Swisscom-CEO Schaeppi
«Wir schenken den Kunden quasi 100 Millionen Franken»

Swisscom weitet ab 13. April seine Pauschalabonnements auf die EU-Staaten aus. Und das Unternehmen senkt für alle anderen Kunden die Preise fürs Telefonieren und Surfen im Internet im Ausland um bis zu 38 Prozent. CEO Urs Schaeppi sagt, warum.

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Urs Schaeppi: «Ich muss Ihnen widersprechen. Unsere Preise sind im internationalen Vergleich angemessen.»

Urs Schaeppi: «Ich muss Ihnen widersprechen. Unsere Preise sind im internationalen Vergleich angemessen.»

Keystone

Urs Schaeppi, ist das neue Angebot eine Reaktion auf die stärkere Konkurrenz – Sunrise hat einen Börsengang hinter sich und Orange ist in neuen Händen?

Urs Schaeppi: Nein, es ist vor allem wegen unserer eigenen Kunden. Immer mehr Kunden nutzen ihr Smartphone zum Surfen, auch im Ausland. Natürlich versprechen wir uns auch einen Konkurrenzvorteil.

Die Swisscom-Preise sind immer noch hoch, jetzt können Sie diese besser rechtfertigen. Ist das ein Grund, dass das Roaming in Europa grösstenteils keine Zusatzkosten verursachen soll?

Ich muss Ihnen widersprechen. Unsere Preise sind im internationalen Vergleich angemessen. Ausserdem stellen wir immer noch fest, dass die Schweizer für eine gute Qualität bereit sind, etwas mehr zu bezahlen.

Politiker – in der EU wie auch in der Schweiz – wollen die Roaming-Gebühren senken. Ist das ein Grund für Ihr Einlenken?

Nein, es ist nicht von der Politik getrieben. Sondern nur von den Kunden her gedacht.

Immerhin verzichten Sie auf Umsatz. Wie viel ist es denn unter dem Strich?

Es geht konkret um 100 Millionen Franken pro Jahr, die wir quasi den Kunden schenken. Das wollen wir aber zum Teil wettmachen mit mehr Volumen. Diese Entwicklung haben wir auch schon bei der Einführung von unseren Infinity-Abos mit einem fixen Tarif vor zwei Jahren gesehen. Wir gehen davon aus, dass mittelfristig unter dem Strich nur ein tiefer zweistelliger Millionenbetrag wegfällt.

Welche Rolle spielt der starke Franken? Ist es ein Zufall, dass Sie fast einen Monat nach dem Wegfall des Mindestkurses zum Euro die Roaming-Offensive starten?

Der Währungseffekt spielt zwar eine Rolle, doch er ist nicht so stark. Und für uns spielt es ja in beide Richtungen. Wir erhalten ja auch von unseren Partnerunternehmen in Europa für die Benutzung unseres Netzes Roaming-Gebühren. Hier verlieren wir tendenziell aufgrund des starken Frankens.