Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Wegen US-Sanktionen: Schweizer Banken lassen Kuba hängen

Immer mehr Finanzinstitute steigen aus dem Geschäft mit Kuba aus. Die Schweizerisch-Kubanische Handels- und Industriekammer mit Sitz in Luzern schlägt Alarm. Doch es bleiben Schlupflöcher – noch.
Gregory Remez und Maurizio Minetti
Die USA halten den Druck auf Kuba aufrecht: Blick auf die US-Botschaft in Havanna. (Bild: Ramon Espinosa/AP)

Die USA halten den Druck auf Kuba aufrecht: Blick auf die US-Botschaft in Havanna. (Bild: Ramon Espinosa/AP)

Irgendwann wurde die Sache auch für die restlichen Schweizer Banken zu heiss. Nachdem sich UBS, Credit Suisse und Zürcher Kantonalbank schon vor geraumer Zeit dem Druck aus Washington gebeugt hatten, froren Anfang September die Post­finance, wenig später die Raiffeisen und erst vor zehn Tagen die Migros Bank den Zahlungsverkehr mit Kuba ein. Die Institute reagierten damit auf eine weitere Verschärfung der Sanktionen seitens der USA, mit denen Präsident Donald Trump vor allem eines erreichen will: ein Ende der Unterstützung für den venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro (siehe Kasten unten). Bei Widerstand würde den Banken wohl ein Ausschluss vom lukrativen US-Zahlungsmarkt drohen.

Für die gut 300 Schweizerinnen und Schweizer, die derzeit auf Kuba leben, sowie die rund 50 Schweizer Unternehmen, die Geschäftsbeziehungen zum kommunistischen Staat pflegen, kam die Ankündigung einer Hiobsbotschaft gleich. Man hörte von verzweifelten Pensionären, die ihre Rente plötzlich nicht mehr beziehen konnten, oder von Schweizer Hilfsorganisationen, die ihre Projekte nicht mehr weiterführen konnten.

Einige Zentralschweizer Unternehmen betroffen

Unter den Betroffenen finden sich auch Unternehmen aus der Zentralschweiz. Wie viele genau, will Andreas Winkler, Präsident der Schweizerisch-Kubanischen Handels- und Industriekammer mit Sitz in Luzern, nicht verraten. «Es ist ein kleiner Markt, doch für die Betroffenen hat der Entscheid der Banken existenzielle Folgen», sagt er. Viele seien beispielsweise nach dem Rückzug von UBS und Credit Suisse auf Postfinance umgestiegen. Diese stünden nun mit abgesägten Hosen da. «Eigentlich unterhält die Schweiz gute Beziehungen zu Kuba, es gibt ein Handels- und Investitionsabkommen zwischen den beiden Ländern, doch ohne Bankkanal lassen sich keine Geschäfte machen», sagt Winkler. «Das ist in etwa so, als wollte man ein Auto dorthin verkaufen, wo es keine Strassen gibt.»

Viel tun könne man gegen die derzeitige Situation nicht. «Wir stehen mit unseren rund 50 Mitgliedern in Kontakt und beraten möglichst objektiv, wo wir können», sagt Winkler. Doch man sei realistisch. «Solange Donald Trump an der Macht bleibt, wird sich am Embargo der USA gegen Kuba nichts ändern.»

Bis aus Washington ein neuer Wind weht, bleibt den mit Kuba verbandelten Schweizer Unternehmen deshalb nicht viel anderes übrig, als die paar wenigen Schlupflöcher zu nutzen, die das vom US-Dollar beherrschte System noch hergibt – etwa durch Transaktionen über ausländische Banken oder in fremden Währungen. So bietet etwa die Valiant Bank dank einer Zusammenarbeit mit einem deutschen Finanzinstitut weiterhin Überweisungen nach Kuba an, wie ein Sprecher auf Anfrage sagt. Allerdings geschehe dies nur noch in Euro. Transaktionen in Schweizer Franken seien seit rund zwei Jahren nicht mehr möglich; US-Dollar schon seit längerem nicht mehr. Den Zahlungsverkehr mit Kuba werde man jedoch «bis auf Weiteres» aufrechterhalten, erklärt der ­Valiant-Sprecher.

Für die Kantonalbanken aus der Region ist der Zahlungsverkehr mit Kuba kein grosses Geschäft, eingestellt hat man die Zahlungen deswegen aber nicht. So setzt etwa die Luzerner Kantonalbank ebenfalls auf eine Kooperation mit einer deutschen Bank. Überweisungen von LUKB-Kunden in Euro nach Kuba leitet die Luzerner Staatsbank an eine deutsche Landesbank weiter, welche die Zahlung nach Kuba ausführt. Dieses Angebot gelte allerdings nur für LUKB-Kunden, sagt ein Sprecher. Eine Ausdehnung des Angebots auf Kunden anderer Banken sei nicht geplant.

Auch die Obwaldner Kantonalbank wickelt Zahlungen zurzeit in Euro über eine Korrespondenzbank ab. «Wie lange dies noch möglich ist, hängt von unserer Korrespondenzbank ab», heisst es aus Sarnen.

Sucht man lange genug, bietet sich gar nach wie vor die Möglichkeit, in Franken mit Kuba zu geschäften. So sind zum Beispiel bei der Nidwaldner Kantonalbank Kuba-Zahlungen dank einer Kooperation mit einer Schweizer Korrespondenzbank möglich – und zwar in Franken sowie in Euro. Es seien aktuell allerdings «sehr wenige Zahlungen», heisst es auf Anfrage. Die NKB will diesen Service aber nicht ausbauen.

Andere Schweizer Finanz­institute setzen bei Geschäften mit Kuba auf eine Kooperation mit der belgischen Clearinggesellschaft Euroclear – pikanterweise ursprünglich eine Tochterfirma der US-Bank JP Morgan.

Geschäft mit kubanischen Zigarren floriert trotzdem

Einer, der diese Entwicklung bereits vor langem gerochen hat, ist der Zigarrenfabrikant Heinrich Villiger. Er bezieht aus Kuba nicht nur Tabakwaren, sondern unterhält mit dortigen Staats­firmen auch einige Gemeinschaftsunternehmen.

«Die Situation ist für uns nicht ganz neu, wir arbeiten deshalb seit längerem mit französischen und spanischen Banken zusammen. Aus diesem Grund betrifft uns der Entscheid der Schweizer Banken wenig», sagt Villiger.

Venezuelas Botschaft geht das Geld aus

Nicht nur gegen Kuba, sondern auch gegen das krisengeschüttelte Venezuela haben die USA jüngst die Sanktionen verschärft. Weil deswegen unter anderem keine Geldtransfers aus Venezuela mehr möglich sind, kann das südamerikanische Land aktuell die Löhne des diplomatischen Personals in Bern sowie die Miete für ihre Residenz in Liebefeld nicht mehr bezahlen. Das zuständige Finanzinstitut – offenbar eine Schweizer Grossbank – habe den Botschafter Venezuelas in Bern wissen lassen, dass man die Geschäftsbeziehungen aufgrund des Drucks aus Washington nicht weiterführen könne, wie eine Quelle aus dem Umfeld der Botschaft kürzlich der NZZ verriet. Die venezolanischen Diplomaten hätten daraufhin versucht, ein Konto bei der Postfinance zu eröffnen, jedoch ohne Erfolg.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.