doch das macht das Scheitern von Kurer und Swantee nicht geringer. Monatelang hatten beide für den Kauf getrommelt. Immer wieder den strategischen Sinn hinter dem Deal betont. Wie gross der Widerstand tatsächlich ist, wurde ausgeblendet.

Man glaubte, trotz Protest des mit Abstand grössten Aktionärs die Argumente auf der eigenen Seite zu haben.

Kurer und Swantee hielten daran fest, als sich weitere Aktionäre dem Widerstand anschlossen.

Wie Swantee rückblickend erklärt, habe es einen Punkt gegeben, an dem die Stimmung im Aktionariat gekippt sei: Als sich der mächtige US-Stimmrechtsberater ISS gegen den Deal ausgesprochen habe. Das war vor knapp zwei Wochen. «In dem Moment hat sich der Trend gegen uns gewendet», sagt Swantee.

Trotzdem hielt die Sunrise-Führung an ihrem Plan fest. Zuletzt war man den Gegnern zwar noch entgegengekommen, indem die für den Kauf notwendige Kapitalerhöhung von 4,1 auf 2,8 Milliarden Franken reduziert wurde. Ausserdem holte man Verkäufer Liberty Global mit ins Boot. Doch die Bemühungen waren vergebens. Zu tief sass die Abneigung gegen den Kauf von UPC. Vor allem bei der deutschen Grossaktionärin Freenet, die 24,5 Prozent an Sunrise hält. Freenet-Chef Christoph Vilanek hatte bis zum Schluss den Kaufpreis als zu hoch kritisiert, die Struktur des Deals für nachteilig für die Sunrise-Aktionäre gehalten. Überdies mache das Ganze strategisch keinen Sinn, so die Haltung von Vilanek, denn wegen der neuen Mobilfunkgeneration 5G lohne sich der Kauf des Kabelnetzes von UPC nicht. Dafür 6,3 Milliarden Franken auszugeben, sei «Irrsinn», meint Vilanek.

Auf der Suche nach Plan B

Nun ist klar: Vilanek vertritt damit keine Minderheitsmeinung, sondern die Mehrheit. Die grösste Übernahme der Schweizer Telekomgeschichte ist gescheitert. Olaf Swantee zeigt sich «enttäuscht», meint aber:

«Wir müssen die Entscheidung der Aktionäre akzeptieren.»

Personelle Konsequenzen schloss er im Gespräch aus: Weder er noch Präsident Kurer werde nach dem geplatzten UPC-Kauf zurücktreten, sagte er.

Nun braucht Sunrise einen Plan B, ohne UPC. Der Konzern will «die Standalone-Strategie weiter vorantreiben», wie es heisst. Zunächst werde das Übernahmeprojekt gestoppt. Dafür muss Sunrise der UPC-Mutter Liberty Global 50 Millionen Franken zahlen, bestätigt Swantee. Das hatten beide Parteien im Falle eines Scheiterns bereits im Vorfeld vereinbart. Danach gelte es, konkrete Schritte für das Jahr 2020 zu planen. Im November oder Dezember werde dann der Verwaltungsrat mit der längerfristigen Planung beginnen.

Könnte nun ein lachender Dritter namens Salt zum Zug kommen und sich UPC schnappen? Denkbar wäre es – auch wenn man beim Unternehmen abwinkt: Man konzentriere sich auf die eigenen Produkte und Kunden, heisst es bei Salt auf Anfrage. Auf echte Konkurrenz wird die Swisscom also wohl noch eine Weile warten dürfen.

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