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Kommentar

Wenig vertrauensbildendes Vorgehen von Hochdorf

Analyse zum Jahresergebnis und den Ereignissen der letzten Wochen beim Milchverarbeiter Hochdorf.
Raphael Bühlmann
Raphael Bühlmann.

Raphael Bühlmann.

Hochdorf, der drittgrösste Milchverarbeiter der Schweiz, erleidet für das abgelaufene Geschäftsjahr einen massiven Gewinneinbruch. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank um 56 Prozent auf 18,6 Millionen Franken. Der Reingewinn brach um fast 80 Prozent auf noch 8,7 Millionen ein. Der Umsatz sank um 6,6 Prozent auf 561,0 Millionen Franken (siehe Tabelle).

Hochdorf in Zahlen

Beträge in Millionen Franken
2018 +/–%*
Netto-Verkaufserlöse 561 –6,6
Gewinn (Ebit) 18,6 –56,2
Reingewinn 8,7 –78,8
– je Aktie (in Fr.) 2,02 –89,0
Dividende je Aktie (in Fr.) 4 -

Das Ergebnis kommt nicht überraschend. Der Milchverarbeiter musste letztes Jahr zwei Umsatz- und Gewinnwarnungen aussprechen. Hauptverantwortlich für die verfehlten Erwartungen und Budgetziele waren das deutlich tiefer ausgefallene Ergebnis der vor gut zwei Jahren übernommenen Pharmalys (Babynahrung), der fehlende China-Umsatz, Verspätungen bei der neuen Sprühturmlinie und eine Verschärfung der Probleme im Geschäftsbereich Dairy Ingredients. Dazu kam ein Einmaleffekt aus dem Verkauf einer Tochter im Baltikum.

Für Staunen sorgte am Dienstag, dass der Verwaltungsrat der Generalversammlung weiterhin eine Dividende von 4 Franken pro Aktie vorschlägt. Hochdorf-Präsident Daniel Suter begründete dies an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich so:

«Der Verwaltungsrat bekräftigt damit sein Vertrauen in die festgelegte Strategie und deren erfolgreiche Umsetzung.»

Ein Argument, das verblüfft, das aber auch einiges über die aktuelle Situation bei Hochdorf aussagt. Eine Dividende ist per Definition eine Risikoentschädigung für das dem Unternehmen zur Verfügung gestellte Kapital für eine bestimmte Geschäftsperiode. Was sie nicht ist, ist ein Versprechen für künftige Gewinne oder eben eine «Bekräftigung des Vertrauens in die Unternehmensstrategie». Dies gilt im Besonderen, wenn diese Bekräftigung von dem Gremium kommt, das für die Strategie verantwortlich ist und das für ebendiese derzeit heftig in der Kritik steht. Unter anderem Hochdorfs grösster Aktionär, die Zentralschweizer Milchproduzenten, fordern eine Neubesetzung des Verwaltungsrates inklusive eines neuen Präsidenten.

Gewählt wird in gut drei Wochen. Vor diesem Hintergrund ist das Festhalten an der Dividendenzahlung noch kritischer zu beurteilen. Ebenfalls wenig vertrauensbildend ist die Tatsache, dass der bisherige CEO Thomas Eisenring vor einer Woche das Unternehmen verlassen hat und der Verwaltungsrat den Weggang auch am Dienstag auf wiederholtes nachfragen auf persönliche Gründe von Eisenring zurückführte.

Die Herausforderungen werden auch für den neuen Hochdorf-Chef vielfältig sein. Der Marktzugang in China, die Auslastung der Kapazitäten im neuen Pulverturm in Sulgen oder die Etablierung und Ausweitung des zugekauften Markensortiments in angestammten und neuen Zielmärkten: Die Kompetenzen, die Hochdorf benötigt, um das Aufgegleiste in Fahrt zu bringen, sind vielschichtig. Doch ist die Gruppe in den kommenden Jahren dringend auf steigende Cashflows angewiesen.

Der Milchverarbeiter hat in den vergangenen Jahren insgesamt über eine halbe Milliarde Franken investiert und will sich gemäss den eigenen strategischen Zielen bis im Jahr 2020 zu einem global tätigen, profitablen Nischen-Unternehmen mit Premium-Produkten wandeln.

Ambitiöse Ziele, welche die Investoren am Dienstag wieder für etwas realistischer hielten. Die Hochdorf-Aktie reagierte auf die Jahreszahlen mit einem deutlichen Plus. Vom Allzeithoch von rund 340 Franken ist die Aktie zum aktuellen Kurs (knapp 122 Franken) aber noch weit entfernt. Will Hochdorf zu alter Stärke zurückfinden, scheint ein Vertrauensbeweis in das Verwaltungsgremium und in die eingeschlagene Strategie nötig. Für beides wurde mit den heutigen Zahlen wenig Werbung betrieben.

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