Rohstoff
Wichtiger als Banken: Unbekannte Rohstoffriesen in der Schweiz

Nestlé gilt als grösster Konzern der Schweiz mit 92 Milliarden Franken Umsatz als Gigant. Aber doch ist der Lebensmittelriese nur ein Zwerg gegen die grossen Rohstoffhändler. Diese sitzen in Genf oder der Innerschweiz.

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Viele der Rohstoffmultis sind in der Öffentlichkeit kaum bekannt

Viele der Rohstoffmultis sind in der Öffentlichkeit kaum bekannt

Keystone

Namen wie Vitol, Glencore oder Trafigura sind der Öffentlichkeit unbekannt. Weitere Riesen sind Mercuria Energy, der Schweizer Ableger von Gunvor oder die Schweizer Filiale des Getreidekonzerns Cargill. Diese verschwiegene Gemeinschaft bildet nur die Spitze des Eisbergs.

Laut einem Report von Swiss Banking hatten Rohstoffhändler mit ihren rund 570 grösseren und kleineren Unternehmen 2010 einen Anteil von 3,6 Prozent am schweizerischen Bruttoinlandprodukt. Es arbeiten 10'500 Angestellte in dieser Branche. Die Einnahmen sind laut der Schweizerischen Nationalbank grösser als die der Banken mit Dienstleistungen.

Wichtiger als Banken

Knapp zwei Drittel des Handels entfällt auf Energieträger wie Rohöl. Metalle kommen auf einen Anteil von 20 Prozent und Agrarprodukte auf 15 Prozent. Die Handelsfirmen kamen im letzten Jahr auf geschätzte 950 Milliarden Dollar Umsatz. Genf gilt als wichtigster Ort der Handelsfinanzierung. Und so kommen die Banken ins Spiel. Im Jahr 2011 erreichte das Volumen dieser Finanzierung laut Schätzungen die Summe von 1500 Milliarden Franken. Das entspricht der Bilanzsumme der Grossbanken vor der Finanzkrise.

Zu den Gewinnern des Rohstoffhandels zählen laut Analysten Banken aus Asien. Diese profitieren auch davon, dass ihre Kreditkosten in eigener Währung teilweise niedrig sind. Verlierer auf der Seite der Banken sind die französischen Grossbanken. Diese hatten 2011 wegen der Euro-Krise Probleme, sich günstig in US-Dollar, der Standardwährung im Rohstoffgeschäft, zu refinanzieren.

Teure Pannen

Pannen im Handel sind teuer. Bei Sumitomo, einer japanische Grossbank hatte der Chefhändler versucht, den Kupfermarkt zu manipulieren und dabei 2,6 Milliarden Dollar versenkt. Das war anno 1996 vor der Pleite des Rohstoff-Hedge-Funds LCTM noch ein hoher Betrag. Amaranth, ein weiterer Hedge Fund, ging 2006 nach Fehlspekulation bei Rohstoffutures mit einem 6,6-Milliarden-Verlust unter.

Die kanadische Bank of Montreal verzeichneten 2007 mit Erdgasfutures grosse Handelsverluste. JP Morgan verspielte 2012 zwei Milliarden Dollar mit Rohstoffen. Ende der 1990er Jahre waren die Handelshäuser André in Lausanne und Volkart in Winterthur nach Verlusten ausgestiegen.

Auch um der Abhängigkeit der Banken zu entgehen, haben Rohstoffhändler eigene Finanzierungsabteilungen aufgebaut. Trafigura hat einen Finanzierungsfonds innerhalb des hauseigenen Hedge Funds Galena aufgebaut. Mit solchen befriedigen sie auch die Nachfrage von Anlegern, in das Kreditgeschäft indirekt einsteigen zu können. Gunvor sowie Mercuria haben mit ihren Geldgebern ausreichend hohe erneuerbare Kreditlinien ausgehandelt, dass sie im Tagesgeschäft von den Banken unabhängig disponieren können. (Nik)