Wie Roche in Rotkreuz und B.Braun in Sempach den Corona-Virus bekämpfen

In Zug produziert Roche Geräte für schnellere Corona-Tests. Der Desinfektionsmittel-Hersteller B.Braun in Sempach kann derweil nicht alle Kunden beliefern.

Maurizio Minetti
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Roche-Mitarbeitende in Rotkreuz bei der Fertigung der Cobas-Systeme.

Roche-Mitarbeitende in Rotkreuz bei der Fertigung der Cobas-Systeme.

Bild: Roche

Der Pharmakonzern Roche vermeldete am Freitag einen Durchbruch: Man habe von der US-Zulassungsbehörde die Genehmigung für einen Corona-Virus-Test bekommen. Der Test läuft auf den weitgehend autonomen Cobas-Geräten, die schon heute in den Spitälern und Labors stehen. Das System Cobas 6800 sei neu in der Lage, 1440 Tests pro Tag durchzuführen, bei Cobas 8800 liege die Kapazität bei 4128 Patienten pro Tag. Die Diagnostiksysteme sollen Testergebnisse in dreieinhalb Stunden ermöglichen; bislang dauerte es doppelt so lange. Gegenüber der «Handelszeitung» sprach Roche-Chef Severin Schwan von einem «Quantensprung gegenüber früheren Test-Verfahren». Der Test soll in den USA und in Europa verfügbar sein.

Dieser Meilenstein ist auch ein Erfolg für Roche Diagnostics International mit Hauptsitz in Rotkreuz. Roche produziert hier Geräte für die Analyse von Blut, Urin oder Gewebe. Roche-Sprecherin Karin Freyenmuth sagt, der Test selber sei in Kalifornien entwickelt worden und werde nun in New Jersey hergestellt. Die Systeme, auf denen dieser Test ausgeführt wird, werden aber in Rotkreuz produziert.

Neben Roche gibt es weitere Firmen aus der Zentralschweiz, deren Produkte eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Corona-Virus spielen. So stellt B.Braun Medical in Sempach Händedesinfektionsmittel für professionellen Anwender im Gesundheitswesen her. Wie bekannt, ist die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln derzeit riesig. Auf Anfrage heisst es, dass für die meisten Produkte die Versorgung der bestehenden Kunden und Märkte sichergestellt sei. Man habe die Produktion von Desinfektionsmitteln nochmals um 20 Prozent erhöht. Die hohe Nachfrage kann B.Braun damit aber nicht komplett befriedigen. B.Braun schreibt in einer Stellungnahme, es könne derzeit dazu kommen, «dass wir nicht alle Aufträge bedienen oder nur eine spätere Lieferung anbieten können». Beim Luzerner Kantonsspital gibt es derzeit genügend Desinfektionsmittel, heisst es auf Anfrage. Schwieriger wird es für selbstständige Ärzte. Eine Luzerner Ärztin sagt im Gespräch mit unserer Zeitung, sie werde von den Grossisten nicht mehr mit B.-Braun-Desinfektionsmitteln beliefert, sie habe nun über Umwege überteuerte Produkte kaufen müssen. Die Ärztin stört sich vor allem daran, dass B.Braun Desinfektionsmittel ins Ausland liefert, während in der Schweiz nicht alle Kunden beliefert werden können. Tatsächlich gehen die Lieferungen von B.Braun auch an das Mutterhaus in Deutschland zur weiteren Distribution. In dieser globalen Produktionsplanung sei die Schweiz «selbstverständlich als wichtiges Land definiert», so B.Braun.

Nachbarländer blockieren Medizinprodukte-Importe

Hinzu kommt, dass – während ein wichtiger Schweizer Player wie B.Braun problemlos Ware ins Ausland exportieren kann – unsere Nachbarländer Importe von Medizinalprodukten in die Schweiz blockieren. So wurde bis vor kurzem ein Container mit Schutzhandschuhen in einem Hamburger Zollfreilager zurückgehalten. Nach einer Aussprache auf Regierungsebene konnte die Lieferung aus Deutschland ausgelöst werden. Hintergrund war, dass die deutschen Behörden am 4. März ein generelles Ausfuhrverbot für bestimmte medizinische Schutzausrüstungen erlassen haben.

Nach wie vor blockiert sind aber Lieferungen aus Frankreich und Italien, wie es beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) auf Anfrage heisst. Man habe Kenntnis davon, dass eine private Schweizer Firma zurzeit keine Schutzmasken aus ihrem französischen Lager in die Schweiz importieren könne. Ausserdem werde auch an der italienischen Grenze ein Import von Desinfektionsmitteln blockiert. Auch in diesen beiden Fällen laufen nun Gespräche auf Regierungsebene.