Interview

CEO der Luzerner CPH-Gruppe: «Am Schluss bleiben nur die fittesten übrig»

Die Luzerner Industriegruppe Chemie + Papier Holding sei dem zunehmenden Druck im Papiermarkt gewachsen, erklärt CEO Peter Schildknecht.

Gregory Remez
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Seit 2009 CEO der CPH-Gruppe: Peter Schildknecht.

Seit 2009 CEO der CPH-Gruppe: Peter Schildknecht.

Bild: Patrick Hürlimann (Perlen, 25. Februar 2020)

Herr Schildknecht, die CPH-Gruppe hat 2019 in zwei von drei Geschäftsbereichen ein Rekordergebnis erzielt. Welche Entwicklung erwarten Sie für dieses Jahr?

Peter Schildknecht: Wir haben 2019 das beste Ergebnis erzielt, seit die CPH-Aktien an der Börse gehandelt werden. Erstmals in diesen zwanzig Jahren konnten wir eine zweistellige operative Marge auf Stufe Ebit erwirtschaften – für ein Industrieunternehmen ein ausgezeichneter Wert. Dieses Resultat werden wir 2020 nicht mehr erreichen. Trotz den Herausforderungen mit der abschwächenden Konjunktur erwarten wir aber erneut einen Gewinn im zweistelligen Millionenbereich.

Der Papiermarkt ist in Europa seit Jahren rückläufig. Wie will sich die CPH in diesem schwierigen Geschäft behaupten?

2019 hat Perlen Papier im Vergleich zu den Mitbewerbern in Europa die höchste Gewinnmarge erreicht und mit einem Umsatz von knapp 300 Millionen Franken einen Betriebsgewinn von über 30 Millionen Franken erzielt. Wir betreiben die modernste und effizienteste Papiermaschine in Europa und haben die besten Mitarbeitenden.

An der Medienbilanzkonferenz hatte Präsident Peter Schaub Andeutungen gemacht, dass die CPH mittelfristig zum führenden Papierhersteller in Europa aufsteigen möchte. Wie planen Sie, dies zu erreichen?

Wir gewinnen automatisch Marktanteile, da immer mehr Mitbewerber ausscheiden, die dem Preisdruck nicht gewachsen sind. Am Schluss bleiben nur die fittesten übrig und zu diesen wollen wir gehören.

Sind künftig auch grössere Akquisitionen denkbar? Welche Investitionen sind für 2020 angedacht?

Ja, wir würden gerne den Bereich Chemie deutlich verstärken. Wir haben bereits verschiedene Unternehmen näher angeschaut, aber bisher haben sich keine passenden Möglichkeiten ergeben. Wir investieren 2020 rund 30 Millionen Franken, unter anderem in den Ausbau der Kapazitäten im Bereich Verpackung.

Die CPH leidet nach eigenen Angaben seit längerem unter dem starken Franken. Wie wirkt sich dies konkret auf das Unternehmen aus?

Der starke Franken ist schlecht für Unternehmen, die in der Schweiz produzieren und ins Ausland exportieren. Noch vor fünf Jahren hatten wir 70 Prozent aller Kosten in Franken, aber nur 13 Prozent der Erträge. Seither haben wir massiv im Ausland investiert, den Chemiestandort in Uetikon verkauft und Fabriken in China, Bosnien-Herzegowina und Brasilien eröffnet. Heute ist der Kostenanteil in Franken noch bei rund 40 Prozent. Wir wollen auch in Zukunft primär im Ausland wachsen, vor allem in Schwellenländern.

Es ist das erklärte Ziel der CPH, das Wachstum der Sparten Chemie und Verpackung so voranzutreiben, dass das Papiergeschäft irgendwann weniger als die Hälfte des Gruppenumsatzes ausmacht. Sehen Sie das Unternehmen hier auf Kurs?

Absolut. In den letzten fünf Jahren stieg der Anteil der Bereiche Chemie und Verpackung von 36 Prozent auf 44 Prozent. In den nächsten Jahren wird diese Entwicklung weitergehen.

Die CPH-Gruppe sieht sich in Sachen Nachhaltigkeit von der Öffentlichkeit falsch wahrgenommen. Wie meinen Sie das?

Die Papierproduktion in Perlen ist beinahe CO2-neutral. Wir recyceln hier am Standort Perlen praktisch das gesamte Altpapier der Schweiz. Auch nutzen wir den Restdampf der Kehrichtverbrennungsanlage Renergia, der sonst grösstenteils in die Atmosphäre verpuffen würde, betreiben eine Biomasseanlage und zwei Wasserkraftwerke. Die CO2-Bilanz unseres Papiers ist mehr als viermal so tief wie der Durchschnitt unserer Mitbewerber. Das ist leider noch nicht am Markt angekommen. Da gibt es viele Lippenbekenntnisse zur Nachhaltigkeit, aber dann bestellt man das Papier doch lieber irgendwo im Ausland für einen oder zwei Franken weniger pro Tonne, und dieses muss dann auch noch durch halb Europa gekarrt werden.

Die CPH ist auch ein grosser Verwerter von Durchforstungs- und Sägereirestholz. Sie haben jüngst angekündigt, die Recycling-Aktivitäten weiter auszubauen. Welche Bereiche haben Sie im Visier?

Im Bereich Verpackung gibt es noch sehr viele Möglichkeiten. Zurzeit sind wir daran, die internationale Stellung der Pharmafolien für Blisterverpackungen in den Märkten in Asien und Lateinamerika weiter auszubauen. Darüber hinaus ist auch eine Expansion in angrenzende Produktkategorien möglich, bei denen wir unsere Expertise in der Folienverarbeitung einsetzen können.