Umrüstung
Wenn es im Lift bald heisst: Tütütüü! Kein Anschluss unter diesem Alarmknopf

Swisscom stellt Ende 2017 das analoge Telefonieren ab, 2020 folgt der alte Standard 2G/GSM für mobile Daten. Aufzüge und Alarmanlagen müssen bis dahin umgerüstet sein. An diesem Zeitplan werden Zweifel laut.

Fabian Hock
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Moderne Aufzüge sind bereits mit LTE-Technologie ausgestattet. Ältere Modelle müssen umgerüstet werden. Sorgen bereitet einigen der straffe Zeitplan.

Moderne Aufzüge sind bereits mit LTE-Technologie ausgestattet. Ältere Modelle müssen umgerüstet werden. Sorgen bereitet einigen der straffe Zeitplan.

Thinkstock

Beim Betreten eines Aufzugs sorgt bei vielen ein kleines Knöpfchen für mulmige Gefühle: der Notruf. Trotzdem gut, dass er da ist, denkt man zugleich, schliesslich ist er im Fall der Fälle die einzige Chance auf Hilfe.

Wird es tatsächlich einmal nötig, setzt der eingesperrte Fahrgast via Knopf ein Signal an die Notrufzentrale ab. Diese antwortet per Telefon. Dumm nur: Das Ganze läuft in den meisten Aufzügen über ein altbewährtes, analoges Telefonkabel – und wird deshalb bald nicht mehr möglich sein. Ende 2017 schaltet die Swisscom das analoge Telefonieren ab. Die Lifthersteller müssen bis dahin alle ihre Anlagen umgerüstet haben. Teile der Branche nennen diesen Zeitplan gegenüber der «Nordwestschweiz» ambitioniert. Andere halten ihn – hinter vorgehaltener Hand – für schwer umsetzbar.

Die grossen Lifthersteller erwarten derweil weniger Probleme. Dennoch bestätigt Kurt Kaufmann, Leiter Aufzüge beim zweitgrössten Schweizer Liftbauer AS: «Wir arbeiten intensiv an der Umstellung von analog zu digital.» Bei mehreren tausend Aufzügen sei dies eine grosse Herausforderung.

Mit der Swisscom arbeite man eng zusammen. Kaufmann streicht auch einen Vorteil der Umstellung heraus: Die Gebühren für die SIM-Karten, über welche die Telefonie in den Fahrstühlen künftig geht, seien günstiger als die Gebühren für die analogen Leitungen. Bei der Umstellung bis Ende 2017 sei man bei AS derzeit im Plan, sagt er.

Auch Schindler im Zeitplan

Die enge Kooperation mit Swisscom betont auch Branchenprimus Schindler. Probleme nach der Umstellung erwarte man keine, sagt Sprecher Florian Meier: «Dank der sehr guten und ständig verbesserten Mobilfunkabdeckung sowie deren hoher Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit erwarten wir keine grösseren Schwierigkeiten bei der Umstellung von Liftkommunikationssystemen.»

 Notruf im Lift das kleine Knöpfchen für mulmige Gefühle

Notruf im Lift das kleine Knöpfchen für mulmige Gefühle

Nordwestschweiz

Ein Grossteil der Kundenanlagen kommuniziere heute noch über die analoge Telefonlinie, so Meier. Schindler offeriere seinen Kunden nun, diese Anlagen aufgrund des Swisscom-Entscheids auf Mobilfunk umzurüsten. Man sei frühzeitig informiert worden und habe deshalb alle erforderlichen Massnahmen eingeleitet.

Herausfordernd bleibt der Termin dennoch – nicht nur für die Aufzugsbranche. Auch Firmen aus dem Sicherheitsbereich hadern mit dem engen Zeitplan – und würden diesen gerne über Bord werfen. Drei Jahre hört sich zwar zunächst nach ausreichend Zeit an, doch die Umrüstung von Tausenden Alarmanlagen kann mitunter aufwendig sein.

Die notwendigen Massnahmen reichen von der Überprüfung der Alarmierung bis hin zu Änderungen an der bestehenden Telefonanlage, sagt Urs Marquart, Geschäftsführer der Marquart Sicherheit und Security AG. Die Vorgaben der Swisscom nennt er «sehr ambitiös». Marquart rechnet nicht damit, dass alle Alarmanlagen in der Schweiz bis Ende 2017 umgerüstet sind. «Vor allem in abgelegenen Gebieten dürfte es zu Schwierigkeiten kommen», sagt er. Nicht, weil die Benutzer die Umstellung verschlafen würden, sondern aus rein technischen Gründen. Vorteile sieht er in der Umstellung keine, die Funktion der Alarmanlage bleibe dieselbe wie vor der Umrüstung.

Ende für den GSM-Standard

Eine weitere Hürde kommt hinzu: Ende 2020 schaltet die Swisscom auch das 2G/GSM-Netz ab. Das verkündete der Telekom-Riese vor wenigen Tagen. Notrufknöpfe in Aufzügen oder auch Alarmanlagen in Gebäuden, die zwar schon mobil, aber eben in diesem veralteten Netz kommunizieren, müssen ebenfalls umgerüstet werden. Zwar rechnen wohl die meisten Sicherheitsfirmen und Aufzugshersteller seit einiger Zeit mit dem Aus des GSM-Standards. Und obwohl noch mehr Zeit bleibt als bei der Umrüstung von analog auf digital: Der Aufwand bleibt gross.

Zukunftsgerichteter Wechsel

An sich ist die Umstellung technologisch sinnvoll. Das gilt für den Wechsel von analog auf digital, wie auch für das Ende des GSM-Standards. Letzterer belegt fast ein Drittel der Antennenkapazität, jedoch werden heute nur noch 0,5 Prozent der Daten über GSM verschickt, betont die Swisscom. Und auch das Ende der Kupferleitungen lohnt sich auf lange Sicht. Doch sollten bis Ende 2017 tatsächlich einige Aufzugsbetreiber und Alarmanlagenbesitzer die Umstellung auf ein digitales Kommunikationssystem noch nicht abgeschlossen haben, müsste man gegebenenfalls über Ausnahmen nachdenken, heisst es aus der Aufzugs- wie auch aus der Sicherheitsbranche. Die Swisscom weise jedoch seit längerem darauf hin, dass der Termin fix sei.

Und so will man beim Telekom-Konzern selbst von einer möglichen Terminverschiebung noch nichts wissen. «Wir sind plangemäss mit der Umstellung auf IP-basierte Festnetztechnologie unterwegs, halten also an dem Termin 2017 fest», sagt Swisscom-Sprecher Olaf Schulze der «Nordwestschweiz». Bei der Lifttelefonie stünde man in engem Kontakt mit den Liftherstellern, den Drittanbietern von Modulen und Verbänden. Gemeinsam würden verschiedene IP-basierte Lösungen geprüft.