az-Serie Teil 7
Wie es chic bleibt, ein Schweizer Konto zu haben

War die Schweiz früher vor allem wegen ihrer Vielfalt an Geldhäusern (Privatbanken, Genossenschaften, Staatsinstitute, Grossbanken etc.) attraktiv, so rücken nun das Angebot und die fachliche Kompetenz in den Vordergrund, schreibt unser Autor.

Claude Baumann*
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Claude Baumann

Claude Baumann

«Basel III», «Too-big-to-fail» und «Swiss Finish»: Diese Begriffe dominieren derzeit die Agenda der Schweizer Bankbranche. So intensiv die Diskussion auch geführt wird, für die Zukunft des Finanzplatzes sind noch einige andere Aspekte von Belang. Zum Beispiel das Bankgeheimnis.

Denn seit die Schweiz das OECD-Musterabkommen Art. 26 anerkannt hat, können sich die Banken nicht länger darauf kaprizieren, ausländischen Kunden bei der Steuerhinterziehung zu helfen. Vielmehr sind sie gezwungen, die künftig ausbleibenden Erträge aus dem grenzüberschreitenden Geschäft in Europa mit anderen Einnahmen zu kompensieren. Darin liegt die grösste Herausforderung für den hiesigen Finanzplatz.

Gefragt sind daher andere Geschäftsmodelle, die vermehrt das fachliche Know-how unter Beweis stellen statt nur die Fähigkeit, Schwarzgeld zu horten. Handlungsbedarf besteht auch noch aus einem anderen Grund: Gerade weil viele Bankkunden im Verlauf der Finanzkrise enorme Verluste in ihren Portefeuilles erlitten, setzen sie nun andere Prioritäten in Geldangelegenheiten. Jetzt geht es ihnen um Kapitalerhalt, Transparenz und Ehrlichkeit statt um exotische Produkte, Tricks bei der Steueroptimierung oder opulente Lunchs mit selbstverliebten Kundenbetreuern.

Unter diesen Prämissen ist es matchentscheidend, wie sich die Schweizer Banken in den nächsten Jahren neu aufstellen. Je schneller und effektiver sie das tun, desto eher werden sie ihre Kundengelder behalten und idealerweise noch vermehren können. Misslingt jedoch die Mission, droht der Exodus von Klientel und Kapital, zumal der Wettbewerb unter den Finanzplätzen knallhart ist, wie das Beispiel Singapur zeigt.

Bereits deuten einige Finanzhäuser an, wie Swiss Banking 2.0 beschaffen sein könnte. Die Basler Bank Sarasin etwa setzt ihre Prioritäten auf das Thema Nachhaltigkeit. Sei es in der Anlagestrategie, beim Produktangebot oder im Umgang mit dem Personal. Immer steht das Prinzip der Beständigkeit, der Transparenz und der Glaubwürdigkeit im Zentrum. Inwieweit sich dieser Ansatz bei der Klientel durchsetzt, bleibt abzuwarten. Sicher ist aber, dass sich das Basler Traditionshaus damit weltweit von der Konkurrenz unterscheidet.

Einen anderen Weg geht die St.Galler Privatbank Wegelin. Im Windschatten der Empörung über die abgehobenen Grossbanken-Manager und den Milliardenverlusten der UBS im amerikanischen Investmentbanking stellt das Institut seine Schweizer Wurzeln und Tugenden in den Vordergrund. Die Bank signalisiert damit eine Bodenständigkeit, die offenbar ankommt und ebenfalls zur Differenzierung beiträgt.

Die Zukunft gehört auch jenen Geldhäusern, die sich auf eine Nische spezialisieren, wie die Banque Privée Edmond de Rothschild in Genf. Sie befasst sich seit vierzig Jahren mit Hedge Funds. Dadurch verfügt sie über einen Erfahrungsvorsprung, der weitere Innovationen deutlich erleichtert. Ein interessantes Betätigungsfeld kann auch der Fokus auf bestimmte Kundengruppen sein. Etwa auf Unternehmer, handelt es sich doch dabei um eine Klientel, die vermögend ist, oft aber wenig Zeit hat, um sich ums Geld zu kümmern. Zudem haben Entrepreneurs wegen ihrer Tätigkeit spezifische Finanzierungsbedürfnisse. Vor diesem Hintergrund sind Bankiers wie Thomas Matter oder Reto Ringger daran, solche Geldhäuser
zu gründen.

Profilierungsmöglichkeiten haben auch Institute, die ihre Leistungspalette über Kooperationen ausbauen. Der Schulterschluss der Raiffeisen-Gruppe mit der Privatbank Vontobel ist ein Beispiel
für den koordinierten Vertrieb von Finanzprodukten. In die gleiche Richtung zielt die Zusammenarbeit der Valiant-Regionalbanken-Gruppe mit der Genfer Privatbank Lombard Odier.

War die Schweiz früher vor allem wegen ihrer Vielfalt an Geldhäusern (Privatbanken, Genossenschaften, Staatsinstitute, Grossbanken etc.) attraktiv, so rücken nun das Angebot und die fachliche Kompetenz in den Vordergrund. Nur so hat der Finanzplatz Schweiz denn auch eine reelle Chance, sich im Standortwettbewerb und gegen den unverminderten politischen Druck aus dem Ausland zu behaupten. Schliesslich soll es «chic» bleiben, ein Konto in der Schweiz zu haben – nicht, um Steuern zu hinterziehen, sondern, weil die hiesigen Bankiers die besten der Welt sind.

Claude Baumann ist Finanzjournalist und Autor des Buches «Swiss Banking – wie weiter?». Zudem ist er Mitbegründer des Finanzportals «finews.ch»