Weltwirtschaftsforum

Eine Königin, die EZB-Chefin und Chinas reichster Unternehmer entscheiden: Bürgenstock oder Singapur?

Wo das Weltwirtschaftsforum 2021 stattfindet, beschliesst nicht dessen Gründer Klaus Schwab allein. Sondern das vielleicht hochkarätigste Gremium der Welt. Am Montag berät es: Luzern/Bürgenstock, Singapur – oder doch nur ein virtuelles Treffen?

Patrik Müller
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Die Königin von Jordanien Rania Al Abdullah, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank Christine Lagarde und der Gründer von Alibaba Jack Ma.

Die Königin von Jordanien Rania Al Abdullah, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank Christine Lagarde und der Gründer von Alibaba Jack Ma.

Keystone/Montage: mwa

Klaus Schwab hat innerhalb von fünf Jahrzehnten das World Economic Forum (WEF) zu einer Organisation geformt, an deren Jahrestreffen in Davos nicht nur Staatspräsidenten und die wichtigsten Wirtschaftsführer kommen, sondern deren eigene Gremien auch ein «Who is Who» der globalisierten Elite sind.

Das oberste Steuerungsgremium, das so genannte Board of Trustees, wird am Montag entscheiden, wo das nächste Treffen stattfindet. Klar ist bereits, dass es nicht wie üblich im Januar in Davos durchgeführt wird, sondern im Frühjahr. Bis vor zwei Wochen waren Luzern und der Bürgenstock gesetzt, inzwischen steht Singapur im Vordergrund, wie diese Zeitung vergangenen Montag publik gemacht hat. Singapur gilt als «coronasicher », die Regierung verfolgt eine sehr strikte Pandemiepolitik, kennt zugleich aber eine für Geschäftsleute attraktive Regel: Die Quarantäne beträgt bei der Einreise - unter strengen Verhaltensauflagen - nur gerade 24 Stunden.

Ein Minister von Singapur ist Mitglied des Steuerungsgremiums

Wer gehört dem Board an, das den Standortentscheid trifft? Es sind 24 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, und sie stammen aus allen grossen Weltregionen. Abgesehen von Klaus Schwab selbst haben drei weitere Mitglieder einen engen Schweiz-Bezug: André Hoffmann, Vizepräsident und Miteigentümer des Basler Pharmakonzerns Roche, der am Genfersee wohnhafte Nestlé-Chef Mark Schneider und der frühere Nestlé-Chef Peter Brabeck.

Es hat aber auch einen Singapurer im WEF-Board: Tharman Shanmugaratnam, der in der Regierung des Stadtstaats für Sozialpolitik zuständig ist. Ansonsten stechen folgende internationale Persönlichkeiten hervor:

  • Rania Al Abdullah, 50, seit zwei Jahrzehnten Königin von Jordanien. Sie fällt am WEF jedes Jahr durch Auftritte in Panels auf, wo sie unter anderem über Erziehungs- und Ausbildungsthemen spricht.
  • Jack Ma, 56, Gründer und langjähriger Chef der chinesischen Online-Handelsgruppe Alibaba und mit einem Vermögen von 40 Milliarden Dollar der reichste Chinese.
  • Christine Lagarde, 64, seit einem Jahr Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Französin ist Stammgast in Davos, auch als Chefin des Internationalen Währungsfonds IWF hatte sie Jahr für Jahr Auftritte.
  • Kristalina Georgieva, 67. Die Bulgarin - Nachfolgerin von Christine Lagarde als Direktorin des Internationalen Währungsfonds IWF - wurde vor kurzem in das Board aufgenommen.
  • José Ángel Gurría, 70, Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Der Mexikaner gibt sein Amt bei der OECD bald ab, Nachfolger möchte der Schweizer Philipp Hildebrand werden, ehemaliger Chef der Nationalbank.
  • Patrice Motsepe, 58, Minen-Unternehmer aus Südafrika. Er ist unter anderem Gründer des Rohstoffkonzerns African Rainbow Minerals.
  • Paula Ingabire, 37, Informations- und Technologieministerin von Ruanda. 
  • L. Rafael Reif, 70, Präsident der US-Eliteuniversität Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Ob sich das Gremium von der Schweizer Politik, die für den Durchführungsort Luzern/Bürgenstock kämpft, beeinflussen lässt, gilt als unwahrscheinlich. Heute Freitag wird Wirtschaftsminister Guy Parmelin (SVP), der im Frühjahr in der Zentralschweiz eigentlich die Eröffnungsrede halten sollte, den Veranstaltungsort auch im Bundesrat thematisieren. Weil es sich aber um eine private Veranstaltung handelt, hat die Schweizer Politik letztlich keinen Einfluss darauf, wo diese stattfindet.

Und das sind sie – eine Auswahl der Persönlichkeiten des Steuerungsgremiums, das über den Durchführungsort des WEF entscheiden wird:

Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschaftsforums.
11 Bilder
Laurence Fink, Chef des weltgrössten Vermögensverwalters BlackRock.
Chrystia Freeland, Finanzministerin Kanada.
Angel Gurria, OECD-Generalsekretär.
Ulf Mark Schneider, CEO Nestlé.
Der Chef von Alibaba: Jack Ma.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde.
Minen-Unternehmer aus Südafrika.
Paula Ingabire,Informations- und Technologieministerin von Ruanda.
Kristalina Georgieva, Chefin des IWF.
L. Rafael Reif, Präsident der US-Eliteuniversität Massachusetts Institute of Technology.

Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschaftsforums.

Markus Schreiber / AP