Cornonavirus - Arbeit

Wie die Coronakrise unsere Arbeit künftig verändern könnte

Homeoffice und Heimunterricht: Die Coronakrise hat die Arbeitswelt auf den Kopf gestellt. Christoph Maeder, Professor für Soziologie an der Pädagogischen Hochschule Zürich, glaubt, dass sich Heimarbeit dort durchsetzen wird, wo der Arbeitsort keine Rolle spielt.

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Dort, wo der Arbeitsort keine Rolle spielt, wird sich Heimarbeit durchsetzen, ist Soziologe Christoph Maeder überzeugt. (Symbolbild)

Dort, wo der Arbeitsort keine Rolle spielt, wird sich Heimarbeit durchsetzen, ist Soziologe Christoph Maeder überzeugt. (Symbolbild)

KEYSTONE/DPA-Zentralbild/JENS KALAENE

Keystone-SDA: Die Coronakrise zwingt viele von uns zu Heimarbeit und Heimunterricht. Wie viel wird davon bleiben?

Christoph Maeder: Ich gehe davon aus, dass die Digitalisierung einen grossen Schub an Legitimation erhalten hat. Bis jetzt haben zwar alle davon gesprochen, wie wichtig und notwendig sie sei, doch keiner wusste genau, was das wirklich bedeutet und wie das konkret gehen soll. Mit Heimunterricht und Heimarbeit sehen wir aber, in welche Richtung es gehen könnte.

Keystone-SDA: Was könnten Sie sich konkret vorstellen?

Maeder: Vermutlich werden jetzt Unternehmen die Vorteile der Heimarbeit am Bildschirm erkennen und versuchen, davon zu profitieren. Ich bin überzeugt, dass dort, wo Firmen einen finanziellen Nutzen realisieren können, sich die Heimarbeit durchsetzen wird. Veraltete Arbeitsstrukturen mit Präsenzpflichten in Bürofluren werden sich auflösen.

Keystone-SDA: Wo beispielsweise?

Maeder: Überall dort, wo der Arbeitsort keine Rolle spielt. In der Soziologie sprechen wir von einer fortlaufenden Enträumlichung und Entgrenzung in der Arbeitswelt.

Wenn Angestellte in einem Büro oder daheim auf einen Bildschirm schauen und damit vernetzt arbeiten, dann tun sie überall dasselbe. Der physische Ort, wo das geschieht, ist nicht mehr zentral, und es findet eine Nomadisierung der Arbeit statt. Damit können Firmen Kosten sparen, sie brauchen etwa weniger Büroräume.

Für die Arbeitnehmenden kann das eine örtliche Befreiung bedeuten. Oder auch negative Auswirkungen haben, weil ein Teil der Kosten vom Unternehmen auf sie überwälzt werden kann, indem beispielsweise nur eine Pauschale für die IT bezahlt wird.

Zudem ist bekannt, dass Menschen im Homeoffice mehr arbeiten, weil die Arbeits- und Freizeitgrenzen verwischen. Und das Unternehmen kann die Arbeitnehmenden überwachen, indem es die Zeit am Computer aufzeichnet und sie zum Beispiel nur nach diesen Zeiten entlohnt. Auf Bezahlung und Überwachung im Homeoffice muss ein Auge gehalten werden. Es wird eine Redefinition von neu auftauchenden Grenzen in der Arbeitswelt brauchen.

Keystone-SDA: Und was ist mit der Schule?

Maeder: Die Schule ist ein "Motor der Digitalisierung". Von dort kommt ein grosser Teil des Umgangs- und Anwendungswissens mit den Informationstechnologien. In der aktuellen Krise ist es überraschend und erfreulich gewesen, wie schnell an den meisten Orten die Informationstechnologien für den Heimunterricht eingesetzt werden konnten. Diese Erfahrung wird die Technisierung der Volksschule weiter vorantreiben.

Zusätzlich gibt es aber noch ein weiteres wichtiges Argument, das für eine fortschreitende Digitalisierung spricht.

Keystone-SDA: Welches?

Maeder: Das Stichwort hier ist Prävention. Neue Pandemien sind in der Zukunft nicht auszuschliessen.