Weniger Unfälle wegen Corona: Jetzt prüft die Suva Prämiensenkungen

Während des Lockdowns registrierte die Suva deutlich weniger Berufs- und Freizeitunfälle. Das dürfte sich auf die Prämien auswirken. Doch grosse Sprünge sind nicht zu erwarten.

Rainer Rickenbach
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Während die Zahl der Berufsunfälle sank, gab es mehr Velo-Unfälle.

Während die Zahl der Berufsunfälle sank, gab es mehr Velo-Unfälle.

PD

In der Zeit vom 10. März bis 10. Mai gingen die Unfallmeldungen bei der Suva um etwa ein Drittel zurück. Bei den Berufsunfällen summiert sich das Minus auf 28 Prozent, bei den Freizeitunfällen sogar um 38 Prozent. «Während des Lockdowns suchten viele Personen ihre Arbeitsplätze viel weniger oft als sonst oder überhaupt nicht mehr auf», erläuterte Suva-Direktor Felix Weber am Freitag an einer Skype-Bilanzmedienkonferenz des grössten Schweizer Unfallversicherers.

Die Suva mit Sitz in Luzern versichert in erster Linie Werktätige von Industrie- und Gewerbebetrieben. Bei ihnen ist Homeoffice weniger stark verbreitet als in den Dienstleistungsbetrieben. Der Rückgang bei den Berufsunfällen fiel in den vom Coronavirus stark betroffenen Regionen besonders stark aus. Weber: «In Genf und dem Tessin verzeichneten wir mehr als die Hälfte weniger Unfälle.»

Noch stärker als an den Arbeitsplätzen sanken die Unfallzahlen bei den Freizeitaktivitäten. Beim besonders gefährlichen Fussball etwa gab es 93 Prozent weniger Verletzungen und auch bei den Wintersportarten sackte die Unfallkurve deutlich ab. Es gab aber auch Ausreisser in die andere Richtung. Weber: «Die Fahrradunfälle nahmen um rund ein Drittel zu. Das schöne Wetter bot die Möglichkeit, die Zeit zu Hause mit einer Velotour zu unterbrechen, und viele Pendler fuhren wohl mit dem Velo anstatt mit Bus oder Zug zur Arbeit.» Die Suva beschäftigt sich mit insgesamt rund tausend Unfällen pro Tag.

Ausserordentliche Senkung nicht mehr vorgesehen

Auf das ganze Jahr gerechnet, dürften die Unfälle um 4,3 Prozent (Berufsunfälle) und 5,8 Prozent (Freizeitunfälle) zurückgehen, sofern die restlichen Monate nicht stark von früheren Jahren abweichen. Es sei geplant, die Prämien für die Berufsunfallversicherung den neuen statistischen Zahlen nach unten anzupassen, sagte Weber. «Zurzeit prüft die Suva mit dem Schweizerischen Unfallversicherungsverband und den übrigen Unfallversicherungen, wie sich diese Prämienanpassung in der Berufsunfallversicherung am besten umsetzen lässt», so der Suva-Direktor. Tiefere Prämien verrechnete die Suva den Arbeitgebern und Angestellten bereits im vergangenen und in diesem Jahr. Möglich machten es nicht rückläufige Unfallzahlen, sondern Gewinne an den Finanzmärkten in den zurückliegenden Jahren. Mehr als eine halbe Milliarde Franken davon setzte sie dafür ein, die Prämien des vergangenen und dieses Jahres je nach Branche um 10 bis 15 Prozent zu senken.

Zwar arbeitete die Suva auch im vergangenen Jahr gut: Der Betriebsgewinn beläuft sich auf 57,5 Millionen Franken und das Anlagevermögen stieg im starken Börsenjahr von 50 auf 54 Milliarden Franken. Trotzdem darf nur noch ein Teil der versicherten Unternehmen für 2021 mit einer bescheidenen Prämienreduktion rechnen. Finanzchef Hubert Niggli sagte: «Leider erlaubt die angespannte Lage an den Kapitalmärkten für die kommenden Jahre keine weiteren ausserordentlichen Prämiensenkungen mehr.» Wegen der weltweit extrem tiefen Zinsen, an denen sich so schnell nichts ändern dürfte, fasst Niggli eine weitere Senkung des technischen Zinssatzes ins Auge. Zu diesem Zweck hat der Unfallversicherer bereits 2,2 Milliarden Franken aus dem starken Finanzergebnis 2019 zurückgestellt.

Mieterlass bei Härtefällen

Die Suva mag bis Ende dieses Jahres zwar vielleicht für weniger Unfall-Behandlungskosten aufkommen müssen. Doch sie ist auch eine der grossen Immobilienbesitzerinnen der Schweiz mit zahlreichen Mietern von Laden- und Büroflächen. Die Mieteinnahmen in diesem Liegenschaftssegment fliessen wegen des Lockdowns weniger üppig.

Denjenigen, die in Not geraten sind, stehe man bei, sagte Direktor Felix Weber. «Wir entlasten jene Kunden, die direkt von einer Betriebsschliessung betroffen waren, mit mindestens einer Monatsmiete. Bei indirekt betroffenen Mietern suchen wir individuelle Lösungen.»