Kolumne

Wenn das E-Banking auf dem Handy eine Odyssee in tausend Schritten ist

E-Banking ist eine praktische Sache. Aber es kann kompliziert werden, wenn man ein neues Handy kauft.

Christopher Gilb
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Christopher Gilb.

Christopher Gilb.

Wer sich in der heutigen Zeit ein neues Android-Smartphone kauft, muss sich nicht viel Sorgen um den Verlust seiner Daten machen. Kaum eingeschaltet, fängt das neue Smartphone schon an, aus der Cloud alles zu beziehen; die Fotos, die Videos, die Kontakte und auch die Apps. Innert kürzester Zeit ähnelt der Bildschirm des neuen Smartphones bereits dem des alten, und musste man sich früher in den Apps noch neu anmelden – was gar nicht so einfach war, da man ja oft sein Passwort nicht mehr wusste –, werden heute auch die Anmeldedaten oftmals mitübertragen, aber genau das kann anscheinend das Problem sein. Und zwar beim E-Banking meines Finanzinstituts.

Es gab ja die Zeit, als es noch richtig aufwendig war, das E-Banking zu nutzen. Man brauchte sein Handy, seine Bankkarte und im Fall meiner Bank ein kleines gelbes Kartenlesegerät mit schwachen Batterien. Dann kam aber die Authentifizierung über Fingerprint, und das E-Banking wurde fast zu einer Art Vergnügen.

Und ich dachte natürlich, was auf dem alten Smartphone geht, geht auch auf dem neuen. Doch jedes Mal, wenn ich den Finger auf den Sensor legte, kam eine Fehlermeldung. Ich rief also die Hotline an. Die Dame am anderen Ende hatte jedoch keine Ahnung, wovon ich sprach. Sie löschte meinen Account und ich registriere mich neu. Dann gehe es sicher, sagte sie mir. Doch es ging weiterhin nicht. Sie wollte sich daraufhin mit einem Experten unterhalten und mich wieder anrufen. Es klingelte und sie sagte mir, sie wisse jetzt woran es liege. Zusammengefasst verstand ich, da es sich bei meinem Handy um ein sehr neues Modell handle, müsse dieses von der Bank erst im Zuge eines Sicherheitsupdates für den Fingerprint freigegeben werden. Wann dieses komme, sei aber noch nicht bekannt. Was ich bis dann machen solle? Da gebe es beispielsweise die Anmeldung über Mobile ID, wofür ich aber eine aktuelle Sim-Karte benötigen würde oder ich müsste eben wieder das Kartenlesegerät verwenden.

So schwer es mir fiel, als Privatperson fand ich mich mit dieser Erklärung ab, jedoch nicht als Journalist. Denn wenn ich dieses Problem habe, dann haben es ja vielleicht andere auch. Was gerade jetzt während der Coronapandemie, da das E-Banking noch wichtiger geworden ist, nicht vorteilhaft sein könnte. Ich meldete mich also bei der Medienstelle meines Finanzinstituts. Dort bekam ich zwar keine Informationen, die einen Artikel lohnenswert gemacht hätten, dafür war man ehrlich bemüht, mir zu helfen, denn anscheinend war ich bei der Hotline nicht richtig informiert worden. Denn mit einem Update habe das nichts zu tun, wurde mir gesagt. Das Problem sei aber, dass es ein Sicherheitsrisiko sei, wenn der Fingerabdruck einfach vom alten aufs neue Handy mitkopiert würde, weshalb er dann in der App nicht funktioniere. Es gebe aber bereits einen Workaround dafür. Der Experte werde mich anrufen.

Ein freundlicher Mann rief an. Und erklärte mir, dass ich wegen des Workarounds nicht aufs Update warten müsse. Also doch ein Update, die Sache kam mir immer spanischer vor. Der Workaround jedenfalls bestehe aus mehreren Schritten. Er gab zu, es sei eine kleine Odyssee. Ich schrieb Folgendes auf: Deinstallieren der App, in den Einstellungen Fingerabdruck aus Handy entfernen, Handy für zehn Sekunden abstellen, App wieder installieren, dann das Login in der App aktivieren und beim Aktivieren «ohne Fingerabdruck auswählen», dann App wieder deinstallieren und den Fingerabdruck in den Einstellungen erneut hinterlegen, das Handy wieder ausschalten, dann wieder einschalten und das Login mit Fingerabdruck aktivieren, dann noch einmal abschalten und wieder einschalten, dann geht es.

Es funktionierte nicht. Vielleicht, weil ich irgendwann den Überblick in der Odyssee verloren habe oder vielleicht hatte ich den auch schon beim Notieren der Schritte verloren. Der sympathische Mann sprach mir jedoch auf die Combox und wollte wissen, ob es funktioniert habe. Ich hatte noch keine Zeit, ihn zurückzurufen, und auch nicht richtig Lust auf eine weitere Odyssee. Ich habe nun wieder angefangen, das Lesegerät in meine Tasche zu legen, wenn ich das Haus verlasse. Vielleicht hatten ja andere mehr Glück und sind gut durch die Odyssee gekommen, oder sie haben, was vielleicht besser ist, gar nichts von ihr erfahren, weil sie nur die Hotline und nicht die Medienstelle angerufen haben. Vielleicht kommt ja das Update eines Tages…