WASHINGTON: US-Wirtschaft trotzt den Krisen

Die amerikanische Wirtschaft sieht sich für 2015 gerüstet. Die weltweiten Unruhen haben deren Höhenflug bisher nicht gestoppt. Gespannt wartet man nun auf die Zinserhöhung der Notenbank.

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John Dyer

Die amerikanische Wirtschaft blickt optimistisch auf das neue Jahr. Der Rest der Welt könnte es mit Neid vernehmen, denn dort gibt es zahlreiche Probleme. Die Herausforderung für die weltweit grösste Volkswirtschaft liegt darin, sich nicht von den internationalen Krisen anstecken zu lassen. «Wir erwarten eine sehr robuste US-Wirtschaft», erklärt der Wirtschaftswissenschaftler Adolfo Laurenti von Mesirow Financial. «Aber damit hören die guten Nachrichten auch schon auf. Ansonsten sieht es in der Welt eher ungemütlich aus.»

Aufschwung ist spürbar

Angesichts einer Arbeitslosenquote von 5,9 Prozent haben die USA die meisten Arbeitsstellen, die seit Beginn der Finanzkrise 2008 verloren gegangen sind, wieder geschaffen. Allein im vergangenen Jahr sind bis November 2,7 Millionen neue Stellen entstanden. So einen starken Zuwachs hat es seit 1999 nicht gegeben. Der Dow-Jones-Index erreichte Ende Dezember 18 000 Punkte und schloss somit das sechste aufeinanderfolgende Jahr mit anhaltend steigenden Kursen ab. Von den um die Hälfte gesunkenen Ölpreisen profitieren zudem die Autofahrer.

Der Aufschwung ist im ganzen Land spürbar. Von finanziellen Nöten geplagte Städte wie Detroit und Cleveland erholen sich. Regionen wie North Dakota haben vom Fracking profitiert, und in Boston und New York prägen Kräne und Baugerüste das Stadtbild. Das Bruttoinlandprodukt legte im dritten Quartal um 5 Prozent zu. Die Entwicklung soll auch 2015 anhalten, auch wenn es Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung gibt.

Der sinkende Ölpreis hat in Russland und anderen Ländern zu Problemen geführt. Würde sich die Weltwirtschaft dadurch destabilisieren, hätte das auch für die USA unvorhersehbare Folgen. Auch eine neue Eurokrise, ausgelöst durch Italien oder Griechenland, könnte die amerikanischen Märkte ergreifen. Zudem hat sich das Wachstum in China verlangsamt. In den USA will man von diesen Problemen im Moment jedoch nichts wissen und ist davor gefeit. Als Nettoimporteur profitiert das Land, wenn der Dollar im Vergleich mit anderen Währungen steigt. Aufgrund ihrer politischen Stabilität werden die USA auch für ausländische Investoren immer interessanter, wenn es weltweite wirtschaftliche Krisen gibt. Siemens-Chef Joe Kaeser betonte laut des «Wall Street Journal», die wichtige Rolle geopolitischer Entwicklungen. Und geopolitisch seien die USA die sicherste Region, weshalb Siemens in den Vereinigten Staaten investiert.

Auch die heimischen Unternehmen bereiten sich auf ein sehr erfolgreiches Jahr vor. «Die Voraussetzungen in diesem Jahr sind derart, dass wir an eines der erfolgreichsten Jahre für unser Unternehmen glauben», meint Jeff Bradley, Chef von Globe Specialty Metals, das Autoteile für nordamerikanische Produzenten herstellt.

Zinswende erwartet

Bei allem Optimismus wird dennoch mit Spannung auf die Notenbank Fed geschaut. Es wird erwartet, dass diese im Sommer die Zinsen wieder anheben wird. Kritiker befürchten dadurch einen negativen Einfluss auf Investitionen und Schuldner. Da die Fed die Zinserhöhung jedoch bereits seit einem Jahr in Aussicht stellt, wird sie niemanden unvorbereitet treffen, erklärt Marktstratege David Joy von Ameriprise Financial. Zudem wird erwartet, dass die Zinserhöhung erst vollzogen wird, wenn es auf dem Arbeitsmarkt noch mehr Fortschritte gibt. Denn die Löhne sind in den vergangenen Monaten nur marginal gestiegen, wodurch auch die Inflation von aktuell 1,3 Prozent niedrig gehalten wird. Zudem sind rund drei Millionen Amerikaner schon länger als sechs Monate ohne Anstellung. «Der Markt wird positiv reagieren», meint Joy zur anstehenden Zinserhöhung. «Es sei denn, die Voraussetzungen ändern sich bis zum Sommer.»