Weniger Lohn, dafür Vollzeit

Gegen die angekündigten Lohnkürzungen bei Alu Menziken formiert sich Widerstand. Die Gewerkschaft Unia spricht von Respektlosigkeit. Der Chef der Alu Menziken Extrusion verteidigt die geplanten Sparmassnahmen.

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Aargauer Zeitung

Martin Rupf

«Kommt alle zur wichtigen Versammlung!» Mit diesen Worten lädt die Gewerkschaft Unia auf heute Nachmittag zur Betriebsversammlung bei Alu Menziken. Dies, nachdem das Wynentaler Unternehmen Anfang Woche die Streichung von 70 der total 430 Stellen bekannt gab und verkündete, ab 2010 sei für die verbleibenden 360 Mitarbeiter nur noch 90 Prozent des Lohns garantiert.

Von einer «Respektlosigkeit gegenüber den Mitarbeitern» spricht Unia-Sekretär René Lappert. «Die Mitarbeiter haben während der letzten Jahre auf generelle Lohnerhöhungen verzichtet, um der schwierigen Situation des Unternehmens gerecht zu werden.» Obwohl von den Lohnreduktionen auch die Chefs betroffen wären, glaubt Lappert: «Was den Mitarbeitern weggenommen wird, fliesst wie immer in die Taschen der Aktionäre.»

Keine Reduktion, sondern «neues Modell»

Roland Gloor, Chef von Alu Menziken Extrusion, spricht nicht von Lohnreduktionen, sondern von einem neuen Lohnsystem, bei dem 10 Prozent des bisherigen Gehaltes vom Geschäftsgang abhängig seien. Die untersten Einkommen würden nicht angetastet; der Mindestbruttolohn von 3800 Franken sei garantiert. «Zudem ist es möglich, dass in guten Zeiten mehr als die 10 Prozent Lohnkürzung ausbezahlt werden.» Und eine rückwirkende Rückerstattung im Falle einer Erholung der konjunkturellen Lage sei nicht ausgeschlossen, so Gloor. «Immerhin werden wir die Kurzarbeit ab 2010 einstellen, was die Situation für die Verbleibenden verbessert.»

«Verträge sind prinzipiell kündbar»

Doch müssen die Angestellten die Lohnreduktion einfach so hinnehmen? «Verträge sind prinzipiell einzuhalten, sind aber kündbar», sagt der St. Galler Professor für Arbeitsrecht, Thomas Geiser. Eine Kündigung seitens des Arbeitgebers sei aber nur zulässig, wenn er sich an die gesetzlichen Fristen hält und bei einer Abänderungskündigung nachweisen kann, dass sich die Entlassung wirtschaftlich aufdrängt. «Im Fall von Alu Menziken kommen zudem die Regeln der Massenentlassung zur Anwendung», erklärt Geiser. Das habe zur Folge, dass die Arbeitnehmervertretung angehört werden müsse, bevor es zu den Kündigungen komme.

«Bei Lohnreduktionen wäre es sinnvoll, wenn der Arbeitgeber eine Arbeitsplatzgarantie abgeben würde», sagt Professor Geiser. Nicht zu Unrecht: Wer die Lohnkürzung unterschreibt und darauf dennoch auf der Strasse landet, muss eine tiefere Arbeitslosenentschädigung hinnehmen. Gemäss Artikel 37 der Arbeitslosenverordnung ist nämlich der Durchschnittslohn der letzten sechs Beitragsmonate massgebend oder - wenn dieser höher ausfällt - der Durchschnittslohn des letzten Jahres.

Eine Arbeitsplatzgarantie schliesst Gloor aber aus. Denn als Zulieferer stünde Alu Menziken am Anfang der Produktionskette. «Wenn wir den Geldabfluss jetzt nicht stoppen, fahren wir gegen die Wand.»