Body Shop: Wenn der Chef zum Angestellten wird

Wenn der Chef zum Angestellten wird

Ivan und Sheela Levy führen The Body Shop Schweiz auch nach dem überraschenden Verkauf an Coop.

Drucken
Teilen
Wenn der Chef zum Angestellten wird

Wenn der Chef zum Angestellten wird

Ruedi Mäder

Erstmals seit 27 Jahren ist Ivan Levy (53) wieder angestellt. So muss denn auch er bis Ende dieses Monats seine Ferienplanung für 2011 einreichen. Aber sonst habe sich für ihn kaum etwas verändert, schon gar nicht seine Passion, versichert jener Mann, der vor gut drei Monaten sein unternehmerisches Lebenswerk, die Kosmetikkette The Body Shop Schweiz, an die Detailhändlerin Coop veräussert hat.

Zehn bis 15 zusätzliche Standorte

Levy selber bleibt mit Sicherheit noch zwei Jahre lang CEO des Unternehmens mit knapp 200 Beschäftigten. So lange hat er sich vertraglich verpflichtet. Er schliesst jedoch nicht aus, länger an Bord zu bleiben. An seinem «Commitment», seinem Engagement, habe sich nichts geändert. Levy versichert: «Ich bin zu alt, etwas zu machen, was mir nicht Spass macht.» Die Chemie zwischen der Coop-Spitze und ihm stimme. Unternehmerisch denken und handeln bleibe die Maxime. «Wir wollen nicht bei 37 Filialen stehen bleiben», umreisst Levy seine Ambition und wird konkret: 10 bis 15 zusätzliche Standorte sollten drinliegen.

Neu auch in Coop-Warenhäusern

Eine Herausforderung besteht darin, den Umsatz von heute rund 33 Millionen deutlich höher zu stemmen. Coop-Chef Hansueli Loosli hält innert zweier bis dreier Jahre einen Umsatz von 40 bis 50 Millionen Franken für realisierbar. Eine wichtige Rolle werden die drei Dutzend Coop-City-Warenhäuser spielen. In fünf Häusern beginnen Ende Oktober Tests mit einem reduzierten Body-Shop-Sortiment.

In London fingen die Levys Feuer

Ivan Levys Grossvater emigrierte aus Ungarn in die Schweiz. Im Raum Zürich baute er eine Schuhladenkette auf, die von seinem Vater weitergeführt wurde. Der Filius allerdings mochte nicht in Vaters Fussstapfen als Schuhhändler treten, so wurden denn die fünf Verkaufsstellen verkauft. Nicht Zürich, sondern London sollte für Ivan Levy zu einem Katalysator werden, beruflich und privat. In London studierte Levy Betriebswirtschaft, später arbeitete er als Schiffsmakler.

Auf der Insel lernte Levy seine Frau Sheela, eine in Kenia aufgewachsene Inderin, kennen. An ihrer Seite kam der junge Schweizer Manager denn auch erstmals mit den natürlichen Kosmetikprodukten Marke The Body Shop in Kontakt – und fing offenkundig Feuer: Von Freunden ermuntert, erkundigte sich Sheela in der Zentrale von The Body Shop nach einer Franchise-Lizenz für ein Land im Nahen oder Mittleren Osten. Leider, so beschied man ihr, seien diese «Pachten» bereits vergeben, offerierte den Levys aber postwendend die Lizenz für den Schweizer Markt – und die Levys nahmen an.

Das war vor exakt 27 Jahren. The Body Shop Schweiz stehe durchaus nicht für eine bruchlose Erfolgsstory, räumt Ivan Levy im Rückblick ein. Auch er habe mitunter falsche Standorte gewählt oder phasenweise überinvestiert. Ab 1996 führte ein Externer das Unternehmen, nachdem Levy in den Verwaltungsrat von The Body Shop International berufen worden war.

Aber Mitte des Jahres 2005 kehrte er an den Schweizer Hauptsitz in Uster zurück und löste dort den General Manager ab. Levy sah die Marke schwächeln und die Produktivität schwinden. Er fürchtete, The Body Shop könnte zu einem Discounter abgleiten, gab daher Gegensteuer – und sollte schliesslich reüssieren.

Ein grosses Herz auch für den Film

Das Sortiment umfasst heute rund 750 Artikel, am meisten Umsatz spülen die Badesparte und die Make-up-Produkte herein. Frauen zwischen 25 und 35 bilden das zentrale Kundensegment. 2010 ist das Unternehmen mit einem mittleren einstelligen Wachstum gut unterwegs. Verkauft haben die Levys deswegen, weil sich im Familienkreis keine Nachfolgelösung treffen liess. Tochter Shaana Levy gibt am nächsten Wochenende auf einem ganz anderen Terrain ihren Einstand: Am Filmfestival in Toronto feiert die 26-Jährige Premiere als Executive Producer des Films «West is West» des Engländers Andy De Emmony. Mit viel Herzblut in Kanada dabei – natürlich– auch die Eltern.