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WASHINGTON: US-Notenbank will aufgeblähte Bilanz abbauen

Die amerikanische Notenbank vertagt eine mögliche Leitzinserhöhung auf Dezember. Dafür will das Fed während der Finanzkrise gekaufte Wertpapiere schrittweise abstossen, um die Bilanz zu verkleinern.
Renzo Ruf, Washington
Der Hauptsitz der amerikanischen Notenbank Federal Reserve in Washington. (Bild: J. Scott Applewhite/AP (25. April 2014))

Der Hauptsitz der amerikanischen Notenbank Federal Reserve in Washington. (Bild: J. Scott Applewhite/AP (25. April 2014))

Die amerikanische Notenbank glaubt nicht, dass die Hurrikane Harvey, Irma und Maria die Wirtschaft durcheinanderwirbeln werden. Zwar reagiere die Konjunktur kurzfristig auf Naturkatastrophen, die Schäden in Milliardenhöhe verursachen, gab das geldpolitische Gremium des Federal Reserve System (Fed) nach Abschluss einer zwei Tage dauernden Sitzung des Offenmarktauschusses gestern bekannt. Aber die Erfahrung zeige, dass sich solche Ereignisse mittel- oder langfristig nicht auswirkten.

Deshalb hält der Offenmarktausschuss unter dem Präsidium von Fed-Chefin Janet Yellen an seinen Plänen fest: Der Leitzins wird frühestens im Dezember erneut erhöht und bleibt bis dann auf dem jetzigen Niveau von 1 bis 1,25 Prozent. Und die aufgeblähte Bilanz des Federal Reserve wird ab Mitte des kommenden Monats langsam abgebaut. Die Notenbank sitzt derzeit auf Staatsanleihen und hypothekenbesicherten Wertpapieren im Wert von mehr als 4200 Milliarden Dollar, die während der Finanzkrise gekauft worden waren, um die kriselnden Finanzmärkte zu stützen. Nun will das Federal Reserve diesen Stimulus vorderhand um 10 Milliarden Dollar pro Monat zurückfahren, indem der Erlös aus fällig gewordenen Papieren nicht mehr vollständig reinvestiert wird. Dieser graduelle Rückzug werde sich nicht negativ auf die amerikanische Wirtschaft auswirken, sagen die Hüter des Dollars. So rechnen die Ökonomen der Notenbank im kommenden Jahr immer noch mit einem Wirtschaftswachstum von 2,1 Prozent und einer Arbeitslosenrate von 4,1 Prozent – was in den USA mehr oder weniger Vollbeschäftigung entspricht.

Umbau im Leitungsgremium

Allerdings ist es nicht ausgeschlossen, dass das Federal Reserve im kommenden Jahr seinen Kurs korrigieren wird. Denn das Leitungsgremium der Notenbank steht vor einer Umwälzung, wenn im kommenden Monat Vizepräsident Stanley Fischer zurücktreten wird. Nach dem Rücktritt des Verbündeten von Janet Yellen werden nur noch drei der sieben ständigen Sitze in der Geschäftsleitung besetzt sein. Sämtliche Mitglieder der Geschäftsleitung sind automatisch auch stimmberechtigte Mitglieder des Offenmarktausschusses.

Mit anderen Worten: Präsident Donald Trump wird in den nächsten Monaten eine Mehrheit der Fed-Geschäftsleitung neu bestimmen können, falls der Senat diesen Personalien zustimmt. Mit seiner ersten Nomination – dem ehemaligen Bürokraten und Banker Randal Quarles aus Utah – hat der republikanische Präsident zwar bereits angedeutet, dass er keinen radikalen Kurswechsel anstrebt. Auch hat er wiederholte Male zustimmende Worte für Yellen gefunden, deren Amtszeit als Präsidentin im Fe­bruar 2018 abläuft.

Aber es ist wohl anzunehmen, dass Trump Geldpolitiker nominieren wird, die seine wirtschaftspolitischen Ziele unverhohlener unterstützen. Immer wieder genannt wird in diesem Zusammenhang der Name von Kevin Warsh, der von 2006 bis 2011 bereits einmal ein Gastspiel in der Fed-Geschäftsleitung gegeben hatte. Der 47-Jährige arbeitet nun für die Denkfabrik Hoover Institution und die Standford Graduate School of Business.

Renzo Ruf, Washington

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