Tourismus
Wer wird neuer Kuoni-Chef? Die Suche dauert länger als geplant

2013 wollte der Schweizer Reisekonzern Kuoni einen definitiven Nachfolger für den entlassenen CEO Peter Rothwell präsentieren. Dass noch immer kein Nachfolger feststeht, wirft Fragen auf. Unwahrscheinlich ist, dass ein Schweizer das Rennen macht.

Thomas Schlittler
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«Online-Affinität ist sicher von grosser Bedeutung, ein Ausschluss-Kriterium ist es aber nicht.»

«Online-Affinität ist sicher von grosser Bedeutung, ein Ausschluss-Kriterium ist es aber nicht.»

Keystone

Knall auf Fall trennte sich Kuoni letzten Juni von CEO Peter Rothwell. Nach viereinhalb erfolglosen Jahren schaffte es der Brite nicht mehr, den Verwaltungsrat und die Investoren davon zu überzeugen, dass die Gewinne schon noch sprudeln werden.

Sein Nachfolger ad interim wurde Finanzchef Peter Meier. Eine definitive Lösung wollte das Unternehmen «im Verlaufe des Jahres 2013» präsentieren. Das ist nicht gelungen. Die Branche spekuliert deshalb noch immer, wer der neue starke Mann wird beim grössten Schweizer Reisekonzern.

Klar ist, dass es keine interne Lösung geben wird. Finanzchef Meier machte schnell deutlich, dass er den CEO-Posten nicht fix übernehmen will. Auch Stefan Leser hat sich Ende November selbst aus dem Rennen genommen – obwohl dem Deutschen durchaus Ambitionen nachgesagt worden waren.

Der Leiter des traditionellen Tour-Operator-Geschäfts (Outbound & Specialists) hat aber wohl gespürt, dass der Verwaltungsrat nicht auf ihn setzt, und deshalb selbst die Reissleine gezogen.

Nationalität ist kein Kriterium

Welche externen Kandidaten im Rennen sind, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Selbst Top-Kader von Kuoni sollen keine Ahnung haben, wer ihr neuer Chef wird. Informiert ist einzig der Verwaltungsrat.

Allen voran Heinz Karrer, der den Nominationsausschuss leitet. Der künftige Economiesuisse-Präsident bestätigt gegenüber der «Nordwestschweiz» lediglich, dass noch mehrere Kandidaten im Rennen sind.

Doch wieso dauert es mit der Vertragsunterzeichnung so lange? «Es braucht immer Unterschriften von beiden Parteien», sagt Karrer. Diese Aussage bietet Raum für Spekulationen. Ziert sich der Wunschkandidat? Ist sich der Verwaltungsrat uneinig?

Die Anforderungen an den neuen Chef sind hoch. Er muss sich im Internet auskennen, denn dort soll Kuoni in Zukunft mehr Geld verdienen. Das traditionelle Tour-Operating-Geschäft gilt als Auslaufmodell.

«Online-Affinität ist sicher von grosser Bedeutung, ein Ausschluss-Kriterium ist es aber nicht», so Karrer. Überhaupt gebe es kein absolutes Ausschluss-Kriterium. Auch die Nationalität spiele keine entscheidende Rolle.

Karrer: «Als Kuoni-CEO ist man ständig unterwegs. Man muss mit den Mitarbeitern in Zürich genauso gut klarkommen wie mit denjenigen in New York oder Singapur.»

Gute Resultate mit Interims-Chef

Kuoni macht rund 90 Prozent des Umsatzes ausserhalb der Schweiz. Branchenkenner glauben deshalb nicht an eine Schweizer Lösung. Sie sind sich einig, dass hierzulande momentan niemand das Profil hat, um den Kuoni-Chefsessel zu übernehmen. Ob Hotelplan oder Tui Suisse – Kuoni ist eine andere Schuhgrösse.

Die Verantwortlichen lassen sich nicht unter Druck setzen. Den eigenen Ankündigungen zum Trotz sagt Karrer: «Wir werden informieren, sobald es etwas zu informieren gibt.»

Die Gelassenheit des Verwaltungsrats dürfte nicht zuletzt daher kommen, dass es bisher ohne festen Chef ganz gut läuft: Im dritten Quartal ist Kuoni in die Gewinnzone zurückgekehrt und die Aktie hat seit Rothwells Abgang um über 30 Prozent zugelegt.