Steuern
Wie reiche Politikerfamilien im Ausland legal ihre Steuern optimieren

Als Johann Schneider-Ammann noch nicht Bundesrat war, optimierte er für sein Unternehmen in Jersey Steuern. Die Ammann Gruppe ist kein Einzelfall. Viele globale Schweizer und ausländische Konzerne machen das. Im Kanton Bern sind es über 150.

Roman Seiler
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Johann Schneider-Ammann 2008 im Hauptsitz der Ammann Gruppe in Langenthal. (Archiv)

Johann Schneider-Ammann 2008 im Hauptsitz der Ammann Gruppe in Langenthal. (Archiv)

Keystone

Die Summe lässt aufhorchen: Die in Langenthal BE domizilierte Ammann Gruppe parkierte zwischen 1996 und 2009 bis zu 263,5 Millionen Franken in der Jerfin Limited auf Jersey. Dies berichtete die «Rundschau» des Schweizer Radios und Fernsehens.

Die Baumaschinenproduzentin führte bis zu seiner Wahl in den Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Der Transfer der Vermögenswerte in die Steueroase im Ärmelkanal diente der Steueroptimierung. Es sei die Pflicht der Unternehmensleitung, zu sparen, hielt die Ammann Gruppe schriftlich fest, um das Geld unternehmerischen Zwecken zukommen zu lassen: «Für das Unternehmen sind Steuern Kosten.»

Der freisinnige Wirtschaftsminister Schneider-Ammann schrieb: «Die zuständigen Steuerverwaltungen und die Prüfgesellschaften waren jederzeit und vollständig informiert. Alle Gesetze wurden eingehalten.» 2009 habe er die Rückführung der Vermögenswerte eingeleitet und abgeschlossen: «Dies geschah in voller Transparenz gegenüber den Steuerbehörden.»

2009 wurden die Vermögenswerte in die Afinsa AG mit Sitz in Bern überführt, eine Domizilgesellschaft. Das sind nicht produzierende Handels- oder Vertriebsgesellschaften, sagt Patrick Burgy, Steuerexperte des Beratungsunternehmens KPMG. Die EU verlangt, dass solche steuerprivilegierten Firmen verboten werden. Domizil- oder Holdinggesellschaften zahlen auf im Ausland erzielten Gewinnen tiefere Kantonssteuern als auf im Inland erwirtschafteten. Zudem ist die steuerliche Belastung auf dem Kapital tiefer.

Nur: Viele globale Schweizer und ausländische Konzerne optimieren laut Burgy auf diese Weise ihre Steuerbelastung. Allein im Kanton Bern existieren laut Steuerverwaltung «159 Domizil- oder gemischte Domizilgesellschaften».

Blochers haben Holding in Zug

Auch Privatpersonen gründen Firmen, in die sie Beteiligungen einbringen. Ein Beispiel: Der Unternehmer und SVP-Vordenker Christoph Blocher gründete 1994 in der Steueroase Zug die Emesta Holding. Heute gehört diese seinen drei Töchtern. Die Emesta hält eine Beteiligung an der EMS Chemie von 61 Prozent. Die Dividende auf diesen Titeln belief sich 2012 auf 140 Millionen Franken.

Laut Burgy ist der Vorteil einer solchen Struktur, dass der Teil der Dividendenerträge, der in der Beteiligungsgesellschaft verbleibt, zu einem sehr attraktiven, sprich tiefen Satz besteuert wird. Daher stehen mehr Mittel für die Wiederanlage zur Verfügung. Fliessen solche Erträge direkt als Einkommen zu den Aktienbesitzern, beläuft sich der Steuersatz auf bis zu 33 Prozent.