Vontobel-Topmanager: «Wir haben Mitarbeitende eingestellt und Kunden gewonnen»

Vontobels Vermögensverwaltungschef Georg Schubiger äussert sich zur Übernahme der Privatbank Notenstein La Roche. Und er sagt, ab welchem Betrag Kunden angenommen werden.

Interview: Thomas Griesser Kym
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«Die Bank passt auch zur Vontobel-Kultur»: Georg Schubiger über die Integration von Notenstein La Roche.Bild: Ralph Ribi (St. Gallen, 16.10.2018)

«Die Bank passt auch zur Vontobel-Kultur»: Georg Schubiger über die Integration von Notenstein La Roche.
Bild: Ralph Ribi (St. Gallen, 16.10.2018)

Georg Schubiger, Vontobel hat die Privatbank Notenstein La Roche erworben. Wie haben Notenstein-Kunden den Übergang aufgenommen?

Sehr positiv. Sowohl die Kunden als auch die Mitarbeitenden. Vontobel ist ein bekannter Name im Private Banking, wir sind langfristig orientiert und gut kapitalisiert, in der Schweiz verwurzelt, und wir produzieren nur in der Schweiz und nicht im Ausland.

Welche Pläne hegt Vontobel mit dem Geschäft der früheren Notenstein La Roche?

Wir wollen das Gleiche tun wie überall in der Schweiz. Wir sind stark organisch gewachsen, haben Mitarbeitende eingestellt, Kunden gewonnen und in die Standorte investiert. Damit wollen wir weitermachen.

Welche Ziele gibt es?

Im für uns wichtigen Heimmarkt Schweiz haben wir ein jährliches Wachstum des Neugeldes von netto 5 bis 10 Prozent definiert. Aber das ist eine Richtschnur. Wir verstehen Private Banking als langfristiges Geschäft, wofür wir gute Mitarbeitende und gute Dienstleistungen brauchen. Das hat immer funktioniert.

Gibt es Anlass, am Geschäftsmodell von Notenstein La Roche herumzuschrauben?

Nein. Wir stellen die private Vermögensverwaltung mit persönlicher Kundenbetreuung ins Zentrum. Das war auch Notensteins Credo, und das bleibt so. Die Bank passt auch zur Vontobel-Kultur. Es hat hier und zuvor bei Wegelin schon immer unternehmerisch denkende Leute gehabt.

Wer kann Kunde werden?

Grundsätzlich jeder ab 750000 Franken Vermögen. Doch wir haben auch viele gute Kunden mit weniger Vermögen, aber mit Entwicklungspotenzial. Oft bringen Kunden auch nicht ihr ganzes Vermögen zu uns, sondern verteilen es auf mehrere Banken. Entscheidend ist, ob eine Kundenbeziehung über die Zeit für beide Seiten Sinn ergibt.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung im Private Banking?

Ich bin überzeugt, dass die Digitalisierung die Kundenberater aus Fleisch und Blut unterstützt, aber nicht ersetzen wird. Die Vermögensverwaltung ist sehr individuell, ähnlich wie die Gesundheit oder die Sicherheit. Solche Themen haben viel mit Vertrauen, Zuhören und Empathie zu tun, das lässt sich nicht an einen Algorithmus delegieren.

Auf Vontobels Website werden Sie wie folgt zitiert: ­«Erreichtes stellen wir immer wieder in Frage.» Konkret?

Wir müssen uns immer wieder fragen: Was braucht es als nächstes, damit wir die erste Wahl für Kunden, Mitarbeitende und Aktionäre sind? Zum Beispiel wünschen die Kunden heute wertbasierte, voll transparente Preisstrukturen. Der Kunde will auf den Rappen genau wissen, was er bezahlt und wofür. Oder: Wir haben sehr früh entschieden, das US-Geschäft aus einer Einheit heraus zu betreiben, aber mit einer Lizenz der Börsenaufsicht SEC. So sind wir von den Folgen des Steuerstreits verschont geblieben.

Die Aktienmärkte haben jüngst nachgegeben und sind sehr volatil. Wie geht’s weiter?

Aus unserer Sicht ist das wahrscheinlichste Szenario, dass sich die Börse erholt und weiter positiv entwickelt. Alle relevanten Wirtschaftsregionen auf der Welt sind auf einem Wachstumspfad. Das wirkt sich auch positiv auf die Firmen und deren Gewinne aus. Zudem schwächen die Handelskonflikte ab. Nordamerika hat bereits eine Einigung erreicht, die USA und die EU verhandeln. Und mit Blick auf die US-Wahlen ist es für die US-Regierung wichtig, auch mit China Fortschritte vermelden zu können.

Sie sind seit gut sechs Jahren bei Vontobel. Haben Sie bald wieder mal Lust auf Neues?

(lacht)

Mir gefällt es sehr gut bei Vontobel.

Georg Schubiger, Jahrgang 1968, leitet seit 1. August 2012 das ­Wealth Management der Privatbank Vontobel. Mit inzwischen über 2000 Mitarbeitenden verwaltet Vontobel Kundenvermögen von 254 Milliarden Franken. Auf 1. Juli stiess die Privatbank Notenstein La Roche zu Vontobel.