SBB
Wie die SBB von ihrer Goldgrube Immobilien profitieren

Die SBB sind nicht nur das grösste Transportunternehmen der Schweiz, sondern auch eine der bedeutendsten Immobilienfirmen. Die Bundesbahnen besitzen rund 4000 Grundstücke, auf denen 3500 Gebäude stehen.

Thomas Schlittler
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Europaallee vor einem Jahr: Inzwischen kassieren SBB Mietzinse.

Europaallee vor einem Jahr: Inzwischen kassieren SBB Mietzinse.

Keystone

Diese Areale versucht SBB Immobilien weiterzuentwickeln, und so die Ertragskraft der SBB zu verbessern. Ein Beispiel ist die Europaallee beim Hauptbahnhof Zürich: Dort wurden Ende September 2012 die ersten Büro- und Ladenflächen bezogen, was den SBB zusätzliche Mieterträge einbringt.
2012 stiegen die Mieterträge Dritter um 16,3 Prozent auf 379 Millionen Franken. Unter dem Strich blieben 192 Franken Millionen Franken, die für den Gesamtkonzern zur Verfügung standen. Damit wurde das Ergebnis wie schon in den Vorjahren verbessert. SBB-Chef Andreas Meyer zeigt sich gegenüber der «Nordwestschweiz» überzeugt davon, dass das Segment Immobilien in Zukunft noch wichtiger werden wird: «Wir partizipieren an den Frequenzsteigerungen, die wir um unsere Bahnhöfe herum haben.»
Die sprudelnde Einnahmequelle ist für das Unternehmen von grosser Bedeutung: «SBB Immobilien trägt ganz wesentlich dazu bei, dass das Bahnsystem insgesamt finanziell im Gleichgewicht bleiben kann», so Meyer gestern an der Jahresmedienkonferenz in Zürich. Mit dem erwirtschafteten Überschuss hat der Bereich wie schon im Vorjahr 150 Millionen Franken Ausgleichszahlungen an die SBB-Infrastruktur vorgenommen. Der restliche Gewinn ging an die Sanierung der Pensionskasse. «Damit werden die öffentliche Hand und die Kundinnen und Kunden der Bahninfrastruktur entlastet», schreiben die Bundesbahnen im Geschäftsbericht.
Cargo weiter in den roten Zahlen
Der erfolgreichen Immobiliensparte zum Trotz: Die SBB sind finanziell nach wie vor nicht auf Rosen gebettet. Obwohl sich 2012 die Leistungen der öffentlichen Hand für die SBB um 162 Millionen auf 3109 Millionen Franken erhöht haben, ist das Betriebsergebnis (Ebit) wegen sinkender Passagierzahlen und höherer Trasseepreise - die Gebühren für die Benützung des Schienennetzes - etwas schlechter ausgefallen als im Vorjahr. Das Konzernergebnis hat sich dennoch um 24,7 Prozent auf 423 Millionen Franken verbessert. Diese Steigerung ist jedoch nicht nachhaltig, denn sie ist eine Folge von aufgelösten Rückstellungen und einmaligen Effekten wie Währungsgewinnen, tieferem Zinsaufwand und der besseren Marktbewertung von Wertpapieren.
Das grösste Sorgenkind bleibt der Güterverkehr. Die Sparte hat sich laut Meyer zwar «wacker geschlagen», aber trotzdem ein Defizit von 51 Millionen Franken eingefahren. «Zu schaffen gemacht haben SBB Cargo die europaweite Konjunkturschwäche und der Abbau von Industriekapazitäten in der Schweiz», so Meyer. Namentlich nannte er die Papier- und Metallindustrie. Dennoch bleibt der CEO optimistisch, dass die ersehnte schwarze Null bis Ende Jahr erreicht werden kann: «Mit dem Sanierungsprogramm, das aufgesetzt worden ist, sieht es recht gut aus für 2013.» Die Frage, was passieren soll, falls der Turnaround misslingt, wollte Meyer nicht konkret beantworten. Vor einem Jahr war er noch mutiger. Damals sagte er, dass man dann auch über eine Reduzierung oder einen Verkauf nachdenken müsse.
Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV hält nichts von Meyers Massnahmen: «Der Güterverkehr hat sich einmal mehr mit Restrukturierungskosten selbst tief in die roten Zahlen gesteuert.» Würde sich SBB Cargo darum kümmern, vermehrt Güter auf die Schiene zu holen, statt sich dauernd mit dem eigenen Abbau zu beschäftigen, wären schwarze Zahlen längst denkbar, schreibt der SEV in einer Mitteilung.