Kanton Aargau
Welcher Betrieb behält die Lehrabgänger?

Dieser Jahrgang von Lehrabgängern ist nicht zu beneiden: Die Chance, nach der Ausbildung vom Lehrbetrieb fest angestellt zu werden, ist kleiner denn je.

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Lehrabgänger

Lehrabgänger

Sabine Kuster

Der stellvertretender Leiter des Amtes für Wirtschaft und Arbeit, David Reichart, hat keine guten Neuigkeiten: «Normalerweise ist die Quote der jungen Arbeitslosen im Januar am höchsten und sinkt dann monatlich. Doch dieses Jahr steigen die Arbeitslosenzahlen seit Januar kontinuierlich.»

Rund 4,4 Prozent aller 15 - 24-Jährigen waren im April im Aargau arbeitslos. Und es wird nicht besser: Schon nur die Erfahrungen aus wirtschaftlich guten Zeiten zeigen, dass sich im August, wenn die Lehrlinge ihre Ausbildungen abschliessen, die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen oft verdoppelt.

«Im August wird die Arbeitslosigkeit signifikant steigen», prophezeit Amtsleiter Thomas Buchmann. Statt 300 arbeitslosen Lehrabgänger wie in anderen Jahren, rechnet er im August mit 800.

Buchmann versteht den Appell von Bundesrätin Leuthard, die Lehrabgänger weiter zu beschäftigen, aber er relativiert: «Unternehmen stehen jetzt oft vor der Wahl entweder einen 40-jährigen Arbeiter zu entlassen oder eben den Lehrling nicht weiter zu beschäftigen.»

Aargauische Kantonalbank: alle

Keine Sorgen brauchen sich als einzige die 23 KV-Lehrlinge der Aargauischen Kantonalbank (AKB) zu machen, die dieses Jahr abschliessen. «Wir beschäftigen wie immer alle weiter, die bleiben wollen», sagt Kommunikationsleiterin Ursula Diebold.

Alstom: Gute Chancen

Bei der Alstom schliessen dieses Jahr 46 Lehrlinge ab. «Es besteht eine gute Chance, das jene, die nicht weiterführende Schulen besuchen, bei uns eine Stelle finden», sagt Mediensprecherin Simone Ramser.

ABB: vermutlich 60 Prozent

Mit gut 100 Lehrlingen schweizweit - davon die grosse Mehrheit im Aargau - ist der Energie- und Automationstechnik-Konzern ABB in Baden einer der grössten Lehrstellenanbieter im Kanton. Zwar seien die Lehrlinge schon informiert worden, ob sie bleiben können oder nicht, aber der Prozess sei noch nicht abgeschlossen und daher könne man noch nichts sagen, lautet die Antwort von Mediensprecher Lukas Inderfurth. Die Anstellungs-Quote werde wohl wie letztes Jahr im Bereich von 60 Prozent liegen.

UBS: 70 bis 80 Prozent

Laut der Mediensprecherin Eveline Müller werden bei der UBS wie in den Vorjahren schweizweit 70 bis 80 Prozent der Lehrlinge angestellt - einige dieses Jahr allerdings mit befristeten Arbeitsverträgen. «Wir bemühen uns möglichst vielen der gut 20 Lehrabgängern in der Zentralschweiz eine Stelle anbieten zu können», sagt Müller. Genaue Zahlen für den Kanton Aargau kann sie keine nennen.

Müller: knapp 20 Prozent

Die Firma Müller, Textilmaschinen-Herstellerin in Frick, kann von den 17 Polymech-, Konstrukteur- und KV-Lehrlingen, die ihre Ausbildung abschliessen, bis jetzt nur 3 Abgänger sicher übernehmen. Letztes Jahr waren es noch 4 gewesen und 4 weitere konnten befristet angestellt werden. «Wir würden gerne mehr nehmen, aber wir spüren die Krise», sagt Personalchef Daniel Büchi.

Axpo: zumindest befristet

15 Lehrlinge schliessen ihre Ausbildung bei der Axpo ab. Die Zahl der Weiterbeschäftigten steht noch nicht fest. Mediensprecher Erwin Schärer sagt: «Die Bereitschaft ist heute höher, zumindest eine befristete Anstellung anzubieten.»

Dottikon: keine Garantie

Auch beim Feinchemie-Hersteller Dottikon heisst es: «Eigentlich wollen wir alle 11 Lehrabgänger einstellen, aber in der heutigen Zeit, können wir das nicht mehr garantieren», sagt Guido Huber, Lehrlingsbetreuer. Früher sei dies nie ein Problem gewesen.

Soudronic: schlechte Aussichten

Soudronic, Herstellerin von Produktionsanlangen für Verpackungsmaterial in Bergdietikon, hat in früher alle der jeweils rund 10 Lehrlinge weiterbeschäftigen können. Doch jetzt herrscht Kurzarbeit. «Dieses Jahr sieht es nicht gut aus», sagt Georg Ernst, Leiter der Berufsbildung.

Entschieden werde im Juni. Die Zeugnisse erhielten die Lehrabgänger extra früh, damit sie sich bewerben könnten. «Wir unterstützen sie in der Stellensuche und hoffen, dass bei uns noch ein Türchen aufgeht, die Krise kann ja nicht ewig dauern.»

Update

Bis 2010 könnten schweizweit 30 000 Jugendliche arbeitslos sein, prophezeite Volkswirtschaftsministerin Doris Leuthard vergangene Woche. Leuthard appellierte an die Arbeitgeber, die Lehrabgänger in der Krise nicht ohne Job auf die Strasse zu stellen. (mz)

Alu Menziken: abwarten

Die Firma Alu Menziken will noch abwarten. «Es hängt davon ab, wie sich die Wirtschaft in den nächsten zwei Monate entwickelt, wie viele Lehrlinge wir behalten können», sagt Lehrlingsbetreuer Jochen Roth. Dieses Jahr schliessen 10 Polymechaniker, Mechapraktiker und Kaufmännische Angestellte ab. Letztes Jahr hatten alle, die wollten, bleiben können.

AEW Energie AG: noch unklar

Die AEW Energie stellte letztes Jahr zwei von fünf Lehrlingen (Kaufmännische Angestellte und Netzelektriker) fest ein. Wie viele dieses Jahr bleiben können, wissen die Lehrlinge noch nicht. Brigitte Hochstrasser, Mitarbeiterin der Personaladministration, sagt: «Wenns möglich ist, behalten wir sie».