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Was Zentralschweizer Händler und Zulieferer zum Fiat-Renault-Deal sagen

Renault ist ein wichtiger Partner von Zentralschweizer Firmen wie der Garage-Galliker-Gruppe und dem Stahlhersteller Schmolz+Bickenbach. Mögliche Synergien bei der Entwicklung, im Vertrieb oder eine Neustrukturierung der Lieferantenverträge könnten sich auf regionale Firmen auswirken.
Maurizio Minetti
Gabriel Galliker, CEO der Garage-Galliker-Gruppe. (Bild: Pius Amrein)

Gabriel Galliker, CEO der Garage-Galliker-Gruppe. (Bild: Pius Amrein)

Sollte es tatsächlich zu einer Fusion zwischen Fiat Chrysler (FCA) und Renault kommen, wird dies Auswirkungen haben auf Autohändler und Zulieferer. Davon gibt es in der Zentralschweizer viele. Abgesehen von den eigenen Schweizer Renault-Vertretungen ist die Garage-Galliker-Gruppe mit Hauptsitz in Kriens die grösste direkte Vertriebspartnerin von Renault in der Schweiz. Für den französischen Autohersteller betreibt Galliker zudem ein Elektroauto-Kompetenzzentrum.

Gruppen-CEO Gabriel Galliker sagt: «Renault ist unser stärkster Partner. Eine Fusion mit Fiat Chrysler könnte unsere Position stärken.» Er glaubt, dass sich das fusionierte Unternehmen auf bestehende Vertriebskanäle stützen wird, mit denen man gute Erfahrungen gemacht habe. Die Krienser Firmengruppe beschäftigt schweizweit an 16 Standorten 330 Personen, davon rund 220 in der Zentralschweiz.

Fusionen können Kulturschock auslösen

Galliker sieht aber auch gewisse Gefahren. «Solche Fusionen führen immer zu einem Kulturwandel, der für die eine oder andere Seite auch ein Kulturschock sein kann.» Er habe dies zuletzt hautnah erlebt mit der Integration von Opel in die PSA-Gruppe von Peugeot und Citroën.

Galliker ist hierzulande der zweitgrösste Händler der FCA-Marke Jeep. Ausserdem verkauft die Garagen-Gruppe vereinzelt auch Alfa Romeos. Auch diese Marke gehört zum bestehenden FCA-Portfolio. Fiat-Fahrzeuge vertreibt Galliker hingegen nicht.

Grösster Fiat-Händler der Zentralschweiz ist das Hammer Auto Center in Emmenbrücke. Geschäftsführer Beni Stöckli sagt: «Wir beziehen vom FCA-Konzern die Marken Fiat, Abarth und Alfa Romeo. Für uns Händler ist es zum jetzigen Zeitpunkt unmöglich, irgendwelche Konsequenzen aus einer allfälligen Fusion abzuleiten.» Er geht aber davon aus, dass die Synergien in erster Linie in der Entwicklung (Elektrifizierung) und weniger im Vertrieb gesucht werden.

Luzerner Stahl für Automarken

Einer der grössten Autozulieferer aus der Region ist der Stahlhersteller Schmolz+Bickenbach in Emmenbrücke. «Renault gehört seit vielen Jahren und vor allem seit der Übernahme von Ascometal Anfang 2018 zu unseren wichtigsten französischen Kunden», sagt Mediensprecher Ulrich Steiner. Schmolz+Bickenbach versorgt aber auch Fiat Chrysler mit Speziallangstahl für die Herstellung von Kunststoffformen und Komponenten.

Welche Auswirkungen die geplante Fusion auf Schmolz+Bickenbach haben könnte, sei zum jetzigen Zeitpunkt unmöglich abzuschätzen. Steiner: «Dies hängt von verschiedenen noch unbekannten Faktoren ab. So zum Beispiel von der Frage nach der Straffung der Modellpalette, möglicher Verlagerung von Produktionsstätten, oder der Neustrukturierung der Lieferantenverträge.» Man stehe mit Renault und Fiat Chrysler in engem Kontakt. Er gehe davon aus, dass man in den kommenden Monaten im Zuge der möglichen Umsetzung der Fusion mehr Licht in dieses Thema bringen könne, so Steiner.

Zulieferer der Zulieferer

In der Region gibt es darüber hinaus viele Zulieferer wie zum Beispiel den Luzerner Kabelmaschinen-Hersteller Komax oder den Urner Dichtungskomponenten-Hersteller Dätwyler, die wiederum grössere Zulieferer bedienen. Diese Industriefirmen erwarten derzeit keine Veränderung durch die Fusion. Für sie spielt es kaum eine Rolle, in welchen Autos die Komponenten am Ende verbaut werden.

Die Swissflock AG in Emmenbrücke gilt als Marktführer für Flock im Automobil. Dieses Material wird als textile Auflage für die schwarzen Gummidichtungen der Autofenster eingesetzt. Geschäftsführer Daniel Rütsch sagt: «Letztlich entscheidend ist nicht, welche Automarken erfolgreich sind oder Probleme haben, sondern wie viele Autos global produziert werden.» Schlecht laufe es derzeit vor allem in China, dem grössten Automarkt der Welt: Im vergangenen Jahr schrumpfte der Neuwagenabsatz in China zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahrzehnten. Sowohl Renault als auch FCA sind in China schwach aufgestellt.

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