Kommentar

Wir müssen bereit sein, für die Entsorgung von Karton den gerechten Preis zu bezahlen

Die Entsorgung von Karton könnte künftig mehr kosten, weil die Preise im Keller sind. Gemäss dem Verursacherprinzip müssen die Konsumenten tiefer in die Tasche greifen.

Maurizio Minetti
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Maurizio Minetti

Maurizio Minetti 

Karton, Plastik, Pfannen, Kaffeekapseln und Aludosen. Wir bringen unseren Abfall regelmässig in den Sammelhof und denken uns nichts dabei. Dass nun einige Entsorgungsunternehmen in der Schweiz damit begonnen haben, für Altkarton Geld zu verlangen, sorgt hie und da für Empörung. Doch die Entwicklung zeigt vor allem eins: Recycling ist eben ein ganz normaler Markt, der dem Gesetz von Angebot und Nachfrage unterliegt – und somit Preisschwankungen nach sich zieht.

Weil China nicht mehr die Müllkippe der Welt spielen will und wir immer mehr Päckli online bestellen, gibt es ein Überangebot an Karton. Das drückt den Preis und sorgt dafür, dass sich das Entsorgen für die vielen Schweizer Sammelhöfe kaum mehr rechnet. Abtransporte, Presscontainer, Strassensammlungen, Personalkosten am Ökihof und Infrastruktur: Das alles kostet eine Stange Geld.

Es kann sein, dass die Preisbaisse bald vorübergeht. Wahrscheinlich aber ist, dass sich der Preis für Karton nicht so schnell erholen wird, weil die genannten Ursachen kaum aus der Welt zu schaffen sind. Wenn wir die Annehmlichkeiten der heutigen Konsumgesellschaft weiterhin geniessen wollen, müssen wir lernen, mit solchen Preisentwicklungen zu leben. Oder anders gesagt: Eine Gebühr von ein paar Franken für Altkarton ist der verursachergerechte Preis, den wir bezahlen müssen. Ob mit vorgezogener Recyclinggebühr oder per Obolus an der Sammelstelle.

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