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WETTER: Hitzetage lassen Konjunktur kalt

Die Schweiz blickt auf die heisseste Woche seit dem Sommer 2015 zurück. Um Folgen für die Volkswirtschaft muss sich vorerst niemand sorgen.
Balz Bruppacher
Sommerliche Freizeitartikel sind zurzeit Kassenschlager. (Bild: Walter Bieri/Keystone (Zürich, 26. Mai 2017))

Sommerliche Freizeitartikel sind zurzeit Kassenschlager. (Bild: Walter Bieri/Keystone (Zürich, 26. Mai 2017))

Balz Bruppacher

Nach der ersten Hitzewoche dieses Jahres sind wir bestens informiert, was wir tun und lassen sollten, wenn die Quecksilbersäule die 30-Grad-Marke übersteigt. Wir haben auch erfahren, wo bei steigenden Temperaturen die Kassen klingeln und wem die Hitze das Geschäft vermiest. Doch was bleibt nach einer Hitzewelle aus volkswirtschaftlicher Sicht unter dem Strich? Eindeutige Antworten gibt es nicht. Sicher ist aber, dass fünf Hitzetage in Folge noch keinen messbaren Effekt auf die Konjunktur haben.

Mineralwasser, Eistee, Bier, Glace, Melonen, Salate und Grillfleisch sind derzeit die Renner im Lebensmittelhandel. Nachschubprobleme gibt es nicht. «Wetterprognosen werden bei unseren Bestellungen immer mitberücksichtigt», sagt Coop-Sprecherin Angela Wimmer. Ein Blick auf die Wochenmärkte zeigt, dass die Bedingungen für einheimische Gemüseproduzenten ideal sind. Je länger die Hitzeperiode dauert, desto grösser werden allerdings die Sorgen der Bauern über Wasserknappheit und Einschränkungen der Behörden für Wasserentnahmen aus den Gewässern.

Zu den gefragtesten Konsumgütern gehörten diese Woche Ventilatoren, aber auch Artikel für Wassersport, Garten und Camping. So verkauft die Migros zurzeit rund dreimal so viel Ventilatoren und Gummiboote wie im Vorjahr. Nach dem Hitzesommer 2015, als diese beiden Produkte die Renner waren, hat der Grossverteiler vorgesorgt, wie Sprecherin Monika Weibel berichtet. «Wird die Hitze andauern, könnte es allerdings schon in den nächsten Wochen bei den Ventilatoren eng werden», schränkt sie ein.

Milliardenschäden im Hitzesommer 2003

Beim Gang durch Einkaufszentren fällt umgekehrt auf, dass sich der Andrang der Kundschaft an heissen Tagen in Grenzen hält. Es stellt sich die Frage, ob ein Hitzesommer die Umsätze positiv oder negativ beeinflusst. «Zu Auswirkungen auf den Geschäftsverlauf äussern wir uns nicht öffentlich», sagt Coop-Sprecherin Wimmer. Auf hitzebedingte Umsatzeinbussen angesprochen, heisst es bei der Migros: «Trotz Hitze müssen die Kunden ja ihre Einkäufe tätigen. Viele tun dies eher in den Abendstunden.»

Was die Gemüseproduzenten erleben, gilt auch für die wirtschaftlichen Folgen der Hitze insgesamt: Je länger eine Hitzewelle andauert, desto stärker fallen die negativen Auswirkungen ins Gewicht. Probleme in der Wasserversorgung, Ernteausfälle, aber auch Unwetter- und Brandschäden sowie Schädlingsbefall der Wälder sind die Stichworte, die aus dem Hitzesommer 2003 in Erinnerung sind. Hinzu kommen Gesundheitsschäden sowie mögliche Beeinträchtigungen der Arbeitsproduktivität. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) schätzt die finanziellen Schäden des Hitzesommers 2003 in Europa auf über 13 Milliarden Euro. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz rechnet in einer Studie mit Kosten von 3 bis 5 Milliarden Franken im Falle einer extremen Hitzewelle in der Schweiz.

Solche Schätzungen und Prognosen sind insofern mit Vorsicht zu geniessen, als sie oft Doppelzählungen enthalten und politisch instrumentalisiert werden. Aus makroökonomischer Sicht sind nach Katastrophen zudem die Wiederaufbaukosten in Betracht zu ziehen, die das Wachstum ankurbeln. So hatten die verheerenden Hochwasserkatastrophen in Deutschland in den letzten Jahren kaum nennenswerte Auswirkungen auf das Bruttoinlandprodukt (BIP). Was allerdings auch die begrenzte Aussagekraft des BIP deutlich macht.

Klimawandel kostet Konjunktur

Kommt der Klimawandel ins Spiel, sorgt eine Studie von US-Ökonomen in Kalifornien vom Herbst 2015 für Aufsehen. Sie kamen aufgrund der Auswertung von umfangreichem Datenmaterial zum Schluss, dass die Konjunktur in allen Regionen an das globale Klima gekoppelt ist. Die höchste Arbeitsproduktivität würde demnach bei einer mittleren Jahrestemperatur von 13 Grad erzielt. Bei tieferen oder höheren Temperaturen sinkt sie.

Die Autoren errechneten weiter, dass bei gleichbleibender Erwärmung das weltweite Durchschnittseinkommen im Jahre 2100 rund 23 Prozent tiefer läge als heute und dass sich die Einkommensunterschiede weiter vergrösserten.

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