Weil niemand ins Kino will: Jetzt schliessen Pathé und Co. ihre Säle wieder

Studios halten ihre Blockbuster zurück. Darum fehlen in den Kinos die Besucher. Die reagieren nun – und hoffen, dank temporären Schliessungen überleben zu können.

Stefan Ehrbar
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Die Kinokette Pathé hält ihr neuestes Kino in Spreitenbach AG zurzeit geschlossen. Die Nachfrage ist zu tief.

Die Kinokette Pathé hält ihr neuestes Kino in Spreitenbach AG zurzeit geschlossen. Die Nachfrage ist zu tief.

CH Media

Die Kinos sind wieder offen, aber niemand geht hin. Denn neue Filme gibt es derzeit fast keine. Weil viele Kinos in den USA und China nach wie vor geschlossen sind, halten die Studios ihre kommenden Blockbuster zurück. Die nächsten Hoffnungsträger, «Tenet» von Christopher Nolan und der Disney-Film «Mulan», starten voraussichtlich erst am 12. und 20. August in den Schweizer Kinos. Nun reagieren erste Kinobetreiber und schliessen ihre Säle vorübergehend.

Die Kinokette Pathé hat unter der Woche ihre Multiplex-Kinos in Dietlikon ZH, Spreitenbach AG und in der Mall of Switzerland in Ebikon LU dicht gemacht. Nur freitags bis sonntags werden dort noch Filme gezeigt. Pathé-Sprecherin Giulia Griffin sagt, die Massnahme gelte nur für die Ferienzeit. Es handle sich um «spontane, temporäre Schliessungen an nachfrageschwachen Wochentagen».

«Versuchen, Durststrecke zu überstehen»

Nachdem die Kinos wieder öffnen konnten, sei zwar ein Ansturm verzeichnet worden. Mittlerweile mache sich aber neben der Ferienzeit das Fehlen neuer Filme bemerkbar. Es kämen deutlich weniger Leute ins Kino als üblicherweise. «Mit den Schliessungen und der Kurzarbeit sind wir zuversichtlich, dass wir die Durststrecke überstehen können», so Griffin.

Bis dahin setzt Pathé auch auf Klassiker und zeigt etwa frühere Filme von Christopher Nolan auf der grossen Leinwand – darunter seine Batman-Trilogie, «Interstellar» und «Inception». Insgesamt habe man von den Studios aber leider wenige ältere Filme angeboten bekommen, die man zeigen könne, so Griffin.

Auch die Kette Arena reduziert Betrieb

Pathé als grösste Kinobetreiberin der Schweiz steht mit dem Problem nicht alleine da. Auch die Kinokette Arena ergreift drastische Massnahmen. Sie betreibt unter anderem das nach Anzahl Sälen grösste Kino der Schweiz im Zürcher Sihlcity. Dort läuft der Betrieb normal weiter. «Wir haben täglich mit der vollen Saalkapazität geöffnet», sagt Sprecher Beat Glur.

Die Kinos in Netstal GL, Fribourg und Genf hingegen sind unter der Woche geschlossen. Dort habe sich Arena zunächst auf den Betrieb am Wochenende beschränkt. Mittlerweile werden auch am Freitag wieder Filme gezeigt. «Wir werden die Öffnungszeiten sukzessiv mit dem Filmangebot erweitern», so Glur. Eine Schliessung von Kinos sei für Arena keine Option.

Kitag zeigt Fussball im Kino

Keine ausserordentlichen Schliessungen gibt es auch bei der Kinokette Kitag. Auch sie programmiert derzeit ältere Filme von Christopher Nolan und zeigt daneben Fussballspiele der Raiffeisen Super League auf der grossen Leinwand. Das ist möglich, weil die Rechtehalterin Cinetrade die Mehrheitsaktionärin von Kitag ist. Cinetrade wiederum gehört zur Swisscom.

Zwar gebe es vereinzelt weniger Vorführungen, sagt eine Kitag-Sprecherin. Zudem sei etwa das Kino Frosch in Zürich in der regulären Sommerpause und damit geschlossen. Mit der Coronakrise habe das aber nichts zu tun. «Reduzierte Spielzeiten haben wir jeden Sommer in diversen Kinos.»

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