Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

WEGGIS: Ein Hotelier spielt die Charme-Karte

Er wollte Architekt werden, landete dann aber in der Hotellerie. Peter Kämpfer vom Hotel Park Weggis hat dem Guide Michelin erfolgreich den Rücken gekehrt. Und steht jetzt vor einer noch grösseren Herausforderung.
Dominik Buholzer
Er löst selbst schwierige Aufgaben souverän: Peter Kämpfer, Direktor des «Park Weggis». (Bild Corinne Glanzmann)

Er löst selbst schwierige Aufgaben souverän: Peter Kämpfer, Direktor des «Park Weggis». (Bild Corinne Glanzmann)

Dominik Buholzer

Jammern? Peter Kämpfer (58) mag nicht jammern. Es gelte, das Beste aus der Situation zu machen, sagt er. Die Situation ist derzeit allerdings alles andere als einfach: Den Deutschen ist die Schweiz viel zu teuer und seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses erst recht. Das spürt ein Hotel wie das «Park Weggis», das neben dem Schweizer Markt (53 bis 54 Prozent) vor allem auf deutsche und russische Gäste setzt. Letztere lassen sich in den vergangenen zwei Jahren auch immer weniger blicken. Bei ihnen ist es nicht der Euro, der sie von der Schweiz fernhält, sondern die UNO-Sanktionen und die damit verbundene schwierige wirtschaftliche Situation im eigenen Land. «Es kommen wieder bessere Zeiten. Zumindest bei den russischen Gästen sehen wir Anzeichen für eine Trendwende», sagt Kämpfer.

Nur nicht Hotelier werden

Kämpfer ist Optimist und Hotelier von Haus aus; aufgewachsen ist er im Hotel Kastanienbaum in Horw. Als Kind schwärmte er jedoch für Architektur und Grafik, nur nicht für die Hotellerie. Letzten Endes absolvierte er dann doch eine Kochlehre, besuchte danach die Hotelfachschule und ging auf Wanderschaft: Genf, Engadin und Bürgenstock hiessen die Stationen, bis es ihn vor 19 Jahren nach Weggis ins heutige «Park Weggis» verschlug.

Der Glückstreffer

Eines hat Kämpfer schnell begriffen. Um erfolgreich zu sein, muss man immer wieder mal gewohnte Pfade verlassen. Das war vor zehn Jahren der Fall, als sich Brasiliens Fussballer während zweier Wochen in Weggis auf die Weltmeisterschaft in Deutschland vorbereiteten. Quartier bezogen Ronaldinho und Co. im «Park Weggis». Es war ein gewagtes Unterfangen: Die Verhandlungen zogen sich über Wochen hin, der Einsatz war nicht gering: Luzern musste 400 000 Franken aufbringen und unter anderem auch die Kosten für die Hotelübernachtungen übernehmen. Und um welche Mannschaft es sich handelte, erfuhren die Involvierten erst, als die Tinte unter den Verträgen trocken war. «Uns wurde einzig versichert, dass es sich um eine der Top-Five-Mannschaften des Fifa-Rankings handelt», erinnert sich Marketingspezialist Edwin Rudolf, der damals in die Verhandlungen involviert war. «Die Lösung mit Peter Kämpfer war perfekt», sagt der ehemalige Direktor der Stiftung Schweizer Sporthilfe. «Kämpfer ist nicht nur ein Macher, sondern auch ein exzellenter Zuhörer, der schnell Probleme und Schwierigkeiten erkennt», betont er. Kämpfer sei ganz einfach ein souveräner, guter Typ. Das Wagnis hatte sich gelohnt. Die Übernachtungszahlen im Ort stiegen sprunghaft um 6 bis 10 Prozent. Insgesamt bescherte das Gastspiel von Brasiliens Kickern Weggis eine Wertschöpfung von rund 100 Millionen Franken. «Es war wie ein Sechser im Lotto», erinnert sich Kämpfer zurück. «Ich glaube, es gab keine Zeitung und keine Fernsehanstalt in Brasilien, die nicht über uns berichtete», sagt Kämpfer.

Und wie war der Umgang mit den Spielern? «Die waren alle sehr nett», sagt Kämpfer und schiebt nach: «Das sind alles unglaublich talentierte Fussballer, die aber ein Stück weit noch Kinder sind.» Weggis konnte dies letzten Endes egal sein. Dem Geschäft war dies nicht abträglich.

Acht Jahre später, vor der Fussball-WM 2014 in Brasilien, stand wieder das «Park Weggis» im Mittelpunkt. Damals waren es die Schweizer Nationalspieler, die sich in Weggis den letzten Schliff für das grosse Turnier holten.

Verzicht auf Guide Michelin

2009 stand Kämpfer vor einer ganz anderen Entscheidung. In Vitznau nahm das Parkhotel seinen Betrieb wieder auf. Was sollte er tun? Würden sich zwei Luxushotels mit gehobener Küche nicht im Wege stehen? Kämpfer entschied sich in der Folge, künftig auf die prestigeträchtigen Bewertungen des französischen Restaurantführers Guide Michelin zu verzichten. «Wir hatten mit unserem Restaurant am See einen Stern, Nenad Mlinarevic in Vitznau auf Anhieb zwei von maximal drei. Für uns war klar, dass ein Wetteifern um mehr Sterne keinen Sinn macht, sondern dass wir uns neu ausrichten mussten», betont Kämpfer. Statt Haute Cuisine setzte er auf Grill. Mit Erfolg. In diesem Jahr folgte der nächste Schritt: Das zweite Restaurant wurde auf französische Küche umgestellt. «Wir wollen unser Haus noch mehr öffnen.»

Zur Diskussion stand einiges. Es hätte vegetarische Küche sein können oder auch japanische. «Entscheidend ist, dass sich die Gäste unter der Küche etwas vorstellen können», betont Kämpfer. Dass die französische Küche das Rennen machte, lag vielleicht auch an Kämpfers Erinnerungen an seine Zeit in Genf. Gewiss aber daran, dass er in dem Westschweizer Markt ein gewisses Potenzial sieht. Das funktioniert bislang ganz gut. An etlichen Abenden wird mittlerweile an jedem zweiten Tisch im Restaurant im «Park Weggis» französisch gesprochen.

Neuer Glanz für alte Marke

Jetzt steht Kämpfer vor einer ganz anderen Herausforderung. Seit einem Jahr ist er Präsident von Relais & Châ­teaux. Die Vereinigung von exklusiven und unabhängigen Restaurants und Hotels wurde 1954 in Frankreich gegründet und versucht sich in der Schweiz wieder in Erinnerung zu rufen. Weltweit zählt Relais & Châteaux 540 Betriebe, in der Schweiz sind es gerade mal 27. Kämpfer soll der alten Marke zu neuem Glanz verhelfen.

Ein schwieriges Unterfangen, sagt André Jaeger (69), Spitzenkoch und ehemaliger Betreiber der Fischerzunft in Schaffhausen (19 von 20 Gault-Millau-Punkten). Doch Kämpfers Wahl zum Schweiz-Chef bezeichnet er als absoluten Glücksfall. «Denn nur mit solch einem erfahrenen und mutigen Vorsitzenden können in Paris die Interessen der Schweiz wahrgenommen und verteidigt werden», sagt er. Kämpfer sei fähig, nach vorne zu schauen und «bei Niederlagen oder in schwierigen Zeiten optimistisch in eine neue Richtung zu weisen», so Jaeger. Die Marschroute hat Kämpfer schon mal festgelegt. «Wir müssen die Kunden mit Romantik packen. Wir müssen die Charme-Karte spielen», sagt er. Laut Kämpfer sollen die Partnerbetriebe vermehrt auf Hochzeitsanlässe und Dates setzen und entsprechende Angebote kreieren. Zudem hat es in der Schweiz noch ein paar weisse Flecken auf der Karte von Relais & Châteaux. Zürich, Basel und Zermatt – in diesen drei Orten müsse die Kette unbedingt präsent sein. An Kämpfers Einsatz wird es nicht mangeln. Er hat bereits erste Gespräche geführt.

Tausende besuchten vor zehn Jahren die Trainings der brasilianischen Nationalmannschaft in Weggis. (Archivbild Neue LZ/Michael Buholzer)

Tausende besuchten vor zehn Jahren die Trainings der brasilianischen Nationalmannschaft in Weggis. (Archivbild Neue LZ/Michael Buholzer)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.