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Wie sich die Zentralschweiz in Bern noch besser verkaufen könnte

Wie gut lobbyiert der Wirtschaftsstandort Zentralschweiz in Bundesbern? Dieser Frage ging am Mittwoch das Zentralschweizer Wirtschaftsforum auf den Grund.
Gregory Remez
Nahmen am Eröffnungspodium im Pilatus Business Center teil (von links): Chefredaktor der «Luzerner Zeitung» und Moderator, Jérôme Martinu, Bauernverbands­präsident Markus Ritter, Luzerner Ständerat Konrad Graber und Konferenzsekretär der Zentralschweizer Regierungskonferenz, Beat Hensler. (Bild: Pius Amrein)

Nahmen am Eröffnungspodium im Pilatus Business Center teil (von links): Chefredaktor der «Luzerner Zeitung» und Moderator, Jérôme Martinu, Bauernverbands­präsident Markus Ritter, Luzerner Ständerat Konrad Graber und Konferenzsekretär der Zentralschweizer Regierungskonferenz, Beat Hensler. (Bild: Pius Amrein)

Die Zentralschweiz besser verkaufen. So lautete das Thema des diesjährigen Zentralschweizer Wirtschaftsforums, zu dem die Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz (IHZ) am Mittwoch bereits zum neunten Mal auf den Pilatus lud. Was nach Ausverkauf klingt, meint eigentlich die Vermarktung der Zentralschweiz als florierende Wirtschaftsregion – im Rest des Landes, allen voran in Bundesbern, und über die Landesgrenzen hin­aus.

«Wir verkaufen eine ganze Wirtschaftsregion, damit sich neue Firmen hier ansiedeln. Wir verkaufen einen Arbeitsmarkt, um neue Talente anzulocken. Wir verkaufen aber auch eine liberale Wirtschaftseinstellung, einen Mindset für wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen, und dies nicht nur den Politikern gegenüber, sondern an die gesamte Gesellschaft», heisst es in einer Passage der Veranstaltungsbroschüre, die IHZ-Präsident Andreas Ruch am Mittwoch in seiner Eröffnungsrede paraphrasierte.

«Die Fakten müssen überzeugen, sonst nützt der beste Lobbyist nichts»: Konrad Graber, Ständerat (CVP/LU)

Und so stand die neunte Auflage des Forums, das mit 240 geladenen Gästen erneut ausgebucht war, ganz im Zeichen der Frage: Wie gut schlägt sich die Zentralschweiz im Wettbewerb mit anderen Schweizer Regionen – als Wirtschaftsstandort, als Arbeitsmarkt, als Tourismusdestination?

In Bern zu wenig wahrgenommen

Sich besser zu verkaufen, heisst vor allem, sich gegen andere durchzusetzen. Im Zusammenhang mit der Zentralschweiz wurde dabei zuletzt immer wieder der Vorwurf geäussert, sie würde in Bundesbern zu wenig wahrgenommen.

Im Eröffnungspodium sollte deshalb unter anderem auch erörtert werden, wie gut die Zusammenarbeit zwischen der Zentralschweizer Wirtschaft und der Politik funktioniert, und wie die Interessen der hiesigen Wirtschaft die Entscheide in Bern beeinflussen. In anderen Worten: Betreibt die Zentralschweiz genug Lobbying, um ihre Interessen in Bern durchzusetzen? Oder hätten etwa die letzten Bundesratswahlen oder das Durchgangsbahnhofprojekt besser laufen müssen?

Angeregt diskutierten der Luzerner CVP-Ständerat Konrad Graber, der Bauernverbandspräsident und St.Galler CVP-Nationalrat Markus Ritter sowie der Konferenzsekretär der Zentralschweizer Regierungskonferenz, Beat Hensler, über mögliche politische Mittel im Wettbewerb der Regionen.

Dass man dabei mit Markus Ritter nicht nur einen auswärtigen Politiker eingeladen hatte, sondern auch einen, der in Bern als schaurig gut vernetzt und gemeinhin als einer der mächtigsten Lobbyisten des Landes gilt, verlieh der Debatte, die vom LZ-Chefredaktor Jérôme Martinu moderiert wurde, die nötige Würze. Ein Schönheitsfehler: Da auch Hensler der CVP angehört, waren die Christdemokraten dabei quasi unter sich.

In der Diskussion vermochte der Bauernpräsident das Publikum mit seinen Pointen, vorgetragen in seiner unverwechselbaren, leicht knarzenden Diktion, zugleich zu amüsieren wie zu erstaunen. «In Bern läuft es so: Nicht der Grosse frisst den Kleinen, sondern der Schnelle den Langsamen.»

Angesprochen darauf, was denn Zentralschweizer Unternehmer von den in Bern überaus gut vertretenen Bauern lernen könnten, entgegnete Ritter: «Die Bauern sind viel stärker politisiert als Unternehmer. Die Kunst in der Politik ist es, sich zum richtigen Zeitpunkt zu Wort zu melden. Das hat weniger mit Lobbying als mit schneller Informationsverarbeitung zu tun.»

Parlamentarier als Lobbyisten

Einen etwas zurückhaltenderen Tonfall wählten die beiden anderen Podiumsteilnehmer. Sowohl Konrad Graber als auch Beat Hensler verwiesen in ihren Beiträgen auf die Macht der Fakten und des besseren Sacharguments, gegen die auch der beste Lobbyist nicht ankomme. Ohnehin sei es so, dass «heute 99 Prozent der Geschäfte in Kommissionen erledigt werden und nur 1 Prozent in Gesprächen links und rechts, da bleibt die Chance zur Beeinflussung gering», erläuterte Graber, um anzufügen: «Ich habe mich zehn Jahre lang mit dem Durchgangsbahnhof beschäftigt. Zu Beginn fragten sich die Leute, wieso ausgerechnet Luzern einen solchen brauche. Erst nach Jahren der Arbeit kam das Projekt ins Rollen. Deshalb bin ich überzeugt: Die Fakten müssen überzeugen, sonst nützt der beste Lobbyist nichts.»

Ähnlich äusserte sich Konferenzsekretär Beat Hensler. «Wir sind halt keine Region, welche die Flure in Bern mit Lobbyisten füllt. Für uns sind unsere Parlamentarier unsere Lobbyisten. Das heisst nicht, dass wir nicht auch mal einen Bundesrat anrufen, aber der Griff zum Hörer ist bei uns nicht der erste Schritt.»

Auf die Frage, was denn die Zentralschweiz in Zukunft besser machen könnte, kam wieder­um Ritters Aussensicht gelegen, der zum Podiumsende ebenfalls auf die Parlamentarier zu sprechen kam. «Der Informationsfluss zwischen kantonalen und Bundespolitikern sollte in beide Richtungen verlaufen. So täten auch Nationalräte und Ständeräte aus der Zentralschweiz gut daran, Informationen an ihre kantonalen Kollegen weiterzugeben. Denn, wie gesagt, heute musst du in der Politik brutal schnell sein.»

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