Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

WEIHNACHTSBÄUME: Der richtige Baum fürs Fest

Kurz vor dem grossen Fest zieht der Christbaummarkt nochmals an. Die Mehrheit der Bäume kommt nach wie vor aus dem Ausland, doch hiesige Produzenten holen auf.
Die Tannen aus lokaler Produktion sind beliebt: Christoph Bucher betreibt im aargauischen Oberrüti eine eigene Christbaumkultur. (Bild: Dominik Wunderli)

Die Tannen aus lokaler Produktion sind beliebt: Christoph Bucher betreibt im aargauischen Oberrüti eine eigene Christbaumkultur. (Bild: Dominik Wunderli)

Livio Brandenberg

Wer an Heiligabend die Kerzen an einem Weihnachtsbaum anzünden will, der ihm gut gefällt, muss sich langsam beeilen. Obwohl neben dem Einkaufen von Geschenken aller Art kaum Zeit bleibt, kaufen viele Leute ihren Christbaum erst kurz vor dem grossen Fest. Der Verkauf von Weihnachtstannen zieht in den kommenden Tagen nochmals zünftig an. Die Konkurrenz um die schönsten Bäume ist entsprechend gross.

Wenn es dann in gut einer Woche so weit ist, stehen rund 1,2 Millionen Weihnachtsbäume in den Schweizer Stuben. Das sind rund 200 000 mehr als noch vor fünf Jahren. Die Gründe für die Zunahme sind nicht offiziell erhoben. Wahrscheinlich ist ein grosser Teil auf das Bevölkerungswachstum zurückzuführen.

Mehr als die Hälfte der heute verkauften Tannenbäume stammt aus Dänemark und aus Deutschland (siehe Grafik). Auf die Frage, ob die Zahl der ausländischen Weihnachtsbäume auf dem Schweizer Markt zunehme, antwortet Paul Bucher, Landwirt aus Ballwil und Vorstandsmitglied des Vereins IG Suisse-Christbaum: «Ich habe nicht das Gefühl, dass es mehr sind als in den Jahren zuvor.» Denn die Leute seien eher sensibilisiert, was ausländische Christbäume angeht, und fragten beim Händler nach, ob es sich um Schweizer Bäume handle, sagt Bucher, der mit seinem Bruder Christoph in Oberrüti AG einen Landwirtschaftsbetrieb mit Christbaumproduktion und -verkauf führt.

Schweizer Bäume doppelt so teuer

Dem pflichtet Philipp Gut, Geschäftsführer der IG Suisse-Christbaum, bei: «Der Anteil Schweizer Bäume hat in den vergangenen Jahren leicht zugenommen, aktuell liegt er bei 40 bis maximal 45 Prozent.» Der Markt sei eher unübersichtlich und daher schwierig einzuschätzen, betont Gut. Es gebe viele kleine private Produzenten, die gar nicht erfasst würden. Dass zirka 60 Prozent der Schweizer eine Weihnachtstanne aus ausländischer Produktion kaufen – das sind rund 720 000 Bäume –, dürfte mit dem Preis zusammenhängen. Ein kurzer Blick auf die Website des Bau-, Garten und Hobbygrosshändlers Landi zeigt es deutlich: Eine Nordmanntanne aus Dänemark (1 bis 1,60 Meter) kostet aktuell 18.90 Franken. Die gleiche Tanne in der gleichen Grössenordnung aus Schweizer Produktion kostet fast das Doppelte: 36.90 Franken.

Die Preise ab Hof sind stabil

Wer jetzt denkt, die Preise befänden sich wegen des Drucks aus dem Ausland generell im freien Fall, der irrt: «Im Direktverkauf ab Hof sind die Preise gleich geblieben. Seit ein paar Jahren gibt es aber Kampfpreise etwa bei Landi oder bei anderen Grossverteilern», erklärt Phi­lipp Gut. Auch Paul Bucher schätzt, dass die Preise bei den Grossisten für Bäume im mittleren Segment in den letzten paar Jahren um rund 10 Prozent nach unten angepasst wurden. Den Druck aus dem Ausland – vor allem aus Dänemark und Deutschland – bekämen vor allem die Grossverteiler wie Migros zu spüren, so Bucher. Dass die Preise nicht generell in den Keller gerutscht sind, ist laut Philipp Gut einfach zu erklären: «Die Leute legen nach wie vor Wert auf schöne, heimische Bäume, und sie sind bereit, dafür auch etwas zu zahlen.» Bei Paul und Christoph Bucher in Oberrüti ist der «Preiskatalog» übersichtlich. «Bei uns kostet der Meter 40 Franken», sagt Paul Bucher. «Dabei messen wir vom Boden bis zur Mitte der Spitze. Ein 2-Meter-Baum muss also nicht 80 Franken kosten, sondern meistens ein bisschen weniger.»

Nordmanntanne klare Nummer 1

Ob aus dem Ausland oder aus der Region, ob günstig oder teuer, bei der Art des Weihnachtsbaums sind sich praktisch alle Schweizer Haushalte einig: «Etwa 90 Prozent unserer Kunden wollen eine Nordmanntanne», sagt Paul Bucher. Fichten hätten sie kaum noch im Sortiment, weil die Nachfrage schlicht zu gering sei. Die Schweizer stehen mit ihrer Zuneigung zur Nordmanntanne keineswegs allein da: Heute ist die Tanne, die ursprünglich aus dem Kaukasus stammt, die weltweit meistgenutzte Baumart für das Christfest.

Warum setzen aber neun von zehn Schweizern auf diese Tannenart? «Die Nordmanntanne ist vor allem wegen ihrer Optik äusserst populär», sagt Bucher. Sie sei robuster und habe ein dichteres Erscheinungsbild, also ringsherum satte, grüne und lange Nadeln. Auch verliere die Nordmanntanne die Nadeln nicht so schnell wie etwa die Rottanne.

Guter Nebenerwerb für Bauern

Dass die kleineren und mittleren Produzenten die Preise stabil halten konnten, sieht Philipp Gut von der IG Suisse-Christbaum mit Blick auf die Arbeitsplätze positiv. Wie viele Arbeitsplätze genau die Schweizer Christbaumproduktion sichert, kann Gut nicht abschätzen. Er sagt aber: «Für viele Bauern ist es ein guter Nebenerwerb, denn die Nachfrage nach den Weihnachtstannen kommt jeweils zu einer Zeit, in der sonst nicht viel läuft in den Betrieben.» Und das sei immer wichtiger für die Landwirte, zumal die Produktion von Christbäumen nicht mehr vom Bund subventioniert werde.

Dass es inzwischen auch diverse Betriebe und Firmen gibt, die eingetopfte Weihnachtsbäume zum Mieten anbieten, inklusive Christbaumschmuck und Transport, bringt weder Gut noch Paul Bucher aus der Ruhe. Sie bezweifeln, dass dieses Modell Zukunft hat. «Einen solchen Baum darf man höchstens eine Woche in eine geheizte Stube stellen, eine längere Zeit setzt ihm zu sehr zu», weiss Philipp Gut.

Markt Weihnachtsbäume in der Schweiz, 2015 (Bild: Quelle: Schätzungen IG Suisse-Christbaum Grafik: Lea Siegwart)

Markt Weihnachtsbäume in der Schweiz, 2015 (Bild: Quelle: Schätzungen IG Suisse-Christbaum Grafik: Lea Siegwart)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.