Wie Migros Luzern und Bäckerei Hug Lebensmittelverschwendung bekämpfen

Migros Luzern und Bäckerei Hug machen gute Erfahrungen mit der App «Too Good To Go». Coop ist hingegen noch zurückhaltend.

Gabriela Jordan und Maurizio Minetti
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Rund ein Drittel aller Lebensmittel werden in der Schweiz weggeworfen.

Rund ein Drittel aller Lebensmittel werden in der Schweiz weggeworfen.

Bild: Adriana Ortiz Cardozo

Übrig gebliebene Speisen in Restaurants, Bäckereien oder Supermärkten per App reservieren und vor Ladenschluss vergünstigt abholen – so funktioniert die 2015 gegründete App «Too Good To Go». Mit diesem Konzept gegen Lebensmittelverschwendung haben die Gründer aus Dänemark den Nerv der Zeit getroffen. Mittlerweile können Kunden auf diese Weise in 14 europäischen Ländern und in insgesamt 36000 gastronomischen Betrieben Essen vor dem Abfalleimer retten.

Auch in der Schweiz ist das Angebot beliebt. Laut Webseite gibt es derzeit fast 2000 Partnerbetriebe. Unter ihnen ist auch die Migros, welche die Partnerschaft mit der App nun auf sämtliche Regionen in der Schweiz ausweitet. Bislang war das Angebot in der Genossenschaft Luzern und in einigen Filialen der Genossenschaften Zürich, Basel und Waadt verfügbar. «Die Rückmeldungen auf Kundenseite sind sehr positiv und das Angebot wird geschätzt», sagt eine Sprecherin der Migros Luzern. Je nach Standort bietet die Migros Luzern pro Tag bis zu fünf Portionen an. Insgesamt sind es rund 500 Portionen pro Woche, die gesamthaft in allen Filialen der Migros Luzern verkauft werden.

«Es ist eine sehr sinnvolle und innovative Ergänzung, um Lebensmittelverluste so tief wie möglich zu halten. Zudem sprechen wir mit der App eine zusätzliche Zielgruppe an und können sie für einen Einkauf bei der ­Migros motivieren», so die Migros-Luzern-Sprecherin.

Gute Erfahrungen mit der App hat auch die Luzerner Bäckerei Hug gemacht. Geschäftsleiter Marcel Steger sagt, man habe seit Juli 2017 über 18000 Pakete «gerettet» beziehungsweise verkauft. Mittlerweile machen alle Hug-Filialen mit. «Wir erreichen mit der App eine zusätzliche Kundschaft und können auch unseren Beitrag gegen Food Waste leisten», sagt Steger. Die Zusammenarbeit mit Too Good To Go sei aber nur eine der vielen Massnahmen der Bäckerei Hug gegen Food Waste.

Coop hingegen hat abgesehen vom Karma-Store in Zug die App nicht eingeführt. «Wir unternehmen aber generell sehr viel, um Food Waste zu vermeiden. Coop ist zum Beispiel seit vielen Jahren die grösste Spenderin von Lebensmitteln an die Organisationen Tischlein deck dich und Schweizer Tafel, die garantieren, dass die Spenden tatsächlich bei denen ankommen, die sie benötigen», sagt eine Coop-Sprecherin.

Eigener Laden am Zürcher Hauptbahnhof

Ihr ambitioniertes Ziel, bis Ende 2019 schweizweit mit 3000 Partnern zusammenzuarbeiten, hat die Firma hinter Too Good To Go nicht erreicht. Dennoch zeigt sie sich optimistisch. Im Schweizer Markt gebe es noch grosses Wachstumspotenzial, heisst es. Pro Transaktion erhält Too Good To Go eine Kommission. In der Schweiz betrug diese laut der «Handelszeitung» im Oktober 2,90 Franken, in anderen europäischen Ländern lag sie im Schnitt bei 1,19 Euro. «Wir verstehen uns als Bewegung, bei der Profit nicht im Vordergrund steht», sagt eine Sprecherin.

Too Good To Go verfolgt eigenen Angaben zufolge das Ziel, die globale Lebensmittelverschwendung zu senken und die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren. Dafür will die Firma am Zürcher Hauptbahnhof einen Laden eröffnen. Dort sollen etwa Vorträge veranstaltet werden. Über mögliche Räumlichkeiten sei die Firma mit den SBB im Gespräch. Einen Too-Good-To-Go-Laden gibt es bereits in Kopenhagen. Die dänische Firma plant darüber hinaus den Sprung in die USA. Dort werden Statistiken zufolge 40 Prozent aller Lebensmittel weggeworfen. In der Schweiz sind es rund 30 Prozent.