Plattform
Wie Siroop den Onlinehandel aufmischen will

Der Name des Online-Marktplatzes erinnert an das beliebte Kindergetränk – mit Nahrungsmitteln hat die Plattform aber noch nichts am Hut.

Lina Giusto
Drucken
Teilen
Das Online-Portal Siroop hat einen farbigen und verspielten Webauftritt.

Das Online-Portal Siroop hat einen farbigen und verspielten Webauftritt.

Siroop, der neue Online-Marktplatz des Detailhändlers Coop und des Telekomunternehmens Swisscom, ist seit gestern online. Gehandelt wird auf dem virtuellen Marktplatz vieles – von Elektronik, über Spielsachen, hin zu Schmuck oder Kosmetik - aber, anders als das der Name zunächst suggeriert, keine Nahrungsmittel. Zumindest noch nicht, wie Siroop in einer Mitteilung schreibt.

Der Webauftritt kommt farbig und verspielt daher. Per Du ist man mit dem Kunden gleich von Beginn weg. Die Plattform will die neue Adresse Einkaufshaus im Internet sein. Das Sortiment umfasst rund 200 000 Artikel und unterscheidet sich in der Handhabe kaum von jenem des grossen Vorbilds Amazon. «Wir wollen die Digitalisierung der Schweiz vorantreiben», sagt Constantin Hilt, CEO des Jungunternehmens mit Sitz in Zürich.

Die Händler, die ihre Artikel online anbieten, stammen allesamt aus der Schweiz. Aktuell gehören fünf der 90 Händler auf Siroop zur Coop-Gruppe. Unter den grossen Firmen, die ihre Waren auch auf Siroop feilhalten ist das Berner Warenhaus Loeb oder der Onlinehändler Brack.ch. Der Versand via Postweg oder über verschiedene «Pick-up»-Standorte in einem stationären Geschäft ist gratis. Auf der Homepage von Siroop sind rund 69 Abhol- und Rückgabestationen aufgelistet. Diese Vertreter sind derzeit mehrheitlich Firmen die zur Coop-Gruppe gehören. Den Service können die Händler jedoch freiwillig in ihrem Geschäft anbieten.

Nischenhändler im Internet

Eine weitere Besonderheit des virtuellen Marktplatzes — etwa im Vergleich zu Amazon — sind kleine, lokale Anbieter aus den Regionen Bern, Basel und Zürich. So bietet etwa auch die Leinenweberei Bern, ein Familienunternehmen aus der Bundesstadt, ihre Textilien an. Auch Foto Video Zumstein, ein 80-jährige Fotografie-Firma aus Bern, ist mit dabei. Dem neuen Onlinehändler ist es offenbar wichtig, lokale Unternehmen, die bis anhin ihre Ware nicht im Internet anbieten, näher an den Kunden zu bringen. Verkauft werden die Artikel gegen Abgabe einer Kommission. Diese liegt für Elektronikware bei sechs, für alle anderen Produkte bei 9,9 Prozent.

Schwacher Start ins Jahr

Der Neuling Siroop tritt relativ spät in einen hart umkämpften Markt ein. Migros ist mit Digitec und LeShop schon heute stark unterwegs. Zudem befindet sich der Fashion-Online-Markt in der Schweiz bis zu 75 Prozent in ausländischen Händen, wie Thomas Lang, Geschäftsführer von Carpathia, einer Unternehmensberatung für E-Commerce in seiner jüngsten Analyse schreibt. Zumindest wächst der Onlinehandel noch. Im Vergleich zu deutschen Umsatzzahlen sei dieses Wachstum jedoch moderat: 2015 waren es 8,7 Prozent. In Deutschland stiegen allein schon die Umsätze von Amazon und Zalando in diesem Jahr um über 20 Prozent.

Im Bereich Multimedia und Elektronik sind die Verkäufe auch in der Schweiz stabil. Gerade dieser Bereich sei in der Schweiz gegenüber dem Einkaufstourismus besonders widerstandsfähig, schreibt Lang. Überraschend sind auch die starken Zunahmen im Bereich Uhren und Schmuck. Das Wachstum liegt hier schon jetzt rund 20 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Online-Handel hat Fieber

Dagegen dümpeln Bestellungen für Freizeitartikel und Spielwaren auf relativ tiefem Niveau. Dies hat laut Lang damit zu tun, dass auch hier starke Online-Händler aus dem Ausland das Feld besetzen. Der Lebensmittelbereich verspricht jedoch ein moderates bis starkes Wachstum.

Der Verband des Schweizerischen Versandhandels sieht die Lage nicht so rosig. Er spricht von einem durchzogenen ersten Quartal 2016: «Der Gesamtumsatz von 3,6 Milliarden Franken gilt als Fieberthermometer der Online-Handels-Branche.»