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WINTERSPORT: Er hat noch jeden Ski «verkuppelt»

Noch vor 80 Jahren gab es 30 Skiproduktionsfirmen in der Schweiz. Heute gibt es noch eine. Und Thomas Hänsli hat von allen den speziellsten Job.
Dominik Buholzer
Immer wieder fährt Thomas Hänsli mit seinen Fingern über die Ski. Er spürt, welche beiden Bretter zueinander gehören. (Bild Dominik Wunderli)

Immer wieder fährt Thomas Hänsli mit seinen Fingern über die Ski. Er spürt, welche beiden Bretter zueinander gehören. (Bild Dominik Wunderli)

Ganz zum Schluss des Produktionsprozesses geht alles sehr schnell. Thomas Hänsli nimmt zwei Ski, gleitet mit den Händen sanft über die Oberfläche, drückt sie in der Mitte kurz nach unten, tauscht den einen Ski durch einen anderen aus, fährt wieder über ihre Oberfläche, macht den Drucktest in der Mitte und biegt sie dann. Nach drei Minuten ist der Spuck vorbei, und Hänsli sagt bestimmt: «Die passen zusammen.» Thomas Hänsli ist 34, ein Mann mit kräftigen Oberarmen, einem schalkhaften Lachen und dem aussergewöhnlichsten Job in der Schweizer Skiindustrie. Hänsli ist Skipaarer bei Stöckli. Er ist dafür besorgt, dass jeder Ski sein passendes Pendant findet.

Bis zu 200 Paar pro Tag

Ski ist nicht gleich Ski? «Wenn sie wüssten», sagt Hänsli. «Bei der Produktion kommt es immer wieder zu kleineren Abweichungen. Hier werden sie ausgemerzt», sagt er. Hier, das ist ein kleiner heller Raum zuhinderst in der Produktionswerkstätte von Stöckli Ski in Malters. Kapelle nennen sie bei Stöckli Hänslis Reich. «Bei mir wird jeder Ski ‹verkuppelt›», meint er lachend. Und dies können an einem gewöhnlichen Arbeitstag bis zu 200 Paar sein.

Stöckli ist mit einem Marktanteil von 11 Prozent die Nummer vier im Schweizer Skigeschäft hinter Atomic und Head mit je 16 Prozent, Salomon mit 13 Prozent und der noch einzige helvetische Skibauer. 1935, als sich Josef Stöckli anschickte, in der elterlichen Zimmerei Ski aus Esche zu produzieren, zählte man in der Schweiz noch 30 Skiproduktionsbetriebe. Heute sind Marken wie Schwendener, Attenhofer genauso Geschichte wie Authier. Das Glück des Josef Stöckli war, dass er sich 1967 entschied, seine Bretter direkt zu vermarkten und so den Zwischenhandel auszuschalten.

Dafür gibt es keine Lehre

Seit mittlerweile dreieinhalb Jahren ist Hänsli Skipaarer bei Stöckli. Eine Lehre dafür gibt es freilich nicht. Das Wissen dafür wird von Generation zu Generation weitergereicht. Aber eigentlich, sagt er, sei es gar keine Hexerei. «Auch Sie würden merken, wenn zwei Ski nicht zueinanderpassen. Sie müssen dazu nur ein wenig Ihr Auge schulen», erklärt er. Das ist einfacher gesagt als getan, wie ein Selbstversuch belegt.

Leiden mit Tina Maze

Und was wäre, wenn die Ski zum Abschluss des Produktionsprozesses nicht noch durch Hänslis Hände gingen? «Das würden Sie auf der Piste sofort merken. Die Ski würden flattern, von einem Vergnügen könnte keine Rede sein», sagt er. 50 000 Paar Ski werden heute jährlich in Malters produziert. Und Hänsli kennt sie alle. Auch jene von Skistar Tina Maze. «Grundsätzlich macht es keinen Unterschied, ob ich jetzt einen Ski von ihr bearbeite oder einen, der in den Handel kommt», sagt er. Nur der Leidensdruck ist viel grösser. «Selbstverständlich ist es mir nicht gleichgültig, wie Tina Maze in den Rennen abschneidet. Wenn es ihr nicht läuft, dann leide auch ich hier mit», sagt Thomas Hänsli und lässt seine Finger über das nächste Paar Ski gleiten.

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