Widerstand
Nach der «Walliserkanne»: Auch dieses berühmt-berüchtigte Kino wehrt sich gegen das Covid-Zertifikat

Über 5000 Unternehmen weigern sich, den Corona-Ausweis zu kontrollieren. Recherchen zeigen: Dazu gehört auch ein sehr bekanntes Kino in Zürich, das mit der drittgrössten Kette der Schweiz verhängt ist.

Stefan Ehrbar
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Das Zürcher Kino Stüssihof ist auf animap.ch gelistet.

Das Zürcher Kino Stüssihof ist auf animap.ch gelistet.

Keystone

Eine «richtig schwierige Zeit» steht bevor, warnen die Betreiber des Portals animap.ch. Das gehe aus den Plänen der «New World Order» (NWO) hervor. WEF-Gründer Klaus Schwab habe das bereits mehrfach angesprochen. Deshalb sollten sich Menschen jetzt einen Notvorrat anlegen – unter anderem mit «legaler Selbstverteidigung». Verlinkt wird ein Onlineshop, der Armbrüste verkauft.

Es sind klassische Verschwörungstheorien über Eliten und geheime Gesellschaften, die eine finstere Weltregierung errichten wollen – mit Schwab als finsteres Mastermind. Dabei hat animap.ch eigentlich ein anderes Ziel: Auf der Plattform sind über 5000 Schweizer Unternehmen gelistet, die mit ihrem Eintrag auf dem Portal versichern, auf das Vorweisen von Gesundheitsdokumenten durch ihre Kunden zu verzichten – also etwa das Covid-Zertifikat. Das national bekannteste Beispiel ist seit diesem turbulenten Wochenende wohl die «Walliserkanne» in Zermatt, die einen Polizeigrosseinsatz auslöste.

Zusammenarbeit mit Arena

Die Firmen «achten die Würde des Menschen und diskriminieren deshalb niemanden», heisst es. Neben auffällig vielen Unternehmen aus dem alternativmedizinischen Bereich ist auch das Zürcher Kino Stüssihof auf der Liste, das jahrzehntelang als Erotikkino fungierte, bis es 2013 umgebaut wurde. Seither werden dort vor allem Schweizer und Kinderfilme gezeigt.

Die Covid-Zertifikatspflicht gilt auch für Kinos und wird von diesen auch so akzeptiert. Das «Stüssihof» jedenfalls ist – neben dem «Cinema 8» im aargauischen Schöftland – das Einzige, das sich auf Animap dagegen wehrt. Erstaunlich ist der Widerstand des «Stüssihofs» aber insbesondere, weil es mit der drittgrössten Schweizer Kinokette Arena zusammenarbeitet, die unter anderem das grösste Kino der Deutschschweiz in Zürich betreibt. Das Kino wird zudem auch auf deren Website geführt.

Edi Stöckli war beteiligt

Arena-Gründer Edi Stöckli teilt auf Anfrage mit, das Kino gehöre nicht zu seiner Gruppe, er könne die Fragen zum Animap-Eintrag nicht beantworten. Nur: Der Eintrag des Kinos Stüssihof auf die Liste geschah bereits vor einigen Monaten, wie Recherchen von CH Media zeigen.

Zu diesem Zeitpunkt war Edi Stöckli durchaus am Stüssihof beteiligt – zunächst mit der Stöckli Holding AG, deren Geschäftsführer er war, danach mit der Corpfinance AG, in deren Geschäftsleitung er sass. Der Widerstand gegen das Zertifikat wurde also zu einem Zeitpunkt organisiert, als der Arena-Gründer mit dem Kino verbunden war.

«Kein Einfluss auf Geschäftsführung»

Darauf angesprochen schreibt Stöckli: «Wir haben geholfen, das Quartierkino zu bauen und haben es während der covidbedingten Schliessungen finanziell unterstützt. Wir helfen heute noch, indem wir es auf unserer Website aufführen.» Zudem partizipiere es an der Kundenkarte.

Auf die Geschäftsführung habe die Arena-Gruppe keinen Einfluss. Tatsächlich hat Stöckli seit kurzem keine Verbindung mehr zur «Stüssihof»-Betreiberin Art-Media Produktion GmbH. Die Trennung dürfte nicht zuletzt aus finanziellen Gründen erfolgt sein, und um Hilfsgelder des Bundes zu erhalten.

Die Trennung habe damit zu tun, dass die Zugehörigkeit zu einer grossen Gruppe mehr Nachteile bringe als Vorteile, schreibt Stöckli denn auch. «So fallen beispielsweise wichtige Hilfen vom Bundesamt für Kultur weg.» Ob das Kino vom Bund respektive dem Kanton Zürich Härtefallentschädigungen erhält, gibt Letzterer mit Verweis auf das Amtsgeheimnis nicht bekannt.

Geschäftsführer tauchen ab

Wie begründet die Chefin des Kinos Stüssihof, Stöcklis Tochter Zoë Stähli, ihren Widerstand gegen das Zertifikat? Wurde das Kino gar ohne ihr Wissen auf die Plattform eingetragen?

Das scheint eher unwahrscheinlich. Mehrere schriftliche Anfragen lassen Stähli und Geschäftsführer Peter Preissle tagelang genauso unbeantwortet wie Anrufe und Combox-Nachrichten. Eine Mitarbeiterin des Kinos gibt die Anfrage von CH Media zwar weiter, aber die Geschäftsführenden melden sich nicht mehr. Ein öffentlich angekündigter Protest, der geheim bleiben soll? Was damit erreicht werden soll, bleibt unklar.

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