Banken
Raiffeisen Zentralschweiz: «Wir werden den Hahn schon nicht gleich zudrehen»

Die Mitgliedsbanken des Raiffeisen-Regionalverbands Luzern, Ob- und Nidwalden konnten 2020 erneut wachsen. Für 2021 rechnen sie mit einem anspruchsvollen Jahr, gerade bei den Geschäftskunden.

Christopher Gilb
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Raiffeisen-Filiale in Sursee. Letztes Jahr hat sich die Anzahl Filialen im Verbund auf 60 erhöht.

Raiffeisen-Filiale in Sursee. Letztes Jahr hat sich die Anzahl Filialen im Verbund auf 60 erhöht.

Bild: Nadia Schärli (16. Februar 2021)

Gut jeder dritte Einwohner der Kantone Luzern, Nidwalden und Obwalden ist Mitglied des Raiffeisen-Regionalverbands der drei Kantone, rechnete dessen Präsident Kurt Sidler an der Telefonkonferenz zum Jahresergebnis am Donnerstag vor. 2020 kamen noch einmal 2300 Genossenschaftsmitglieder dazu, was das starke Vertrauen ins Modell unterstreiche. Auch wurde eine neue Geschäftsstelle in Ruswil eröffnet, sodass die 18 Mitgliedsbanken neu wieder über 60 Geschäftsstellen verfügen. Kurt Sidler sagte dazu:

Kurt Sidler.

Kurt Sidler.

Bild: PD
«Da unterscheiden wir uns vielleicht etwas von den Mitkonkurrenten. Wir sind überzeugt, dass die Nähe zum Kunden wichtig ist.»

Trotz Abnahme der Geldbezüge am Schalter sei das Beratungsbedürfnis vor Ort nach wie vor hoch, gerade auch bei den Jungen, sagt er auf Nachfrage. Erhöht hat sich auch die Anzahl Angestellten von 611 auf 638. Als Grund für die Zunahme nennt Sidler das Wachstum im Firmenkunden- und Anlagegeschäft, aber auch neue Vorschriften der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma, wie Oliver Britschgi, zuständig fürs Ressort Finanzen, ergänzte. Der erhöhte Personalaufwand habe aber durch eine Reduktion des Sachaufwands ausgeglichen werden können, so Sidler.

Mehr Kundeneinlagen, weil weniger ausgegeben wird

Zugelegt haben die Banken des Verbands 2020 in fast allen Bereichen. Und beispielsweise im Hypothekargeschäft (+3,7%) die «traditionell starke Position» behauptet. Wie bei anderen Banken auch, haben sich die Kundeneinlagen deutlich erhöht (+8,2%). Sidler erklärt dies mit der Verunsicherung wegen der Coronakrise, weshalb die Leute vorsichtiger ihr Geld ausgegeben oder es wegen geschlossenen Restaurants oder fehlenden Reisemöglichkeiten auch weniger hätten ausgeben können. Viele der neuen Kundengelder seien auch im Anlagegeschäft investiert worden, stellte er erfreut fest. Das für die Banken zur Reduzierung der Abhängigkeit vom Zinsgeschäft wichtige Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft konnte im 2020 gar um 21,7 Prozent gesteigert werden. Der Brutto-Erfolg aus dem Zinsengeschäft ist ebenfalls leicht angestiegen. Im Gegensatz dazu fiel der Handelserfolg aufgrund rückläufiger Noten- und Devisentransaktionen wegen fehlender Auslandsreisen leicht geringer aus. Unter dem Strich resultiert für 2020 ein Jahresgewinn von 16,8 Millionen Franken (+1,6%). Davon fliesst ein Teil an die Mitglieder. Mit dem anderen werde das Eigenkapital weiter gestärkt.

Covid-19-Kredite an 1400 Unternehmen vergeben

Stark beschäftigt haben die Mitgliedsbanken aus der Zentralschweiz 2020 naturgemäss die Coronakrise. Als «führende KMU-Bank» habe man pragmatische Lösungen gesucht, und nicht nur finanziell, sondern auch als Sparringpartner geholfen, so Sidler. Etwa über eine Hotline mit praxiserfahrenen Experten. Zudem seien über die einst für Vereine ins Leben gerufene Crowdfunding-Plattform «lokalhelden.ch» schweizweit 319 Unternehmen mit rund 2,2 Millionen Franken unterstützt worden. Wegen der Absage von physischen Generalversammlungen haben die Genossenschaftsmitglieder Konsumationsgutscheine erhalten, berücksichtigt worden seien dabei Restaurants, Geschäfte und Unternehmen, welche ihre Türen hätten schliessen müssen.

Zu den Zahlen: Im Rahmen des Covid-19-Kreditprogramms des Bundes wurden in der Region gesamt 115 Millionen Franken an rund 1400 Unternehmen ausbezahlt. Über 130 der Kredite in Höhe von 18 Millionen Franken seien bereits zurückbezahlt worden, so Sidler. Wertberichtigungsbedarf hätte sich bis zum Jahresende nur ein gering erhöhter ergeben. Vor allem der Luzerner Verband hat viele Restaurants unter seinen Firmenkunden. Wird dieses Jahr mit erhöhten Kreditausfällen gerechnet? Vieles sei nun auch eine Frage der Hilfsmassnahmen und davon abhängig, wie schnell die Gelder fliessen würden, so Sidler. Den Restaurants gehe es unterschiedlich, gewisse hätten innovativ auf die Situation reagieren können, bei anderen «wird es schon sehr eng». Man sei immer offen und gesprächsbereit, um bei langjährigen Kunden Lösungen zu suchen, sagte er auf eine entsprechende Frage. In Form zusätzlicher Kredittranchen beispielsweise. Oder wie Oliver Britschgi es formulierte: «Wir werden den Hahn schon nicht gleich zudrehen.»