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Schweizer Tourismus: Der Preis ist wichtiger als die Anzahl Logiernächte

Die Logiernächtezahlen in der Schweizer Hotellerie zeigen wieder nach oben: Doch das ist nur die halbe Wahrheit, sind doch die Preise und damit der Umsatz pro Übernachtung seit Jahren auf Talfahrt. Das hat die Margen erodieren lassen.
Thomas Griesser Kym
Die Wintersaison steht vor der Tür: Skifahrerin auf der Corviglia bei St.Moritz. (Bild: Christof Sonderegger, 6. März 2015)

Die Wintersaison steht vor der Tür: Skifahrerin auf der Corviglia bei St.Moritz. (Bild: Christof Sonderegger, 6. März 2015)

Das hört sich gut an: «Erfreuliche Entwicklung im Sommer» und «positive Aussichten für die Wintersaison» schreibt die ETH-Konjunkturforschung KOF in ihrer jüngsten Analyse und Prognose für den Schweizer Tourismus. Dieser habe eine «Trendwende geschafft», befinden die KOF-Ökonomen.

Konkret dürfte die Zahl der Logiernächte in der abgelaufenen Sommersaison laut KOF-Schätzung im Vorjahresvergleich um 3,1 Prozent gestiegen sein. Zunahmen verzeichneten vor ­allem Städte und der Alpenraum. Für Schwung gesorgt haben die gute internationale Konjunktur, der schwächere Franken und das Prachtwetter. Und: «Der Ausblick für die kommenden Jahre bleibt klar aufwärts gerichtet.»

Ein guter Winter allein ist nicht genug

Auch für die Wintersaison, die vor der Tür steht, zeigt sich die KOF zuversichtlich. Ausgehend von durchschnittlichen Witterungsbedingungen rechnet sie mit einem Plus der Logiernächtezahlen von 2,3 Prozent, wobei weiterhin die Städte die Nase vorn haben dürften. Aber auch die Bergbahnen sollen profitieren: Ihnen prognostiziert die KOF eine Zunahme der Ersteintritte von 0,3 Prozent, dies nach dem starken weil schneereichen letzten Winter mit einem Plus von 10,3 Prozent.

Also alles in Butter? Mitnichten. «Tatsächlich geht es besser als auch schon», räumt Bar­bara Gisi ein, Direktorin des Schweizer Tourismus-Verbandes (STV). Aber: «Die Logiernächtezahl ist nicht mit Gewinn gleichzusetzen. Die Margen sind in den letzten Jahren gesunken.» Als Gründe nennt Gisi die Frankenstärke seit der Aufhebung des Mindestkurses von 1.20 Franken pro Euro durch die Nationalbank Anfang 2015 sowie den Konkurrenzdruck – was «dringend notwendige ­Investitionen oft in die Ferne ­rücken» lasse. Gisi weiss: Ein ­guter Winter allein rette die Berggebiete nicht, und es gebe auch keine Garantie, dass der nächste Winter ebenfalls gut werde. Zudem schreite die Klimaerwärmung voran, was Ferien im Schnee je länger je mehr bedroht.

Wettbewerbskraft mit Preisnachlässen erkauft

Trotz wieder zunehmender Logiernächtezahlen: «Der Anschluss an die Erfolgsjahre vor 2008 ist damit aber nicht geschafft», sagt Gisi. Mehr noch: Die Ertragslage der Schweizer Hotellerie steht weiterhin unter hohem Druck. Robert Zenhäu­sern, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim STV, zieht dafür Zahlen heran, die vergangenen September an ei­nem runden Tisch der Schweizer Tourismusbranche debattiert worden sind. Demnach ist der durchschnittliche Umsatz pro Logiernacht im Schweizer Gastgewerbe seit 2008 von 122 auf 115 Franken kontinuierlich gesunken (siehe Grafik). Sämtliche Hotelkategorien haben seit 2008 an Wertschöpfung eingebüsst. Lediglich 1- und 2-Sterne-Hotels haben vergangenes Jahr das Niveau von 2008 erstmals wieder übertroffen. Und in der Gastronomie haben die Gesamtumsätze der Branche zwischen 2010 und 2016 von gut 26 auf 22,5 Milliarden Franken nachgelassen und erst vergangenes Jahr wieder etwas angezogen.

Entwicklung des Umsatzes pro Logiernacht

in Franken
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Dass Logiernächte und Einnahmen nicht unbedingt gleichzusetzen sind, ist auch der KOF nicht verborgen geblieben. «Aufgrund der Preiszurückhaltung hat sich die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Destinationen in den letzten Jahren verbessert», urteilt sie zwar. Kein Wunder, mussten doch Hotels Preiskonzessionen machen, um weiterhin auslän­dische Gäste anzulocken und Schweizern Ferien im Inland schmackhafter zu machen. Doch ist die Preisentwicklung entscheidend für die Ertragslage der touristischen Betriebe. Und laut KOF haben sich die Preise im Schweizer Tourismus «seit 2010 tendenziell rückläufig» entwickelt. In der Beherbergung ist der Preisrückgang seit 2015 deutlich ausgeprägt und liegt derzeit immer noch rund 5 Prozent unter dem Niveau von 2010. Blickt man zurück bis 2005, sind die Preise im Tourismus in den Nachbarländern seit 2005 um 30 bis 35 Prozent gestiegen, in der Schweiz um 10 Prozent. Damit ist dank der Zurückhaltung bei den Preisen in der Schweizer Tourismuswirtschaft deren preislicher Wettbewerbsnachteil als Folge der Frankenaufwertung teils wieder wett­gemacht worden.

Zumindest kurzfristig ein Hoffnungsschimmer

Das heisst aber auch: Ferien in der Schweiz sind trotz Preiskonzessionen nach wie vor teurer als im Ausland. Das äussert sich auch dahingehend, dass sich seit 2008 die Logiernächtezahlen in allen Nachbarländern besser entwickelt haben als in der Schweiz. Damit hat die Schweiz in den vergangenen Jahren im internationalen Vergleich Marktanteile eingebüsst, wie KOF-Leiter Jan-Egbert Sturm sagt.

Trotz allem sieht die KOF zumindest auf kurze Sicht auch einen Hoffnungsschimmer: «Aufgrund der positiven derzeitigen Entwicklung könnte es zu Preissteigerungen und damit zu einer verbesserten Ertragslage der touristischen Betriebe kommen.»

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