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WECHSELKURSE: Euro-Stärke weckt Hoffnungen

Der Euro ist auf den höchsten Stand seit der Aufhebung des Mindestkurses geklettert. Das freut den hiesigen Tourismus. Noch will aber niemand jubeln.
Balz Bruppacher
Seit über zwei Jahren hat der Mindestkurs vom Franken zum Euro Bestand. (Bild: Keystone / Martin Ruetschi)

Seit über zwei Jahren hat der Mindestkurs vom Franken zum Euro Bestand. (Bild: Keystone / Martin Ruetschi)

Balz Bruppacher

So rasant hat sich der Eurokurs zum Franken seit dem 15. Januar 2015 nie mehr verändert. Damals hob die Schweizerische Nationalbank (SNB) völlig überraschend den Mindestkurs von 1.20 Franken auf. Mit der Folge, dass der Euro vorübergehend unter die Parität absackte. Inzwischen hat sich die Schweizer Wirtschaft von diesem Frankenschock einigermassen erholt. Für Teile der Exportwirtschaft und des Tourismus war dies allerdings mit schmerzhaften Preiskonzessionen und schwindenden Gewinnmargen verbunden.

Der Eurokurs dümpelte derweil lange deutlich unter der Marke von 1.10 Franken, was allgemein als deutliche Überbewertung der Schweizer Währung ­betrachtet wurde. Erst nach den französischen Wahlen erhielt der Euro wieder Oberwasser. In der abgelaufenen Woche beschleunigte sich die Höherbewertung mit einem Plus von 4 Rappen auf 1.14 Franken. «Das sendet sicher ein positives Signal ins Ausland für Ferien in der Schweiz», freut sich Véronique Kanel, Sprecherin von Schweiz Tourismus. Die sinkenden Preise in den letzten Jahren kombinierten sich jetzt mit einem leicht vorteilhafteren Wechselkurs. Damit sei die Schweiz für Europäer preislich attraktiver geworden.

Ob sich der gestiegene Eurokurs noch auf die laufende Sommersaison auswirkt, ist abzu­warten, wie Lorenzo Schmiedke, Sprecher von Hotelleriesuisse, sagt. Denn der günstigere ­Wechselkurs müsse sich zuerst herumsprechen. Wenn sich der Eurokurs weiter in die gleiche Richtung entwickle, könne mittelfristig mit positiven Effekten gerechnet werden. Das sei für die Wintersaison wichtig. «Das Wetter ist natürlich immer auch ein wichtiger Faktor», schränkt der Sprecher des Dachverbands der Hotellerie ein.

Schwacher Dollar bereitet kaum Sorgen

Der Wechselkurs gilt in der Branche neben dem Wetter zwar als einer der wichtigsten Faktoren. Je nach Herkunft wird aber ein sehr unterschiedliches Verhalten der Gäste auf Kursveränderungen ­beobachtet. In Europa sind beispielsweise vor allem die deutschen und die niederländischen Gäste sehr preissensibel, stellt Schweiz Tourismus fest. Anders ist dies bei Fernmärkten. Das hängt gemäss Schmiedke auch damit zusammen, dass diese Touristen neben der Schweiz auch andere europäische Länder besuchen.

Keine grossen Sorgen macht sich die Branche deshalb wegen des schwachen Dollarkurses. Bei den US-Gästen helfen laut Kanel auch die attraktiven Flugtarife in die Schweiz, die den Wechselkurseffekt teilweise kompen­sierten. Das Verhalten der US-Touristen spiegelt sich in einer ­deutlichen Zunahme der Hotelübernachtungen in den ersten fünf Monaten dieses Jahres um 9,8 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode.

SBB-Automaten: Es gilt noch Kurs von 1.05 Franken

Wie sieht es bei den Bahntarifen aus? Profitieren die ausländischen Gäste vom besseren Eurokurs an den Billettautomaten der SBB? Noch nicht, lautet die Antwort. Seit rund zwei Jahren gilt an den Automaten ein Wechselkurs von 1.05 Franken. Erst kürzlich sei eine Kursanpassung diskutiert worden, sagt SBB-Sprecher Oli Dischoe. Dabei wurde entschieden, den Kurs vorläufig bei 1.05 Franken zu belassen. «Wir verfolgen aber die Entwicklung sehr aufmerksam», versichert er. Eine Anpassung sei mit einer Vorlaufzeit von einer Woche möglich. Solange dies nicht geschieht, lohnt sich für Touristen mit Euro der Umweg über die SBB-Change-Schalter. Denn dort erhalten sie für einen Euro zurzeit 1.0875 Franken. Kaufen sie mehr als 2000 Franken, kommt sogar ein Kurs von 1.1025 zur Anwendung.

Doch was sind die Gründe für das Eurokursfeuerwerk, das dem Schweizer Tourismus und der Exportwirtschaft wie ein vorzeitiges 1.-August-Geschenk erscheinen mag? Die Finanzagentur Bloomberg zitierte Analysten, die von einem Überangebot von Franken auf den Devisenmärkten sprachen. Positionen, die vor den französischen Wahlen aufgebaut worden seien, würden nun ab­gestossen. Auch der Börsengang von Landis + Gyr könnte eine ­Rolle gespielt haben. Schliesslich gibt es auch Mutmassungen, wonach die Nationalbank dem Aufwärtstrend des Euro durch weitere Eurokäufe am Devisenmarkt nachgeholfen haben könnte.

SNB-Präsident Thomas Jordan hatte in einem am letzten Montag veröffentlichten Interview der Zeitung «Le Temps» gesagt, der Franken sei auch bei einem Eurokurs von über 1.10 in bedeutendem Mass überbewertet. Deshalb halte die Nationalbank an ihrer Strategie mit Negativzinsen und Interventionen fest.

Die SNB dürfte sich also vorläufig hüten, falsche Signale für einen Kurswechsel auszusenden, wie dies bei einem Abbau des Eurobergs oder einer Aufhebung der Negativzinsen der Fall wäre.

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