Schnäppchen
Wenn Schnäppchenjäger an Grenzen stossen

Das grösste Schweizer Portal DeinDeal muss das Modell anpassen, um erfolgreich zu bleiben. In der Branche geniessen die sogenannten Schnäppchenjäger dennoch keinen guten Ruf.

Thomas Schlittler
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Schnäppchen auf DeinDeal: «Die Anfangseuphorie hat nachgelassen.»

Schnäppchen auf DeinDeal: «Die Anfangseuphorie hat nachgelassen.»

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Eine Faltenreduktionsbehandlung gibts 73 Prozent günstiger, Spareribs à discrétion sind um 53 Prozent reduziert und auf Wellnesstage in einem Bündner Hotel wird ein Rabatt von 50 Prozent versprochen. Mit Angeboten wie diesen geht DeinDeal.ch, das führende Schweizer Schnäppchenportal, auf Kundenfang.

Keine Freude daran hat Hannes Jaisli, Direktor von Gastro Suisse: «Wir stehen diesen Schnäppchenportalen sehr kritisch gegenüber.» Bei Rabatten von 50 Prozent und mehr sei es nicht möglich, kostendeckend zu arbeiten: «Rabatte bieten zwar die Chance, Gäste zu gewinnen, doch die Gefahr ist gross, nur Schnäppchenjäger anzuziehen, die einmal und nie wieder kommen», so Jaisli.

Der gleiche Tenor ist von Hotelleriesuisse zu hören: «Die bisherigen Erfahrungen mit Schnäppchenportalen sind eher ernüchternd», sagt Thomas Allemann, Leiter Mitgliederservices des Verbandes. Er fügt aber hinzu, dass das wohl auch damit zusammenhänge, dass die Hoteliers teilweise noch nicht gelernt hätten, mit diesen Portalen umzugehen. Um das zu verbessern, hat Hotrec, der europäische Dachverband des Gaststättenwesens, im Frühling eine Checkliste publiziert für die sinnvolle Nutzung von Schnäppchenportalen.

Kaum ein Unternehmen – ob nun in der Gastrobranche oder sonst wo – kann es sich leisten, seine Angebote regelmässig und über einen längeren Zeitraum auf Schnäppchenportalen zu verscherbeln. Ein Problem für DeinDeal, Groupon und Co.: «Die Schnäppchenportale müssen ständig neue Partner akquirieren, die bereit sind, ihre Angebote zum halben Preis abzugeben», sagt Malte Polzin, Senior Consultant & Partner der E-Commerce Beratungsfirma Carpathia. Solche Partner zu finden, dürfte je länger je schwieriger werden. Für Polzin ist deshalb klar, dass reine Schnäppchenportale nicht wirklich nachhaltig sind: «Die Anfangseuphorie in diesem Geschäft hat nachgelassen. Das zeigt auch der Aktienkurs des Weltmarktführers Groupon.»

Groupon: Die goldenen Zeiten sind vorbei

Groupon ist das weltweit führende Schnäppchenportal, konnte sich in der Schweiz jedoch nie richtig durchsetzen. Auch global harzt es. Die Aktie hat im Vergleich zum Börsengang im November 2011 nur noch rund ein Drittel seines Werts. In den letzten Monaten ist allerdings wieder eine leichte Aufwärtstendenz zu erkennen. Dennoch sind die Zeiten explosiven Wachstums für Groupon augenscheinlich vorbei. Die Zahl aktiver Kunden stieg in Nordamerika im ersten Quartal 2013 zwar um eine Million auf 18,2 Millionen. Im internationalen Geschäft ging sie aber um 300 000 auf 23,5 Millionen zurück. Früher hatte Groupon prozentual zweistellig zulegen können, doch in den vergangenen Quartalen hatte das Schnäppchenfieber nachgelassen. (TSC)

Vermehrt ein «normaler» Verkäufer

In der Schweiz konnte Groupon nie richtig Fuss fassen. Das hängt wohl damit zusammen, dass Dein Deal früh genug dran war und sich als Schweizer Player positioniert hat. Der Branchenprimus bezeichnet Groupon zwar als «einzig relevanten Mitbewerber» im Couponing-Geschäft, weist aber darauf hin, dass man hierzulande mittlerweile sechsmal mehr Umsatz mache als der amerikanische Grosskonzern: «Wir haben unseren Marktanteil von 70 auf 85 Prozent ausgebaut.»

Die aufgebaute Kundenbasis nutzt das Portal für die Anpassung des Geschäftsmodells: «DeinDeal konzentriert sich nicht mehr nur auf den Vertrieb von Schnäppchen, sondern setzt immer stärker auf den normalen Produkteverkauf», so Polzin. Daraus macht das 2010 gegründete Unternehmen, das zu 60 Prozent Ringier gehört, auch kein Geheimnis: «Wir haben uns vom reinen Vermittler zu einem der grössten Schweizer Shopping-Portale mit eigenem Produktvertrieb weiterentwickelt.» Mit Angeboten aus den Bereichen Fashion, Sport, Design, Home and Living und Brands aus aller Welt konkurriert DeinDeal mit anderen Anbietern der jeweiligen Sparte. «Die beiden Bereiche – Social-Buying und Produkteverkäufe – werden künftig wohl je etwa 50 Prozent des Gesamt-Umsatzes von DeinDeal ausmachen», sagte Ringier-CEO Marc Walder dem Medienmagazin «Persönlich».

In den ersten drei Jahren verfolgte DeinDeal eine klare Investment Strategie. Im Jahr 2012 setzte das Unternehmen 52 Millionen Franken um. «Durch das rasante Wachstum sind scheinbar viele Prozessoptimierungen auf der Strecke geblieben. In den letzten Monaten hat man das nun nachgeholt. Deshalb kam es auch zu einem Stellenabbau», sagt Berater Polzin. Einst beschäftigte DeinDeal 180 Mitarbeiter, mittlerweile sind es noch 130. «Wir sind von der Investitionsphase in eine Profitabilitätsphase eingetreten», schreibt das Unternehmen auf Anfrage. Dass ein Unternehmen in dieser Phase ein wenig schlanker werde, sei normal.