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Kolumne

Wir müssen die Herrschaft über die Daten wieder übernehmen

Grosse Online-Konzerne verfügen über unsere Daten. Die «Internet als Allmende» könnte eine Antwort darauf sein.
Edy Portmann
Edy Portmann.

Edy Portmann.

Vor Weihnachten glühten die Förderbänder in den Paket- und Briefzentren der Post. Über Wochen sortierten diese pro Tag etwa 1 Million Pakete. Ein Grund dafür ist der wachsende E-Commerce, auf welchen der L’Oréal-CEO Jean-Paul Agon mit der Aussage anspielt, dieser sei heute «nicht die Kirsche auf der Torte, sondern die Torte selber». Aber was bedeutet das für die Post, welche heuer ihr 170-Jahr- Jubiläum feiert – Anfang des 19. Jahrhunderts noch in privaten Händen, übernahm die Eidgenossenschaft am 1. Januar 1849 auch das Postwesen und harmonisierte es. Damals setzte man auf Kutschen, um Paket- und Briefsendungen zu transportieren. Auf dem Weg wechselten sie mehrmals die Boten und mussten von einem Postkutschenkurs auf den anderen umgeladen werden.

Ein Charakteristikum des E-Commerce und dessen Logistik ist, dass ein Kaufprozess etwa bei Amazon, AliExpress et al. fast ohne Zeitverzögerung getätigt werden kann und die Lieferung oft schon innerhalb weniger Tage erfolgt. So kaufen Herr und Frau Schweizer Produkte immer häufiger von der Couch aus und bezahlen diese auch online, und so erhielten viele zu Weihnachten ihre Geschenke, dank glühender Förderbänder, pünktlich zum Fest. Die Post-Vision von 1849 gilt auch heute noch, aber die Prozesse bauen inzwischen auf einer digitalisierten Logistik auf, welche Sendungen mittels Sensoren tracken und Daten für einen besseren Service sammeln. Auch Amazon und Aliexpress bieten für ein möglichst optimales Benutzer­erlebnis bereits vor dem Kauf Informationen (wie Erfahrungsberichte) an und erheben dabei gleichzeitig nützliche Daten.

Alt Bundesrätin Doris Leuthard sagte einmal, dass «wir analog zum Bankgeheimnis heute in der Schweiz ein Datengeheimnis implementieren sollten».

Moderne Produkte und Dienste sammeln Unmengen an Daten über Sie, Ihre Freunde und Ihre Familie: die neue Uhr am Handgelenk etwa, der smarte Fernseher in der Stube, die Puppe Ihres Kindes sowie das Auto, das Sie fahren – oder fährt es Sie? Diese Art digitaler Geschäftsmodelle bezeichnet die Wirtschaftswissenschafterin Shoshana Zuboff als Überwachungskapitalismus. Sie stört sich an der Kollision mit Werten wie Freiheit, Demokratie und Privatsphäre. Die Vorstellung von Daten als Öl für die Maschine des Kapitalismus hat ihrer Meinung nach direkte Auswirkungen auf unsere Privatsphäre und die Gesellschaft. Zuboffs Problem ist, dass Überwachung Machtstrukturen ändert und zu einer Verschiebung über die Demokratie hinaus zu einem korporatokratischen System, das von fremden Unternehmen und deren Interessen kontrolliert wird, führen könnte.

Gemäss Internetaktivist Aral Balkan, der eine europäische Antwort auf amerikanische und asiatische Korporatokratien wie Amazon und Aliexpress fordert, stellt sich die Frage, wer die Daten besitzt und die Mechanismen kontrolliert, mit welchen diese gesammelt, analysiert und in nützliche Dienste umgewandelt werden. Die Unternehmen? Der Staat? Balkans Vorschlag ist das «Internet als Allmende», das Menschenrechte sowie menschliche Bemühungen und Erfahrungen achtet und sich besser mit unseren demokratischen Werten verträgt. Dieses Internet soll sich aber nicht aus amerikanischem oder asiatischem Risikokapital, sondern aus europäischen Staatsgeldern finanzieren und wäre somit dem Allgemeinwohl verpflichtet.

Alt Bundesrätin Doris Leuthard sagte einmal, dass «wir analog zum Bankgeheimnis heute in der Schweiz ein Datengeheimnis implementieren sollten». Dies wäre eine erstrebenswerte Alternative eines Geschäftsmodells für ein staatsnahes Unternehmen wie die Schweizerische Post: Anstatt die Datenmodelle der Internetgiganten zu füttern, übernähmen wir (wieder) die Herrschaft über unsere Daten und könnten so unsere direktdemokratischen Werte vor ausländischen Korporatokratien schützen.

Der gebürtige Luzerner Edy Portmann ist Informatikprofessor und Förderprofessor der Schweizerischen Post am Human-IST- Institut der Universität Freiburg.

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