Wikileaks-Depeschen
Wegen Todesdrohung: USA warnte vor Besitzer einer Schweizer Bank

Die US-Botschaft in der Türkei warnte vor Milliardär Mehmet Karamehmet. Ein Business-Partner seiner Firmengruppe Cukurova sei von diesem Umfeld mit dem Tod bedroht worden. Karamehmet gehört eine Schweizer Bank mit illustrer Vergangenheit.

Christian Bütikofer
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Wikipedia.org/NTV MSNBC

US-Botschafter Eric S. Edelman nahm 2005 kein Blatt vor den Mund. Als ihm der Öl-Unternehmer Howard Lowe eröffnete, er sei mit dem türkischen Milliardär Mehmet Emin Karamehmet im Geschäft, warnte ihn Edelman eindringlich vor diesem Abenteuer: «Karamehmet ist der Botschaft als unzuverlässiger und zwielichtiger Geschäftspartner bekannt.»

Der Botschafter wusste von einer US-Firma zu berichten, die Opfer «unethischen und einschüchternden» Geschäftsgebarens wurde, als sie mit Karamehmet und seiner Firmengruppe geschäftete. Um eine geschäftliche Auseinandersetzung zu Gunsten Karamehmets zu erzwingen, seien die Amerikaner aus dessen Umfeld mit dem Tod bedroht worden, warnte Botschafter Edelman seinen Landsmann aus der Ölbranche. Darum empfahl die US-Botschaft in Ankara US-Firmen generell, sich auf Deals mit Karamehmet nicht einzulassen. Dies zeigt ein neues Wikileaks-Dokument von dieser Woche.

Milliardär Mehmet Karamehmet ist eine der reichsten Personen der Türkei. Seine Cukurova-Gruppe betätigt sich in den unterschiedlichsten Branchen: Er mischt etwa in der Telekommunikation mit, baut Immobilien, beherrscht Zeitungen, verschiebt Waren zu Land und Wasser rund um den Globus.

Der Stützpunkt am Genfersee

In Genf besitzt Karamehmet seit den 90er-Jahren die «Banque de Commerce et de Placements» (BCP). Die BCP ging aus der pakistanischen Skandalbank «Bank of Credit and Commerce International» (BCCI) hervor. Die BCCI ging 1991 bankrott, hinterliess weltweit einen Schaden in zweistelliger Milliardenhöhe.

Unter anderem stellte sich heraus, dass etliche BCCI-Verantwortliche auf höchster Ebene im grossen Stil Geldwäscherei betrieben und als Hausbanker für Drogengelder kolumbianischer Mafiakartelle fungierten.

Untersuchungen zeigten, dass die damalige Genfer BCP ein wichtiger Knotenpunkt im BCCI-System war und dort immer wieder Gelder auf unerklärliche Weise in einem «Schwarzen Loch» verschwanden.

Später erhielt die BCP von der Eidgenössischen Bankenkommission (die heutige Finma) jedoch einen Persilschein, der bei Szene-Beobachtern für einigen Gesprächsstoff sorgte.

Die Schweizer hatten Glück: Als eine der ganz wenigen BCCI-Töchter konnte die Filiale verkauft werden: Karamehmet griff mit seiner Cukurova-Gruppe gerne zu.

Stark in Zentralasien engagiert

BCP mit Filialen in Luxemburg und Dubai ist unter anderem in Ländern wie Aserbaidschan und Weissrussland stark engagiert. Daneben bieten die Genfer auch Private Banking an.

In der Türkei beherrschte Karamehmet mehrere Banken, die Konkurs gingen. Seine Cukurova-Gruppe legte in der Vergangenheit wiederholt seltsame Finanzpraktiken an den Tag. Aufgrund der vergangenen Bankenpleiten wurde ihm in der Türkei verboten, weitere Banken zu betreiben. In diesem Zusammenhang verurteilte ihn ein Gericht in Istanbul 2010 zu 11 Jahren und 8 Monaten Gefängnis - das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Klage wegen Madoff-Geldern

Die BCP hat momentan weiteren Ärger am Hals. Ende 2010 deponierte in New York Liquidator Kenneth Krys eine Klage - sie liegt az vor. Er will für Geschädigte der Madoff-Pleite rund eine halbe Million Dollar zurückhaben - offenbar landeten fiktive Gewinne auf deren Konten. Die Klage richtet sich gegen die Bank und ihren früheren Direktor Franz Maissen.

Sowohl die Bank BCP wie auch die Curokova Holding reagierten auf entsprechende Nachfrage von az bis Publikationsdatum nicht.

Wikileaks-Depesche: 05ANKARA247