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Schindler-CEO: «Wir dürfen uns nicht zurücklehnen»

Der Luzerner Lift- und Rolltreppenhersteller Schindler hat ein starkes erstes Halbjahr 2018 hingelegt. CEO Thomas Oetterli ist optimistisch für die zweite Jahreshälfte, bleibt aber vorsichtig.
Interview: Roman Schenkel
Eine Schindler-Liftanlage im KKL Luzern. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (5. April 2016))

Eine Schindler-Liftanlage im KKL Luzern. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (5. April 2016))

Thomas Oetterli, Schindler hat ein Halbjahr mit ausgezeichneten Zahlen vorgelegt. Was sind die Gründe?

Es war ein anspruchsvolles erstes Halbjahr. Wir sind zufrieden mit dem erzielten Ergebnis. Unser erstes Ziel – stärker zu wachsen als der Markt – haben wir erreicht. Entscheidend ist für mich, dass es uns gelungen ist, sehr breit zu wachsen. Wir konnten in allen Regionen und in allen Geschäftsfeldern zulegen – sei dies im Neuanlagengeschäft, in der Modernisierung oder im Unterhalt von Liften. Es zahlt sich aus, dass wir in den letzten Jahren viel investiert haben, weltweit einen breiten Fussabdruck zu haben.

Im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Jahres ist es Schindler im zweiten Quartal besser gelungen, mit den höheren Preisen für Rohstoffe wie Stahl und Aluminium als auch mit dem Preisdruck in China umzugehen.

Die höheren Rohstoffpreise sind nach wie vor da, das setzt uns unter Druck. Wir konnten im ersten Halbjahr unsere Marge halten. Natürlich haben wir aber das Ziel, unsere Marge in Zukunft weiter zu verbessern. Nachdem die Rohstoffpreise vor rund 1,5 Jahren um rund 30 Prozent gestiegen sind, sind sie im ersten Halbjahr 2018 auf diesem hohen Niveau konstant geblieben. Wir erwarten nicht, dass die Preise noch in diesem Jahr sinken werden. Auf der anderen Seite hat sich der Preisdruck im chinesischen Markt etwas entspannt. Wir haben etwas mehr Stabilität in China. In Stückzahlen ist der Markt sogar leicht gestiegen, auch haben sich die Preise im Wohnungsbau stabilisiert. Bei grossen Projekten – grosse Überbauungen, Bürogebäude oder Infrastrukturprojekte – ist der Preisdruck nach wie vor stark.

Schindler hat sein Produktportfolio vereinheitlicht. Erste Produkte kommen nun zum Einsatz. Wie ist der Start verlaufen?

Mit der Modularität versuchen wir die einzelnen Komponenten eines Aufzugs weltweit zu harmonisieren. So, dass wir eine Art von Kabine, eine Art von Antrieb etc. haben. Das ist ein grosses, mehrjähriges Projekt, das mit einer hohen Investition verbunden ist. Der Einfluss aufs erste Halbjahr 2018 ist noch eher klein. In den nächsten zwei Jahren wird uns das aber helfen, unsere Profitabilität zu steigern oder negative Trends wie Rohstoffpreise oder eine negative Preisentwicklung abfedern zu können.

Schindler-CEO Thomas Oetterli an einer Medienkonferenz. (Bild: Ennio Leanza/Keystone, Zürich, 16. Februar 2018)

Schindler-CEO Thomas Oetterli an einer Medienkonferenz. (Bild: Ennio Leanza/Keystone, Zürich, 16. Februar 2018)

Kann man beziffern, welche Einsparungen Sie damit erzielen können?

Wir versuchen damit die Komplexität, die wir heute mit all den verschiedenen Produkten und Teilen haben, um rund 50 Prozent zu reduzieren. Das sollte uns in unserem Neuanlagengeschäft die Marge verbessern. Wie viel das sein wird, werden wir sehen.

Eine erste Komponente haben Sie nun weltweit eingeführt. Welche?

Die Kabine. Sie ist nun in allen Komponenten im Wohnungsbereich vereinheitlicht worden. Das bringt uns Vorteile in der Produktion durch Skaleneffekte. Wir profitieren aber auch im Einkauf. Wenn wir das gleiche Material genau gleich zugeschnitten in einer grösseren Anzahl einkaufen, können wir bessere Preise verhandeln. Es vereinfacht auch unseren Produktionsbereich. Wir müssen nicht unterschiedliche Kabinen produzieren, es gibt so keinen Leerstand des Maschinenparks. Ein wichtiger Punkt ist schliesslich die Installation, die einfacher wird: Unsere Angestellten haben nur noch eine Art von Kabine, die sie auf der Baustelle zusammenbauen müssen.

Auch digital rüsten Sie auf.

Alle Lifte sind per sofort mit unserem digitalen Produkt Schindler Ahead ausgerüstet. Es ist zum einen ein noch besseres Angebot für unsere Kunden. Wir können die Aufzüge und Fahrtreppen in Echtzeit überprüfen. So können wir frühzeitig mögliche Fehler erkennen. Es wird dadurch zu weniger Unterbrüchen im Betrieb einer Anlage kommen. Zudem können wir damit auch mit den Passagieren des Lifts interagieren. Man kann sie beispielsweise mit News versorgen, mit ÖV-Fahrplänen oder mit Werbung. Wir sind da noch in einer Anfangsphase, aber die Entwicklung ist viel versprechend.

Die Zahlen deuten darauf hin, dass Schindler im zweiten Halbjahr noch mehr Tempo aufnehmen wird.

Wir werden sicherlich alles daransetzen, dass wir auf diesem Kurs weiterfahren können. Dieses Jahr sind wir im ersten Semester etwas stärker gestartet, dafür hatten wir 2017 ein starkes Wachstum im zweiten Halbjahr. Dieses nochmals zu toppen, wird eine Herausforderung.

Schindler peilt erstmals einen Gewinn von 1 Milliarde Franken an. Was bedeutet diese Zahl?

Schlussendlich ist es eine logische Folge einer mehrjährigen Arbeit. Wir haben eine klare Strategie, was wir erreichen wollen. Wir wollen stärker wachsen als der Markt, und das höhere Volumen bringt auch die Möglichkeit, mehr absoluten Gewinn zu schreiben.

Immer wird es nicht nach oben gehen, haben Sie Respekt vor einem Rückschlag?

Wir haben weltwirtschaftlich eine gute Gesamtsituation. Das hilft uns. Natürlich kann es einen Abschwung geben, wenn sich das politische oder ökonomische Umfeld verändert. Einen totalen Einbruch befürchte ich nicht. Unser Geschäftsmodell stimmt. Der Trend zur Urbanisierung ist ­ungebrochen. Unsere Produkte sind gefragt. Ein Markt ist also vorhanden. Wichtig ist, dass wir zufrieden sind mit dem Erreichten, aber dass wir immer auch vorsichtig bleiben. Wir dürfen uns nicht zurücklehnen. Das ist für uns als langfristig orientiertes Unternehmen wichtig. Die Welt kann sich sehr schnell verändern. Wenn man sich zu stark zurücklehnt, gibt es am Ende ein böses Erwachen.

Thomas Oetterli ist seit 2016 CEO von Schindler. Er trat 1994 ins Unternehmen ein und hielt diverse internationale Funktionen inne. Zuletzt war er verantwortlich für das Geschäft in China.

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