Stadtmarketing
Wie viel Marketing braucht es?

Stadtrat Reto Müller will vom Gemeinderat wissen, was dieser in der neuen Legislatur unter Stadtmarketing versteht. Fazit: Standortfördernde Aktivitäten seien notwendig, und es gebe noch Potenzial.

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Solothurner Zeitung

Tobias Granwehr

Noch Stadt- und bald Gemeinderat Reto Müller (SP) drückt in einer im März eingereichten Interpellation ein ungutes Gefühl aus: «Einige städtische Vereine nahmen in vergangener Zeit in Anspruch, von der Stadt wegen guter Leistungen Unterstützung zugute zu haben.» Es scheine deshalb ein wenig so, dass der Gemeinderat im Bereich Stadtmarketing nachträglich belohne, anstatt die Stadt voranzutreiben und zu promovieren, schreibt Müller.

Der Gemeinderat hält zum Stadtmarketing grundsätzlich fest: Innerhalb der Verwaltung fehle es in weiten Teilen an den nötigen Ressourcen und Kompetenzen. Trotzdem sei in der Vergangenheit auch einiges erreicht worden - zum Beispiel das städtische «corporate identity» oder verschiedene Anlässe mit Promotionswirkung. «Der Stadtpräsident und der Gemeinderat stellten und stellen die Stadt zudem bei jeder sich bietenden Möglichkeit in ein optimales Licht», schreibt der Rat in der Interpellationsantwort.

Schwerpunkt Design

Müller will in der Interpellation weiter wissen: Was versteht die Stadtregierung in der neuen Legislatur unter Stadtmarketing? «Der Rat ist sich einig: Standortfördernde Aktivitäten und Massnahmen sind notwendig», schreibt er. Der angestrebte Schwerpunkt der Bemühungen: «Das Wiederaufleben der Identifikation der Stadt mit dem Design-Gedanken.»

Daneben gehörten im Verständnis des Gemeinderates zum Standortmarketing alle Massnahmen, welche die Positionierung der Stadt fördern. Der Gemeinderat sei ebenfalls mit dem Interpellanten der Ansicht, dass die Unterstützung von Vereinen eine Massnahme des Standortmarketings sei. Allerdings nicht als allgemein gültige Definition in einem Reglement. Die Regierung will vielmehr - wie bisher - jede Situation einzeln beurteilen.

Aus der Interpellationsantwort sind auch die Ausgaben der Stadt im Bereich Marketing aus den Jahren 2006 bis 2008 ersichtlich. Dabei steigerte sich der Posten von 87 700 Franken (2006) auf knapp 150 000 Franken (2007) bis zu fast 300 000 Franken im vergangenen Jahr. Wobei allein das Public Viewing während der Euro 08 sowie der Pestalozzi-Anlass über 160 000 Franken kosteten.

Kein Gesamtkonzept

Müller stellt in seiner Interpellation fest: Auf der städtischen Homepage sei bis vor kurzem zu lesen gewesen, dass Vorarbeiten für ein Gesamtkonzept Stadtmarketing im Gang seien. Laut Gemeinderat wurde dieses Konzept nicht erarbeitet, da fachliche, personelle und finanzielle Ressourcen dazu nicht vorhanden seien. «Deshalb wurden die völlig veralteten Aussagen im Bereich Stadtmarketing inzwischen von der Homepage entfernt.»

Ein Thema der Interpellation ist auch die Homepage Langenthals: «Wie gedenkt der Gemeinderat die Stadtwebseite aktuell zu halten oder sogar zu erneuern?», fragt Müller. Die städtische Webseite werde grundlegend erneuert und noch dieses Jahr aufgeschaltet, schreibt die Stadtregierung (wir berichteten). Ein wesentliches Projektziel sei der Ausbau des Angebotes in Richtung Bürgernähe. Allgemein schreibt der Gemeinderat in der Antwort: «Es sind bezüglich Stadtmarketing erfreuliche Ansätze vorhanden.» Es gebe aber noch viel nicht ausgeschöpftes Potenzial.