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Devisen: Schwellenländer sind unter Druck

Die Währungen vieler Schwellenländer stehen unter zunehmendem Abwertungsdruck. Das birgt auch Gefahren für die alten Industrieländer.
Daniel Zulauf
Der argentinische Peso verliert immer mehr an Wert im Vergleich zum US-Dollar. Bild: Jorge Saenz/AP (Buenos Aires, 29. Juni 2018)

Der argentinische Peso verliert immer mehr an Wert im Vergleich zum US-Dollar. Bild: Jorge Saenz/AP (Buenos Aires, 29. Juni 2018)

An den Finanzmärkten wächst die Nervosität. Rund um die Welt geraten Währungen grosser Schwellenländer unter zunehmenden Abwertungsdruck. Amerikanische, europäische, aber auch lokale Investoren, die es im Lauf der vergangenen zwei Dekaden zu Wohlstand ­gebracht haben, verschieben ihr Kapital aus Ländern wie Argentinien, Brasilien, Türkei in andere Regionen mit wirtschaftlich besseren Perspektiven. Meistens wird das Geld in Dollar umgetauscht, wie die Entwicklung der Wechselkurse deutlich zeigt: Der argentinische Peso hat allein in den vergangenen drei Monaten mehr als 50 Prozent auf die US-Valuta verloren.

Auch der Kurs der türkischen Lira kennt seit Monaten nur noch eine Richtung – abwärts. Die ­Liste der Krisenherde ist schon bedenklich lang. Trotzdem will immer noch kaum jemand von einer globalen Währungskrise sprechen. Die letzte grosse Krise liegt 20 Jahre zurück.

Zentralbanken haben für Krisenfall vorgesorgt

Vergleiche mit damals seien «alarmistisch und überzogen», findet James McCormack von der Ratingagentur Fitch. Doch der Kreditanalyst warnt schon im nächsten Satz: Genauso verfehlt ist es, nur darauf zu zählen, dass die Schuldensituation der Schwellenländer heute besser und ihre gesamtwirtschaftliche Lage robuster ist als vor 20 Jahren. Das Risiko, dass sich die Krise in den Schwellenländern zu einer Gefahr für die Weltwirtschaft auswachsen könnte, ist schwer zu fassen. Doch die Situa­tion wird laufend ungemütlicher. «Die Mehrzahl der Ökonomen – auch ich selber – haben das Risiko von Rückschlägen in den Schwellenländern unterschätzt», sagt Credit-Suisse-Chefökonom Oliver Adler. Eine Krise wie jene der Jahre 1997/1998 hält er allerdings für unwahrscheinlich.

In der Tat stehen die meisten Schwellenländer im Vergleich zur Asienkrise heute deutlich besser da. Mit den teilweise spektakulären Fortschritten im Güterexport haben sich die Leistungsbilanzen verbessert. Vielerorts schwanken die Wechselkurse inzwischen frei und halten die internationale Wettbewerbsposition der Länder im Lot. Auch viele Zentralbanken haben für den Krisenfall vorgesorgt und hohe Devisenreserven angelegt. Trotzdem ist das Schuldenproblem nicht vom Tisch.

In den Schwellenländern, die von der Finanzkrise nach dem Lehman-Kollaps nur am Rande betroffen waren, haben sich die Schulden im Nichtbankensektor im Laufe der vergangenen zehn Jahre verdoppelt, stellt Claudio Borio, Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel fest. Ein Grossteil dieser Schulden ist immer noch in Dollar denominiert. Für diese Schuldner wird der Zinsendienst immer schwerer, je mehr die eigene Währung zum Dollar an Wert verliert.

Der zunehmende Protektionismus in den Industrieländern macht die Lage für die auf Exporteinnahmen angewiesenen Schwellenländer natürlich nicht einfacher. Borio warnt vor der Gefahr eines Teufelskreises: Höhere Zölle hätten das Potenzial, die Währungen der von den ­Importrestriktionen betroffenen Länder weiter zu schwächen, was weitere zolltechnische Schutzmassnahmen nach sich ziehen könnte, erklärte er unlängst in einem Interview.

Im Unterschied zur Asienkrise, als sich die alten Industrieländer vor einer Rückkoppelung auf das eigene Wirtschaftswachstum fürchten mussten, droht die Gefahr diesmal von einer anderen Seite. Die neue Währungskrise fällt just in die Zeit, in der sich die Notenbanken in Amerika und bald auch in Europa auf eine Normalisierung ihrer Geldpolitik einstellen. Die US-Notenbank hat den Leitzins bereits auf zwei Prozent erhöht und möchte auf diesem Kurs weiterfahren. Auch Europa plant einen Kurswechsel auf Ende Jahr. Doch weitere Zinserhöhungen könnten die umgedrehten Kapitalströme weg von den Schwellenländern zurück in die Industrieländer weiter ankurbeln und die Währungskrise verschärfen. Halten die Notenbanken die Geldschleuse offen, befeuern sie im eigenen Land die teilweise schon überhitzte Wirtschaft weiter und riskieren, dass sich, wie vor zehn Jahren, gefährliche Finanzblasen bilden.

Dauerhafter Ausnahmezustand

Zehn Jahre nach dem Lehman-Kollaps ist die Wirtschaft noch immer nicht im Gleichgewicht. Aymo Brunetti, Wirtschaftsprofessor an der Universität Bern, zieht in seinem neuen Buch «Ausnahmezustand» Bilanz über die bisher geleisteten Aufräumarbeiten. Und der frühere Chefökonom des Bundes kommt zu einem insgesamt ernüchternden Ergebnis: Zwar hätten die meisten Länder in puncto Wirtschaftsleistung das Vorkrisenniveau wieder erreicht. Dennoch habe die Krise in vielen Ländern Wohlstandseinbussen hinterlassen, deren Ausgleich noch lange dauern werde. Weit entfernt vom Vorkrisenzustand bleibe die Geldpolitik, bei der es noch «völlig unklar» sei, mit welchen gesamtwirtschaftlichen Effekten ihr Normalzustand wieder erreicht werden könne. Auch die Verschuldung laste als schweres Erbe aus der Finanzkrise auf vielen Staatshaushalten. Trotzdem geht Brunetti mit dem Krisenmanagement der Regierungen und Zentralbanken insgesamt wohlwollend ins Gericht. Lehman in Konkurs gehen zu lassen, sei zwar «ein schwerer wirtschaftspolitischer Fehler» gewesen, schreibt er. Doch er verkneift sich ein Urteil über jene, die diesen Entscheid in der damaligen turbulenten Situation treffen mussten. Brunetti legt wie immer eine sachliche Analyse und keine politische Streitschrift vor. (dz)

Hinweis Aymo Brunetti: «Ausnahmezustand. Das turbulente Jahrzehnt nach der Grossen Finanzkrise.» 160 Seiten, 29 Franken. ISBN 978-3-0355-1122-2. Ab sofort im Handel.

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