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Wie der Rooter Küchenhersteller Veriset von der Pleite zum Marktführer aufgestiegen ist

Ueli Jost machte aus dem Küchenhersteller Veriset eine Erfolgsgeschichte. Dafür hat er nun den EY-Unternehmerpreis gewonnen.
Rainer Rickenbach
Die zwei Veriset-Generationen (v.l.n.r.): Ueli Jost mit Sohn Daniel, Ehefrau Ursula und Tochter Nadine. (Bild: Nadia Schärli, Root, 21. Oktober 2019)

Die zwei Veriset-Generationen (v.l.n.r.): Ueli Jost mit Sohn Daniel, Ehefrau Ursula und Tochter Nadine. (Bild: Nadia Schärli, Root, 21. Oktober 2019)

«Löcher in den Teppichen, in den Dächern und natürlich in der Kasse.» So, erinnert sich der heutige Veriset-Besitzer Ueli Jost, habe sich der Küchenhersteller vor 19 Jahren präsentiert, als Jost seine Beratertätigkeit in Root aufnahm. Dass er aus dem Pleiteunternehmen eine neue Firma mit der Marke Veriset aufbauen und führen würde, überstieg damals die Vorstellungskraft des ursprünglich gelernten Maschinenschlossers.

Und doch ist er heute Inhaber und Chef von Veriset. Die Löcher hat er schon lange gestopft. Das modern eingerichtete Unternehmen liefert heute jährlich 20000 Küchen in Schweizer Haushalte und an Fachhändler aus. Das sind so viele wie kein anderes in der Schweiz, der nächste Mitbewerber bringt es auf 3000 bis 4000 Küchen. Auf einem Markt freilich, in dem fast drei von vier Küchen aus dem Ausland importiert werden. Eine Objektküche aus Root kostet rund 10000 Franken, private Einzelküchen gibt es ab 20000 Franken.

Nächste Generation ist in den Startlöchern

Für die erfolgreiche Aufbauarbeit, die Ueli Jost in 19 Jahren geleistet hatte, gewann er am vergangenen Freitag den renommierten Unternehmerpreis von Ernst & Young (EY) in der Kategorie «Industry/Hightech/Life Sciences».

Der Firmenchef schildert zwar gerne all die Klippen, die er an der Spitze des Unternehmens zu umschiffen hatte. Doch spätestens nach dem dritten Satz kreisen seine Gedanken um die Zukunft. Denn das Familienunternehmen steht gleich in mehrfacher Hinsicht vor wichtigen Weichenstellungen. Da ist einmal der Generationenwechsel, der für das Jahr 2022 aufgegleist ist. Daniel Jost (32) wird dann seinen Vater (63) als Geschäftsführer ablösen. Daniels Schwester Nadine Jost (34) ist in der Unternehmensleitung als Zuständige für die strategische Kundenbetreuung vorgesehen. Vater Ueli Jost konzentriert sich auf seine strategischen Aufgaben als Verwaltungsratspräsident. Ehefrau Ursula bleibt für die Lohnbuchhaltung verantwortlich.

Die neue Führungsgeneration ist gut ausgebildet und war in den vergangenen paar Jahren im Familienbetrieb, aber auch in anderen Firmen tätig. «Auswärts haben sie ihren Horizont erweitert und hier in Root alle Produktionsschritte von der Pike auf kennen gelernt», erklärt Ueli Jost.

Intelligente Küchen intelligent herstellen

Die Nachfolgegeneration wird den grössten Schweizer Küchenhersteller in ein neues Industriezeitalter führen. «Wir sind daran, Veriset zur Leading Factory weiterzuentwickeln. Für Industrie 4.0, Digitalisierung und weitere technologische Quantensprünge investieren wir in den nächsten paar Jahren über 10 Millionen Franken», sagt Ueli Jost. Ziel ist es, intelligente Küchen intelligent herzustellen. Mit der neuen Montageanlage, die in der Lage ist, im 30-Sekunden-Takt Küchenschränke herzustellen, oder den Laserkanten im ganzen Sortiment haben die Rooter die ersten Schritte bereits gemacht. Jost: «Die Daten werden die zentrale Rolle spielen. Sie nehmen den Weg von der Küchenplanung direkt zum Produktionssystem. Dieses wird sich nicht mehr aus einzelnen Maschinen zusammensetzen, sondern aus Systemen, die von einem Leitsystem wie von einem Gehirn gelenkt werden.»

Veriset beschäftigt gut ein Dutzend Leute in der Entwicklung sowie der IT und arbeitet eng mit der Fachhochschule Biel zusammen. Für Laien mag das alles reichlich abstrakt klingen. Jost hingegen sieht die technologisch gesteuerte Küchen-Herstellung konkret vor Augen. Als Vergleich dient ihm die Automobilindustrie. «Die Autos waren vor 30 oder 40 Jahren technische Vehikel. Heute sind sie hoch technologisiert», so Jost.

Mitarbeitende als Mitunternehmer

Für den Umbruch brauche Ve­riset eine klare Strategie, sagt Jost. Und Mitarbeitende – es sind zurzeit 280, davon 150 in der in zwei vollen Schichten organisierten Produktion – , die nicht einfach ihre Arbeit erledigen, sondern mitdenken und mitentwickeln. «Unsere stärksten Konkurrenten stammen aus dem Ausland, vorab aus Deutschland. Sie haben geringere Kosten zu bewältigen als wir. Das kompensieren wir mit Mitarbeitenden, die unternehmerisch denken – egal ob sie im Lager oder der Entwicklungsabteilung tätig sind», so Jost.

Gute Erfahrungen mache er dabei mit Berufsleuten, die altersmässig die 50 schon überschritten haben. «Sie verfügen über ein grosses Hintergrundwissen und sind von A bis Z mit den Regeln der industriellen Abläufe vertraut.»

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