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Weniger Wirkstoffe fördern Resistenzen

Pestizide geraten zunehmend in die öffentliche Kritik. Eine restriktivere Zulassung führt dabei auch dazu, dass dieselben Wirkstoffe öfters eingesetzt werden. Das führt zunehmend zu Resistenzen. Gefordert ist eine fundierte Interessenabwägung.
Raphael Bühlmann
Ein Traktor mit dem Prototyp eines Pflanzenschutzroboters auf einem Salatfeld. (Bild: Anthony Anex/Keystone, Galmiz, 1. Juni 2018)

Ein Traktor mit dem Prototyp eines Pflanzenschutzroboters auf einem Salatfeld. (Bild: Anthony Anex/Keystone, Galmiz, 1. Juni 2018)

Der Rapsglanzkäfer – ein blaugrün metallisch schimmerndes Insekt – zählt zu den schlimmen Schädlingen im Rapsanbau. Bei Temperaturen über 10 Grad verlassen die 1,5 bis 2,5 mm grossen Käfer das Winterlager Richtung gelb blühende Felder, wo sie sich über die Blütenpollen hermachen. Bekämpft wird der Rapsglanzkäfer zum Beispiel mit dem Wirkstoff Cypermethrin, einem Nervengift, das den Käfer binnen weniger Minuten bewegungsunfähig macht und verenden lässt.

Der Einsatz synthetischer Pflanzenschutzmittel (PSM) ist zwar vergleichsweise effektiv, hat aber Nachteile. Einer davon sind Resistenzen. Um solchen vorzubeugen, ist je nach Wirkstoff oder Wirkstoffgruppen die Anzahl Behandlung pro Jahr und Parzelle auf den jeweiligen Schädling bzw. die jeweilige Krankheit eingeschränkt. Muss mehr gespritzt werden, ist auf andere Mittel auszuweichen. Doch genau das wird zunehmend schwierig.

Totalherbizide werden mit Direktzahlungen gefördert

In den letzten Jahren ist das öffentliche Bewusstsein zum Thema Spritzmittel gewachsen. Damit einher geht ein verschärftes Zulassungsverfahren und damit unter dem Strich weniger für die Schweiz zugelassene PSM. «In den letzten zehn Jahren sind viele Wirkstoffe verschwunden, und es sind kaum neue auf den Markt gekommen», erklärt etwa Markus Waber, Bereichsleiter Kommunikation beim Verband Schweizer Gemüseproduzenten. Gleiches verlauten die Obstbauern: «Die Zulassungsbedingungen für Pflanzenschutzmittel werden immer strenger. Der Aufwand, sie zu erfüllen, nimmt demgemäss zu», sagt Georg Bregy, Direktor des Schweizer Obstverbandes. Und auch Josef Meyer, Präsident der Schweizer Zuckerrübenpflanzer, fügt an: «Wir haben das Problem, dass einige Rübenkrankheiten gegen die zugelassenen Mittel Resistenzen entwickelt haben, und wir müssten eigentlich auf andere Wirkstoffe ausweichen.»

Dass Resistenzen eine derzeit relevante Problematik sind, bestätigt Robert Finger von der ETH Zürich. «Es braucht eine breite Palette an Alternativen», so der Professor für Agrarökonomie und Agrarpolitik. Eine immer geringere Auswahl – sei es durch weniger Mittel, die auf den Markt gebracht oder zugelassen werden, oder durch Verbote – führe tendenziell zu mehr Resistenzen. Anstelle von Verboten befürwortet Finger deshalb eine deutliche Verteuerung von PSM. «So werden Anreize für weniger riskante, nichtchemische Strategien gesetzt, ohne aber die Türe für eine chemische Anwendung zu schliessen.» Zum anderen brauche es einen Fokus beim nichtchemischen Pflanzenschutz, um Krankheiten vorzubeugen und auch so Resistenzen zu vermeiden, erklärt der ETH-Professor. Dabei kritisch zu betrachten ist, dass im Rahmen des Programms zur schonenden Bodenbearbeitung die pfluglose Bodenbearbeitung gefördert wird, an Stelle des Pflugs aber oft ein Totalherbizid zum Einsatz kommt. Und auch obschon die Probleme rund um PSM keine Grenzen kennen, agiert die Schweiz betreffend Zulassungen nach wie vor weitgehend unabhängig von anderen Staaten. Olivier Felix, Leiter Fachbereich Nachhaltiger Pflanzenschutz beim Bundesamt für Landwirtschaft, erklärt, dass es mit anderen Ländern kein Abkommen zur gegenseitigen Anerkennung gibt. Zwar würden die Grundanforderungen der EU übernommen, die Schweiz entscheide in der Frage aber selbstständig. Das wiederum verkompliziere den Prozess zusätzlich. «Früher dauerte das Zulassungsverfahren 1 bis 2 Jahre, heute sind es in der Schweiz 3 bis 5 Jahre, bei einigen Produkten auch schon mal 7 bis 8 Jahre», moniert Bernhard Stucki vom PSM-Händler Leu und Gygax. Auch verteure der zusätzliche Aufwand die Produkte. «Teilweise wird von den Herstellern bewusst darauf verzichtet, extra eine Studie durchzuführen, was dann zur Folge hat, dass Produkte für die Schweiz gar nicht oder nur limitiert bewilligt werden», erklärt Stucki.

Verbot soll wissenschaftlich begründet sein

Das weltgrösste Chemieunternehmen BASF schreibt dazu auf Anfrage: «Der schweizerische Markt ist im Vergleich zum Ausland sehr klein. Eine weitere Erhöhung der Hürde bei der Zulassung würde die Attraktivität einer Registrierung in der Schweiz für international tätige Unternehmen stark reduzieren.» Dies würde wiederum zu einer bedeut­samen Verringerung der Pflanzenschutzmittel-Produktpalette sowohl im konventionellen als auch in biologischen Anbau in der Schweiz führen. «Dem Schutz der Anbaukulturen und einer effektiven Vorbeugung gegen Resistenzen wäre dies nicht dienlich», so eine Unternehmenssprecherin. Auch dem Schweizer Getreidebau stehen weniger PSM zur Verfügung, sodass die Gefahr von Resistenzen steigt. Pierre-Yves Perrin, Direktor des Schweizerischen Getreideproduzentenverbandes: «Für die Fungizide gibt es meines Wissens kein grosses Problem. Für die Herbizide und Insektizide ist die Situation aber heikler, da schon mehrere Resistenzen bekannt sind. Da brauchen wir unbedingt eine Auswahl von Produkten, um die Situation nicht zu verschärfen.»

Im Falle des Rapsglanzkäfers sei es tatsächlich so, dass dieser bereits gegen Cypermethrine resistent sei. «Diese Produkte haben keine Wirkung mehr, und es braucht unbedingt solche einer anderen Gruppe. Die Rapsglanzkäfer können in gewissen Fällen einen Totalschaden verursachen», so Perrin weiter. Er verstehe auch die restriktive Haltung gegenüber PSM aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse. «Fragwürdig ist aber, wenn eine Zulassung alleine aufgrund des politischen Drucks verweigert wird.»

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