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WILLISAU: «Wir wollten ein Zeichen setzen»

Die Geschäfte bei der Distillerie Diwisa liefen im Jahr 2014 gut. Doch der Ausblick bleibt sehr verhalten. Der neue Inhaber René Gut erklärt im Interview, warum.
Diwisa-Geschäftsführer René Gut begutachtet den neuen Hoffnungsträger der Distillerie, den Drink Kaahée. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Diwisa-Geschäftsführer René Gut begutachtet den neuen Hoffnungsträger der Distillerie, den Drink Kaahée. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Interview Bernard Marks

Sie sind seit zwölf Jahren bei Diwisa in Willisau. Im Sommer 2014 haben Sie die Firma zusammen mit Adrian Affentranger übernommen. Wie hat sich seitdem das Leben für Sie als Chef und Inhaber verändert?

René Gut*: (lacht) Eigentlich hat sich bei mir persönlich nicht besonders viel geändert. Das Gefühl für die Firma ist immer noch dasselbe wie davor.

Haben Sie jetzt weniger Zeit für Freizeit und Ihre Familie?

Gut: Ich nehme mir diese Zeit einfach, weil mir das sehr wichtig ist. Das erwarte ich übrigens auch von meinen Mitarbeitern. Um fit zu bleiben, spiele ich bewusst jeden Tag mindestens einmal Tennis oder gehe joggen. Ausserdem arbeitet meine Frau seit den Anfängen mit im Betrieb. Auch mein Sohn, der zurzeit studiert, arbeitet heute nebenbei mit im Geschäft. Wir sehen uns also oft, und das ist auch gut so.

Der SNB-Entscheid, den Euro-Mindestkurs aufzuheben, war sicher für Sie als neuer Inhaber der Firma Diwisa ein Schock?

Gut: Zuerst war ich sehr betrübt, denn wir machen immerhin 25 Prozent unseres Geschäftes mit unseren Produkten im Ausland. Rund eine Million Flaschen Trojka haben wir im Jahr 2014 ins Ausland exportiert. Der Euroraum ist enorm wichtig für uns. Vor allem in den Beneluxländern verkaufen sich die Trojka-Produkte gut. Aufgrund der Frankenstärke gehe ich davon aus, dass wir im Jahr 2015 deutlich weniger Umsatz machen werden. Obwohl sich der Franken wieder ein wenig eingependelt hat, werden die Margen in Ländern wie Holland, Belgien oder Luxemburg viel niedriger ausfallen.

Welche Massnahmen haben Sie gegen den starken Franken getroffen?

Gut: Wir konzentrieren uns auf die Erschliessung neuer Märkte. Wir konnten zum Beispiel erstmals Länder wie China, Südafrika und jetzt auch Russland beliefern. Das ist für uns ein grosser Erfolg. Wir sind also zuversichtlich, mit Trojka und Xellent-Wodka weiterhin gute Margen erzielen zu können. Aber wir müssen auch neue Produkte lancieren. Sonst schaffen wir uns ein Klumpenrisiko. Mit Kaahée, welches aus Kaktusfeige hergestellt wird, können wir zum Beispiel in diesem Jahr ein recht vielversprechendes neues Getränk lancieren, das keinen Alkohol enthält. Es ist ein sogenanntes Anti-Hangover-Getränk und soll gegen einen Kater nach einer Feier wirken. Besonders wichtig war uns allerdings, dass sich unsere Mitarbeiter keine Sorgen machen müssen.

Was haben Sie dafür getan?

Gut: Wir wollten ein Zeichen für unsere Mitarbeiter setzen. Zu den 550 000 Franken, die wir normalerweise jährlich für unsere Mitarbeiter im Bereich Weiterbildung und Benefits investieren, haben wir zusätzliche Mittel von 150 000 Franken freigegeben. Jeder, der bei uns arbeitet, kommt damit in den Genuss von 7000 Franken in Form von Vergünstigungen. Er hat zum Beispiel ein Anrecht auf ein Fitnessabonnement, wir zahlen das Tennis, Schwimmen oder geben Vergünstigungen im Bereich Freizeit, wie zum Beispiel Ski-Tageskarten für die ganze Familie. Zudem investieren wir in die Weiterbildung unserer Mitarbeiter. Auch gibt es seit 2015 die Möglichkeit, einmal einen Tag nicht zur Arbeit zu erscheinen. Das nennen wir den Null-Bock-Tag. Ausserdem belohnen wir gute Ideen zum Teil mit Barzahlungen. Wir haben weiterhin allen Mitarbeitern zusätzliche Ferien- tage gegeben und den Mindestlohn bei allen Personen über 24 Jahre auf 4100 Franken heraufgesetzt.

Warum so viele Massnahmen für die Mitarbeiter?

Gut: Die Verunsicherung war nach dem SNB-Entscheid bei den Leuten gross. Genau in den Momenten, in denen die Krise vor der Tür steht, wollten wir nicht in Hektik ausbrechen. Wir müssen zu den Mitarbeitern halten, gerade dann, wenn einmal eine finanzielle Krise da ist.

Können Sie sich das finanziell leisten?

Gut: Wir werden deshalb sicher etwas weniger verdienen. Aber wir haben zwölf Jahre Rekordergebnisse erzielt. Das Jahr 2014 lag mit einem Deckungsbeitrag von rund 40 Millionen Franken nur 5 Prozent unter dem Vorjahr. Doch unter dem Strich sind wir damit zufrieden. Im kommenden Jahr werden wir aber sicher kein Superresultat erreichen. Doch wir müssen den Mitarbeitern zeigen, dass wir da sind und keine Leute entlassen werden. Wir wollen die Energie zusammen mit unseren Mitarbeitern nutzen, um neue Wege zu finden.

Wird Diwisa jetzt weniger rentabel und damit anfällig für einen möglichen Verkauf?

Gut: Nein, das steht ausser Frage. Die Idee des Management-Buy-outs war, die Firma in ihrer Eigenständigkeit zu bewahren. Das war der Wunsch der vorherigen Eigner, der Familie Affentranger. Wenn ein Aussenstehender uns kaufen würde, dann wäre die Produktion hier in Willisau schnell verschwunden. Denn ein möglicher Käufer hätte nur Interesse an den Marken, die wir führen. Doch das wird langfristig kein Thema sein.

Wie lange bleiben Sie persönlich noch Diwisa treu?

Gut: Ich habe keine anderen Pläne und bin mit Herz und Seele den Diwisa-Produkten verbunden.

Wo kann die Reise hingehen für die Firma Diwisa?

Gut: Wir haben mit Trojka eine Marke kreiert, in der grosses Potenzial steckt. Doch in vielen Märkten wie zum Beispiel in Deutschland sind wir noch gar nicht stark vertreten. Wir können diesen riesigen Markt derzeit überhaupt nicht vollständig bearbeiten, weil dies unsere Werbeausgaben sprengen würde. Deshalb konzentrieren wir uns nur auf Regionen wie zum Beispiel aktuell das Gebiet rund um Mainz.

Was würde passieren, wenn Sie ganz Deutschland beliefern müssten?

Gut: Das wäre wohl für uns derzeit eine zu grosse Aufgabe. Wir müssten unsere Kapazität deutlich erhöhen. Wir haben zwar noch Möglichkeiten, doch für solche Mengen müssten wir hier in Willisau neu bauen. Das wäre eine enorme Herausforderung.

Hätten Sie denn dafür noch Platz?

Gut: Ja, wir haben noch Landreserven in Willisau.

Heute macht Diwisa bereits 50 Prozent des Umsatzes mit Trojka. Wie wichtig sind eigentlich noch die Edelbrände?

Gut: Die bleiben wichtig für uns. Denn das Brennen ist unsere Kernkompetenz. Doch leider können wir die Brände nicht exportieren. Denn in Italien oder Frankreich trinkt man unsere Schnäpse nicht.

* René Gut (48) ist seit zwölf Jahren Geschäftsführer der Distillerie Diwisa in Willisau.

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